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Nördlingen

10.02.2017

Handgemacht in Nördlingen: So schmeckt der Rieser Sirup

Martin Wagner will industrielle Herstellungstechniken auf eine kleine, regionale Ebene übertragen.
Bild: Wagner

Martin Wagner setzt sein Getränke-Fachwissen als regionales Start-Up um. Wie er den Rieser Sirup, den es schon zu Kaufen gibt, zuhause herstellt.

Es kam einiges zusammen für den Ingwer-Sirup und Ginger Ale mit „Made in Nördlingen“ auf dem Etikett. An erster Stelle steht ein umfangreiches Fachwissen aus der Getränkebranche, das der Nördlinger Martin Wagner für seinen Beruf braucht. Denn er ist selbstständiger Marketing-Beauftragter für ein Rieser Unternehmen, das Systeme und Komponenten für die Nahrungsmittel-Industrie herstellt. Darunter Ventile und Anlagen zur Getränkeherstellung. Die holländische Schwesterfirma, für die er ebenfalls tätig ist, ist auch in der Getränkebranche aktiv.

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Der Knackpunkt, sein umfassendes Wissen und seine direkten Kontakte zu Experten für Getränkeherstellung vom großen, industriellen Stil auf feine, hausgemachte Produkte im Kleinen zu übertragen, kam vor zwei Jahren. Da las er über englische Bars, die ihren Sirup für Cocktails und hauseigene Limonaden selbst kochten – nicht einmal eine neue Idee, denn im Ries gab es schon vor Jahrzehnten kleine Hersteller und Händler mit selbst produzierter Limonade.

Auf Messen und Ausstellungen stellte er dann fest, dass sich der Trend zum „Craft brewing“, also kleinen Handwerksbrauereien, von denen es allein in Nordamerika 6000 gibt, schon einen eigenen Markt geschaffen hat: Kleinst-Anlagen sind mittlerweile erschwinglich, so gibt es neben riesigen Industrietanks auch 100-Liter-Tanks und kleine Abfüllanlagen für den Hausgebrauch. Martin Wagner wagte den Versuch, stieg mit einer vergleichsweise einfachen Ausrüstung ein und kochte mit ausgewählten Zutaten erste Chargen vom Ingwer-Sirup, den er direkt abfüllt oder gleich mit Mineralwasser zu Ginger Ale-Limonade aufbereitet.

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Nachhaltigkeit schwingt bei dieser Art der Herstellung automatisch mit: Die Ware bezieht er von regionalen Händlern, er verwendet nur Bio- und Fair-Trade-Produkte. Bei künftigen Sorten wie Sirup für Apfelschorle will er nur Rohstoffe verwenden, die im Ries wachsen. Durch sorgsamen Umgang, der Ingwer wird beispielsweise von Hand geschält und zerkleinert, werden die Zutaten geschont und nicht durch Großanlagen geschickt. Mit Farb- oder Konservierungsstoffen kommen sie nicht in Berührung, stattdessen werden sie in kleinen Mengen gekocht – etwa vergleichbar mit hausgemachter Marmelade.

Lokale Fertigung und lokaler Handel würden niedrige Transportenergie bedeuten, was für Sirup ohnehin gelte, der nur ein Fünftel des Gewichts vom gemixten Endprodukt besitzt, sagt Wagner. Der Sirup-Effekt wahrt auch den Preisrahmen – die zuhause mit Mineralwasser gemixte natürliche Limonade komme im Endeffekt nicht viel teurer als normal gekaufte Getränke, so Wagner.

Sein Fachwissen umfasst nicht nur die Herstellung, sondern auch die rechtlichen und marketingtechnischen Anforderungen, aus dem Produkt eine Marke zu machen – von der Schriftgröße auf dem Etikett bis zu korrekten Inhaltsangaben und der grafischen Gestaltung. Heraus kam die Marke „GAS“, abgekürzt vom Ur-Produkt Ginger Ale-Sirup. Da er seine Ein-Mann-Firma noch als Hobby ansieht, ist er nicht auf schnelle Gewinne angewiesen und lässt es ruhig angehen.

Zwei Geschäfte in Nördlingen nehmen GAS ins Sortiment, Werbung läuft über soziale Medien und die Website; im Laufe des Jahres will er auf passenden Veranstaltungen präsent sein. „Wie es sich entwickelt, hängt von Reaktionen und Wünschen der Kunden ab“, so Martin Wagner.

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