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Nördlingen

09.04.2021

Hausarzt Dr. Werner Frank: Er war die erste Anlaufstelle für seine Patienten

Dr. Werner Frank (links) geht mit 70 Jahren in den Ruhestand. In der Nördlinger Gemeinschaftspraxis in der Deininger Straße arbeitet nun auch Mediziner Johannes Weng (rechts).
Foto: Martina Bachmann

Plus Hausarzt Dr. Werner Frank geht mit 70 Jahren in den Ruhestand. An welche Situation sich der Mediziner besonders erinnert und wie es in der Gemeinschaftspraxis in Nördlingen weitergeht.

Es gab eine Zeit, in der Dr. Werner Frank und Dr. Vinzenz Bundschuh gemeinsam pendelten. Beide arbeiteten im Krankenhaus in Heidenheim, beide lebten im Ries. Eines Tages sprachen die Zwei darüber, wie es beruflich für sie weitergehen solle – Frank hatte das Angebot, in Dortmund eine Stelle als Urologe zu übernehmen. Doch die Verbundenheit zur Heimat, zu Nördlingen war groß. Und so beschlossen die beiden, künftig gemeinsam in ihrer eigenen Hausarztpraxis in Nördlingen zu arbeiten. Jetzt endet diese Gemeinschaft: Dr. Frank geht mit 70 Jahren in den Ruhestand. Wie geht es in der Gemeinschaftspraxis weiter?

Frank arbeitete am Stiftungskrankenhaus in Nördlingen

Dass er eines Tages Arzt werden wolle, das sei für ihn schon festgestanden, als er noch das Gymnasium besucht habe, erinnert sich Frank heute. Er habe anderen helfen, sie stützen wollen. Und er wollte das Handwerk, die praktische Medizin ausüben: „Ursprünglich habe ich eine chirurgisch orientierte Laufbahn verfolgt.“ Und so arbeitete Frank auch nach dem Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München zunächst am heimischen Stiftungskrankenhaus in der Chirurgie und in der Inneren Abteilung, bevor er an der Klinik in Heidenheim seinen Facharzt für Urologie machte. Dann kam die Chance für die Gemeinschaftspraxis – und Frank wurde Allgemeinmediziner.

Eine Sparte der Medizin, bei der man viel Einfühlungsvermögen brauche, meint der 70-Jährige. Denn in der Hausarztpraxis erfolge die Weichenstellung für die Behandlung eines Patienten. Jede Krankheit habe ihren Anfang und es sei nicht immer einfach, diesen auch zu erkennen – muss der Arzt handeln oder kann man abwarten? Gerade Herzerkrankungen bei Frauen seien nicht leicht zu diagnostizieren, erklärt Frank. In einer Gemeinschaftspraxis zu arbeiten, war aus seiner Sicht ein Vorteil. Denn man habe jeden Fall mit den Kollegen besprechen können. Dieser ständige Austausch habe dazu geführt, dass man mit seinen Entscheidungen nicht so allein war, sagt Frank.

Das Leben und der Tod nah beieinander

Dennoch: Direkt abschalten gehe nach einem Arbeitstag als Mediziner nicht: „Da gibt es keine schwarz-weiße Zäsur.“ Zu oft geht es um nicht weniger als das Leben eines Menschen. Frank erinnert sich an eine Situation in der Praxis, als ein Patient dort einen Herzstillstand erlitten habe – und er und seine Kollegen versuchten, den Mann zu reanimieren. Einer von Franks Söhnen sauste damals auf dem Bobbycar den Flur der Praxis entlang: „Er war vielleicht zwei Jahre alt.“ Eine groteske Situation sei das damals gewesen, erinnert sich der 70-Jährige – das Leben und der Tod so nah beieinander. Der Patient habe es geschafft, er habe noch mehrere Jahre gelebt. Wenn es am Ende gut geworden sei für die Menschen, dann sei das für ihn stets Lohn genug gewesen.

Frank: Wir werden Corona besiegen

Franks Rückzug fällt mit der wohl größten medizinischen Herausforderung der jüngeren Geschichte zusammen: der Corona-Pandemie. Auch in der Praxis habe er bei Patienten beobachten müssen, wie sie ganz schnell ganz schwer krank geworden seien – und am Ende verstarben. Er selbst habe keine Angst gehabt, ebenfalls mit dem Virus infiziert zu werden, sagt Frank. Seit 1985, als er damals mit dem Kollegen Bundschuh angefangen habe, in der Hausarztpraxis zu arbeiten, sei er nur einmal eine Woche krank gewesen. In Sachen Corona blickt der 70-Jährige auch durchaus optimistisch in die Zukunft. Wenn die Menschen geimpft werden, werde sich die Situation bis zum Herbst wieder nivellieren: „Ich denke, wir werden die Krankheit besiegen.“

Seiner persönlichen Zukunft sieht Frank gelassen entgegen: „Ich habe ein ziemlich befriedigendes Privatleben“, meint er und lächelt. Der 70-Jährige spielt Klavier, geht schwimmen und kocht gerne: „Mir wird nicht langweilig.“ Doch es werde spannend, nicht mehr automatisch jeden Morgen um 8 Uhr in die Praxis zu gehen. Das übernimmt jetzt jemand anderes.

Franks Sohn Georg ist schon länger in die Praxis eingestiegen, jetzt kam noch Mediziner Johannes Weng dazu, ein ehemaliger Klassenkamerad von Georg Frank. Die Praxis, die Lehrarztpraxis der Uni Erlangen und Mitglied im Weiterbildungsverband Allgemeinmedizin im Landkreis Donau-Ries ist, wird für ihre Patienten weiter die erste Anlaufstelle sein.

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