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Wirtschaft

10.07.2013

Haustarifvertrag gescheitert

Bild: Archiv/Jim Benninger

Geschäftsleitung der Nördlinger Druckerei C. H. Beck wirft ver.di eine kompromisslose Haltung vor. Die Gewerkschaft rief nach einer Belegschaftsversammlung zum Warnstreik auf

Nordlingen Die Geschäftsführung der Druckerei C. H. Beck hat am Mittwoch die Mitarbeiter des Nördlinger Unternehmens darüber informiert, dass die Verhandlungen über einen Haustarifvertrag gescheitert seien. Die Gewerkschaft ver.di rief daraufhin die Beschäftigten zum Warnstreik auf. Er soll bis Samstagnachmittag andauern.

Den Mitarbeitern sei eine „attraktive Alternativlösung zur Zukunftssicherung“, vorgelegt worden, heißt es in einer Presseerklärung der Geschäftsleitung: „Wir sind in den vergangenen acht Verhandlungsrunden deutlich auf die Mitarbeiter, den Betriebsrat und die ver.di-Verhandlungsführer zugegangen. Wir bieten eine Öffnung bei den Arbeitszeiten für die Schichtmitarbeiter, Freischichten, bessere Löhne und Sonderregelungen für altere Arbeitnehmer. Wir wollten den Haustarif unterschreiben. Ver.di hat die von uns geöffnete Tür jedoch durch eine kompromisslose Haltung und Forderungen nach einer Gleichstellung mit dem Flächentarif und sogar darüber hinaus wieder geschlossen.“

Der vorgelegte Entwurf habe auch eine sachgrundlose Besserstellung einiger Mitarbeiter enthalten, erläuterte Druckereileiter Dr. Oliver Kranert bei der gestrigen Belegschaftsversammlung: „Wir haben einen gemeinsamen Willen zum konstruktiven Dialog und zum gemeinsamen Erfolg. Wir wollen aber am Ende nicht irgendeine Lösung, sondern die beste. Das haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verdient.“

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In der Auseinandersetzung gehe es vor allem um Wochenarbeitszeiten und Vergütungsfragen. Weiter macht die Geschäftsleitung deutlich: „Im Jahr 2011 hatten sich viele Mitarbeiter für das Angebot der Druckerei entschieden, mehr zu arbeiten, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens als Ganzes zu sichern. Im Gegenzug hatte C. H.Beck auf Personalabbau in Nördlingen verzichtet. Ver.di strebt nun seit einigen Wochen an, die erzielten Vereinbarungen durch eine tarifvertragliche Regelung zu ersetzen und weitgehende tarifpolitische Forderungen des ver.di-Bundesvorstands durchzusetzen. Die Druckerei C. H.Beck ist gut aufgestellt, auch und gerade dank der unbestrittenen Zugeständnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den vergangenen Jahren. Aber wir dürfen die Augen nicht davor verschließen, dass beinahe wöchentlich Mitbewerber – auch große Unternehmen – vom Markt verschwinden. Wir stehen weiter vor großen Herausforderungen, um optimistisch in die Zukunft gehen zu können.“

Das Unternehmen habe gestern ein umfassendes Gesamtpaket für die Mitarbeiter vorgestellt, das mit keinerlei Einschränkungen und Zugeständnissen der Belegschaft verbunden sei: „Das Angebot enthält eine höhere Grundvergütung ab Januar 2014, regelmäßige Lohnerhöhungen, gekoppelt an die Tarifentwicklung in der Druckindustrie, Freischichten und ein Programm für ältere Arbeitnehmer. Wir stehen zu unserem Wort. Wir bieten den Mitarbeitern jetzt genau das, was wir auch im Haustarif vereinbart hatten. Es heißt nun anders, aber die Vorteile für die Mitarbeiter sind dieselben“, fasste Dr. Kranert zusammen.

Die Gewerkschaft ver.di reagierte gestern mit einem Aufruf zum Warnstreik. Der Arbeitgeber brüskiere die Verhandlungskommission und die Beschäftigten der Druckerei C. H. Beck. Die angebotenen Verzichte der Beschäftigten zur Sicherung der Arbeitsplätze und des Unternehmens reichten der Nördlinger Geschäftsleitung und Unternehmerseite in München nicht. ver.di-Sekretär Rudi Kleiber: „Ganz offensichtlich haben sich auf der Unternehmerseite Gier und die Hardliner durchgesetzt. Anders ist es jetzt nicht zu erklären, dass die Arbeitgeberseite nach neun Verhandlungsrunden das Scheitern erklärte.“ Die Bemühungen, einen Tarifkompromiss zu finden, seien somit zunichte gemacht worden. (RN)

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