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Naturschutz

11.09.2017

Heideforum: Schafe lecker vermarktet

In Reimlingen ging es auch darum, welche Tiere noch zur Landschaftspflege beitragen können

Bilanz ziehen, neue Vermarktungswege aufzeigen, weitere Möglichkeiten andenken: Darum ging es am Freitag in Reimlingen. Zum dritten Mal in zehn Jahren versammelte sich das Heideforum mit Vertretern des Life+-Projekts „Heide-Allianz“. Es erhält die biologische Vielfalt und den Biotopverbund auf rund 3500 Hektar Heide- und Grünflächen am Riesrand und im Wörnitztal. Landkreis, die Rieser Naturschutzvereine und der Bund Naturschutz bilden dazu eine Trägergemeinschaft. Landrat Stefan Rößle erläuterte bei der Begrüßung, dass die Förderphase mit zwei Millionen Euro Zuschüsse unter anderem durch EU und Bayerische Staatsregierung im nächsten Jahr auslaufe, zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass es Folgeprojekte geben wird. Rößle verlieh sieben Patenschaftsurkunden an den Geologen Kurt Kroepelin, das Jugend- und Familiengästehaus Nördlingen für dessen Öffentlichkeitsarbeit, die Geoparkführerin und aktive Heidepflegerin Eva Wenninger, die Alerheimer Familie Scheible für Pflege und Nutzung der Wacholderbeere, dem Rieskratermuseum, dem Fledermausexperten Gustav Dinger sowie dem Dorfverein Mönchsdeggingen.

Projektleiterin Karin Weiß stellte in der von Tobias Pape moderierten Veranstaltung den Kern der aktuellen Maßnahmen vor. So seien 87 Prozent von geplanten 29 Hektar Naturfläche schon aufgekauft oder eingetauscht worden, allen voran fünf Hektar am Siegling-Steinbruch beim Holheimer Biotop Lindle. Auf drei Hektar soll neuer Magerrasen entwickelt werden, wozu auch Detailvermessungen dienen, die die teils verwischten Grenzen zwischen Magerrasen und Feldern klären. Mit neu erworbenen Pferchen erhält die Schäferei Unterstützung; ebenso durch die gezielte Magerrasenpflege in neun Weiderevieren.

Die ehrenamtlichen Kräfte hinter der Arbeit vertraten Johannes Ruf von den Rieser Naturschutzvereinen und Michael Ziegelmeier vom Bund Naturschutz. Laut Ruf bringen die Vereine neben Tatkraft und Ortskenntnis auch Geld ein - bislang 100000 Euro unabhängig vom Life+ -Projekt. Ziegelmeier wies auf zehn Ortsgruppen des Bund Naturschutz im Landkreis hin und betonte, statt „Gefängnisbiotope“ mit eingeschlossenen Arten müsse ein weitläufiger Biotop-Verbund das Ziel bleiben.

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Ein Schwerpunktthema waren Vermarktungskonzepte, wobei Jürgen Krenzer unter großem Applaus ein Beispiel gab, das Parallelen zum Ries erlaubt: Vor rund dreißig Jahren übernahm er in der Rhön den elterlichen Gasthof mit damals typischer fantasieloser Schnitzel- und Hawaiitoast-Speisekarte. Als belächelter Pionier sprang er auf eine Initiative des Bund Naturschutz zur Rettung des Rhönschafs an und verwertete von neu aktivierten Schäfern gelieferte Schafe vollständig, indem er neben Rücken und Keule beispielsweise auch Lamm-Ragout mit Apfel, Sherry und Sahne anbot. Mittlerweile finden seine Öko-Gourmet-Schaf-Gerichte reißenden Absatz und füllen ein eigenes Kochbuch.

Das Schaf zieht sich wie ein roter Faden durchs Marketing: auf der Streuobstwiese steht das erste Schäferkarren-Hotel Deutschlands – mit Schäferkarren aus Hainsfarth. Im Gastraum sitzt man unter anderem auf Hockern, die Schafe mit echten Fellen in Originalgröße darstellen, Wortspiele mit Schafen durchziehen Karte und Anmeldeformulare. Legen sich Wanderer ins Bett, blicken sie auf eine überdimensionale Wanderkarte an der Zimmerdecke. Alles zusammen ist mit großem Erfolg in das Naturerlebnis eingebunden.

Auch die Rinderhaltung rückte ins Licht der Landschaftspflege. So stellte Peter Hiery eine Ochsenweide im Pfälzer Wald bei St. Martin vor, wo auf dem „Auerochsenweg“ Natur und Landschaftsgeschichte erkundet werden können. Zur Geschichte der Landnutzung belegte Dr. Alois Kapfer in einem Vortrag, dass die Beweidung der Heide früher bei Weitem nicht auf Schafe beschränkt war. Im Ries gibt es mehrfach noch den „Kuhsteig“, der alte Viehtriebwege zur Heide bezeichnet. Auch in der Diskussion ging es darum, bei der Heidepflege generell mehr Tierarten einzusetzen und nicht zu streng zwischen Ackerbau- und Weideland zu trennen.

Kurt Taglinger stellte noch die Schmetterlingsvielfalt auf den Magerrasen am Riesrand vor – von 52 Arten stehe rund die Hälfte auf der Roten Liste.

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