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Justiz

10.03.2020

Heimbewohner beleidigt und schlägt Pflegerin

Der 20-Jährige verweigert die Arbeit, Kontakt zu Betreuern und anderen Bewohnern

Probleme hat es schon oft gegeben, wenn Heim-Mitarbeiter an die Tür des Angeklagten klopften. Das erzählt eine Heilerziehungspflegerin eines Wohnheims für Menschen mit geistiger Behinderung im Ries als Zeugin vor dem Amtsgericht Nördlingen. Es sei ihre Pflicht, nachzusehen, ob die Bewohner anwesend seien und es ihnen gut gehe, schildert sie – auch, wenn dieser Bewohner ihr und Kollegen schon häufig lautstark entgegenrief, dass er das nicht wünsche. Doch an einem Morgen im Spätsommer 2019 eskalierte die Situation.

Der Angeklagte ist 20 Jahre alt, trägt einen schwarzen Kapuzenpullover, darüber eine grüne Jacke. Links von ihm sitzt seine gesetzliche Betreuerin, rechts eine Dolmetscherin. Der junge Mann stammt aus Afghanistan und lebt seit mehreren Jahren in Deutschland. Die Frage des Richters, ob Familienmitglieder von ihm in der Bundesrepublik lebten, verneint er. Seine Betreuerin fügt hinzu: Sie wisse von einer Schwester im Iran. Er selbst kam offenbar in Baden-Württemberg an. Dort organisierte man ihm einen Platz in einer Wohngruppe im Ries, von dort kam er in das Heim.

Der Staatsanwalt verliest die Anklage: An dem Tag im Spätsommer 2019 soll der junge Mann die Heilerziehungspflegerin erst wüst beschimpft und sie dann auf den Unterarm geschlagen haben. Einige Minuten später soll er erneut zugeschlagen haben. Mithilfe seiner Dolmetscherin sagt der junge Mann aus, er habe nicht gewusst, was die Schimpfwörter bedeuteten – außerdem habe er die Pflegerin nur weggeschoben, weil sie zu nah an seinem Gesicht gewesen sei und er nicht habe atmen können.

Heimbewohner beleidigt und schlägt Pflegerin

Die Heilerziehungspflegerin bestätigt hingegen die Schilderung des Staatsanwalts. Der Bewohner besitze grundlegende Deutschkenntnisse, sagt sie, daher könne sie sich nicht vorstellen, dass er die Bedeutungen der Schimpfwörter nicht kannte. Nach dem ersten Angriff habe sie gedroht, die Polizei zu rufen.

Als er sie erneut schlug, habe er gerufen: „Jetzt kannst du die Polizei rufen!“ Sie sei allein im Dienst gewesen, die anderen Bewohner hätten nicht dazwischengehen können, wäre die Lage weiter eskaliert. „Da konnte ich ja nur die Polizei rufen.“

Der Angeklagte habe sich regelmäßig beschwert, wenn Mitarbeiter ihn fragten, ob er zur Arbeit in die Werkstatt gehe. Er habe sich dort verhalten, als sei er Betreuer. Irgendwann sei er gar nicht mehr dort hingegangen, weil er angab, stattdessen in einer Firma arbeiten zu wollen – das sei bei seinem Verhalten aber unrealistisch.

Er betrachte das Zimmer als seine Wohnung, in der ihn niemand stören dürfe. Diesen Eindruck gewann auch die Dolmetscherin, die an Richter Andreas Krug gewandt sagt: „Er versteht wirklich nicht, dass er in einem Heim wohnt und das ihr Job ist.“ Laut seiner Betreuerin erhält er ein Taschengeld von gut 100 Euro, ansonsten hat er kein Einkommen. Der Staatsanwalt sagt, der Angeklagte habe den Vorwürfen „im Wesentlichen nicht widersprochen“. Es sei schwierig, eine passende Maßnahme für den Angeklagten zu wählen. Weil eine Reifeverzögerung anzunehmen sei, schlug er eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht zu 64 Sozialstunden vor.

Dem folgt Richter Krug: Möglicherweise verstehe der Angeklagte wirklich nicht, was es bedeute, in einem Heim zu wohnen und unter Betreuung zu stehen. „Er weiß aber sehr wohl, dass man nicht beleidigen und schon gar nicht schlagen darf.“

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