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Verkehr

06.06.2019

Herlinstraße: Verkehrslärm ärgert Anwohner

Der Blick aus dem Fenster von Erika Blank: Die 79-Jährige ärgert sich über den starken Verkehr auf der Herlinstraße, an der sie wohnt. Oberbürgermeister Hermann Faul verweist auf die Südumgehung. Doch die ist umstritten.
Bild: Martina Bachmann

Plus Erika Blank hat den Lärm in der Nördlinger Herlinstraße satt. Oberbürgermeister Hermann Faul verweist auf die umstrittene Südumgehung. Was das Bauamt plant

Als Erika Blank Ende der 60er Jahre in ihr Haus an der Herlinstraße einzog, da grenzte noch ein Acker an ihr Grundstück an. Heute wohnt die 79-Jährige an einer viel befahrenen Bundesstraße, genauer gesagt an der B 466. Lastwagen und Autos donnern an ihrem Garten vorbei, manchmal könne man sich auf der Terrasse wegen des Lärms kaum unterhalten, berichtet sie. Zumal der Verkehr stetig zunehme, sich die Situation somit weiter verschlechterte.

Seit Jahrzehnten stemmt sich Erika Blank gegen diese Bundesstraße vor ihrer Haustür, auch jetzt hat sie sich wieder an Oberbürgermeister Hermann Faul gewandt. In einem Brief, der den Rieser Nachrichten vorliegt, schreibt sie: „Seit 45 Jahren kämpfen wir jetzt für eine Lösung – es ist nie was passiert, aber jetzt ist das Maß voll. Alle möglichen Wünsche von Nördlinger Bürgern erfüllen Sie – doch der größte wird nicht angefasst.“ Erika Blank kann nicht verstehen, warum für Holheim, Löpsingen oder Pfäfflingen Umgehungsstraßen errichtet wurden, für die Nördlinger in der Herlinstraße aber nicht. Dabei sei die Fahrbahn gerade einmal sechs Meter breit und damit viel zu eng. Überall werde gebaut, ja neue Gewerbegebiete entstünden, etwa in Reimlingen – dass aber eine Südumgehung Nördlingens nicht möglich sei, kann die 79-Jährige nicht nachvollziehen. „Und am meisten regt mich auf, dass die Straße schon wieder kaputt ist. Ich bin so wütend.“

Faul kann Erika Blank verstehen: „Man muss nur mal selbst zehn Minuten an dieser Straße stehen.“ Die Fahrbahn sei so eng, dass die Lastwagen Spiegel an Spiegel aneinander vorbei fahren. Und weil es sich um überörtlichen Verkehr handle, könne man die Straße auch nicht einfach für Lkw sperren, erklärt Faul. Für Radfahrer und Fußgänger könne das sehr gefährlich werden, sagt der Oberbürgermeister: „Die Straße ist für diesen Verkehr nicht geeignet. Man muss sich ernsthaft Gedanken machen, was man den Leuten zumutet.“ Faul betont, er stehe voll und ganz auf Erika Blanks Seite, der Verkehr müsse raus aus der Stadt, zumal es die einzige Ortsdurchfahrt einer Bundesstraße sei. Doch die Alternative sei die Südumgehung.

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Und mit dieser Idee hat Faul beim Wahlkampf für die OB-Wahl 2012 nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Viele Nördlinger befürchteten damals eine Zerstörung des Naherholungsgebietes zwischen der Marienhöhe und dem Adlersberg, auch in Reimlingen regte sich massiver Widerstand. Fauls Gegner, Rudi Koukol von den Grünen, sprach sich ebenfalls gegen die Südumgehung aus. Am Ende verlor Koukol zwar gegen den Amtsinhaber, doch in Herkheim bekam er mehr Stimmen als Faul.

Im Bundesverkehrswegeplan ist die Südumgehung noch immer aufgelistet, und zwar unter dem Punkt „vordringlicher Bedarf“, wie auch Stefan Greineder vom Staatlichen Bauamt in Augsburg bestätigt. Doch die Stimmungslage in Nördlingen und Reimlingen sei gegen die neue Umgehung: „Gegen alle zu planen, ist immer schwierig.“ Man habe aus den Verwaltungen in Nördlingen und Reimlingen das Signal bekommen, dass diese die Südumgehung nicht unterstützen würden.

In der Herlinstraße sei Tempo 30 angeordnet worden, sagt Greineder: „Viel mehr geht nicht.“ So nütze es auch nichts, einen sogenannten Flüsterasphalt einzubauen. Denn erst bei höheren Geschwindigkeiten würden die Reifengeräusche die der Motoren übersteigen. Was das Staatliche Bauamt tun könne, so Greineder, sei, Anwohner beim Einbau von Lärmschutzfenstern finanziell unter die Arme zu greifen – sofern sogenannte Lärmsanierungswerte überschritten werden. Der Bund beteilige sich zu 75 Prozent an den Kosten für neue Fenster.

Darüber hinaus plane das Staatliche Bauamt, den Fahrbahnbelag der Herlinstraße 2020 oder 2021 zu erneuern, kündigt Greineder an.

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