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Heroldingen

27.04.2019

Heroldingen: Die Besonderheiten des Kalbelwegs

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2 Bilder
Ausgrabungen zwischen 1926 und 1928 – deutlich im Hintergrund: die Tiergartenhöhe bei Heroldingen.
Bild: Kugler, Stadtmuseum Nördlingen

Warum einige Äcker weit über das Dorf hinaus zu großer Bedeutung kamen.

Wie anderswo entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg in Heroldingen mehrere Siedlungen durch die allgemein rege Bautätigkeit der Heimatvertriebenen, die einen Neuanfang machten. Am Fuß des Badersbergs und im Bereich der abgebrannten Tiefenmühle reihten sich neue Häuser aneinander, aber ab 1952 auch am südwestlichen Ortsrand. Dort bauten neben zwei alt eingesessenen Heroldinger Familien gleich mehrere Heimatvertriebenenfamilien aus Borkenheim bei Posen.

Die Straße erhielt 1985 ihren offiziellen Namen „Kalbelweg“, der dem Flurnamen „In der Kalbel“ entsprach. Wahrscheinlich rührt dies daher, dass früher auf den saftigen Wörnitzwiesen die „Kalbeln“, also Jungrinder, geweidet haben. Früher beruhte die Viehhaltung auf Weidewirtschaft. Selbst das Anspannvieh trieb man nachts auf die „Kalbel“.

Wie man verhindern wollte, dass Verstorbene wiederkommen

Die Kalbeläcker oberhalb der Wiesen erlangten eine Bedeutung weit über Heroldingen hinaus. Vor mehr als hundert Jahren machte man den damals im Ries ältesten bronzezeitlichen Fund mit drei Gefäßen und einer schön verzierten bronzenen Gewandnadel. Sie entstammten Hockergräbern, von denen eines 1909 durch das Landesamt für Denkmalpflege untersucht werden konnte. Nur 15 Zentimeter tief unter der Erde lag ein Skelett in einer aus Feldsteinen gebildeten Mulde. Die Stirn war vom Pflug weggeschnitten, die Hände waren gegen den Kopf gestützt und die Beine und Arme in einer Lage, die nur durch Anschnüren an den Körper vor der Totenstarre gesichert werden konnte. Man hatte nach damaliger Religionsvorstellung verhindern wollen, dass der Verstorbene wieder zurückkam. In nächster Nähe lagen Reste von Feuersteinmessern und Schabern.

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Mit Grabungen wurde die frühere Keltensiedlung erforscht

Zwischen 1926 und 1928 gab es erneut Grabungen in den Kalbeläckern zur weiteren Erforschung der Keltensiedlung auf der „Kalbel“ auf Grundstücken der Landwirte Brunner und Mährle. Dr. Ernst Frickhinger, ein gebürtiger Nördlinger, Apotheker und Vorgeschichtsforscher, führte sie mit Mitteln der römisch-germanischen Kommission Frankfurt durch. Zum Vorschein kamen ein fünf mal sechs Meter großes Pfostenhaus sowie weitere Hausgrundrisse. An einer Stelle fand man einen Herd samt Holzkohle und Tierknochen, bei dem die Steine vom Feuer rot gebrannt waren. Große Massen von Gefäßresten, weiß auf grau bemalte Ware, ein Messer und eine Lappenaxt aus Eisen, der bronzene Fuß einer Fibel, ein Armreifstück, Tonkügelchen als Kinderspielzeug, Wandverputzstücke u.v.a. befanden sich in dem Acker. „Herrn Mährle sei für sein freundliches Entgegenkommen bestens gedankt“, hielt Frickhinger nach einer August-Grabung in seinen Aufzeichnungen fest.

Bezieht man die Funde im Bereich von Burg-, Kauferts- und Rollenberg mit ein, so ist festzustellen, dass in der Archäologie der Vor- und Frühgeschichte des Rieses die Gegend um Heroldingen hervorsticht. Nur selten gibt es nämlich heimische Objekte mit menschlichen Spuren aus fast allen Epochen auf einem so engen Raum. Bei wenigen Orten liegt eine derart systematisch archäologische Flurbegehung vor. Noch heute sind Hobby-Archäologen in der Flur anzutreffen.

Große Jubiläen finden noch heute am Kalbelweg statt

Unweit des Kalbelwegs ist in den 1970er Jahren ein Fußballplatz entstanden, wo ab und zu noch trainiert oder gespielt wird. Vor Jahrzehnten aber stand dieser Bereich für wenige Jahre im Mittelpunkt, als noch viel mehr Spiele ausgetragen wurden, 1975 der Maibaum dort seinen Platz hatte und sich nicht nur die Kleinen über die dortigen Kindergartenfeste freuten.

Seit 1987 hat Heroldingen alle wichtigen Veranstaltungen und Treffpunkte in die Dorfmitte an den Kleinen Reisberg verlegt. Doch das Festzelt für große Vereinsjubiläen wird grundsätzlich immer noch unterhalb des Kalbelwegs aufgestellt.

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