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Technik

02.01.2019

Hightec macht ein kleines Wunder für eine Munningerin möglich

Das spezielle Hightec-System, mit dem Anja Gierse wieder fahren kann, besteht unter anderem aus einem leichtgängigen Mini-Lenkrad mit Dreizack-Griff.
Bild: Gierse

Die Munningerin Anja Gierse erlitt vor 20 Jahren einen schweren Unfall und ist an den Rollstuhl gefesselt. Dank moderner Technik kann sie nun wieder Auto fahren.

Vor genau 20 Jahren erlitt die heute 41-jährige Anja Gierse aus Munningen einen schweren Unfall, der sie an den Rollstuhl fesselte und die Beweglichkeit ihrer Hände stark einschränkte. Knapp zwei Jahre später, nach Entfernung der Metalle, absolvierte sie zwar erfolgreich einen Fahreignungstest, aber ein eigenes Auto, speziell auf ihre schweren Einschränkungen umgerüstet, musste warten: „Das ist erst einmal am Finanziellen gescheitert“, sagt Anja Gierse. Doch ihren Wunsch, selbst wieder Auto zu fahren, gab sie einfach nicht auf und so eröffnete sich Ende 2018 ein Weg zu einem geeigneten Fahrzeug.

Sie bedient den Blinker per Sprachsteuerung

Er begann bei ihrer Vorliebe für amerikanische Fahrzeuge und führte zunächst nach Bremen zu „Classic Car“, einem Importeur für US-amerikanische Fahrzeuge. Hier stach ihr der Cadillac XT 5 ins Auge, der in den USA als Frauenfahrzeug sehr beliebt ist. Der Importeur Robin Walzberg unterstützte die Familie Gierse bei der Finanzierung und einer wirtschaftlichen Umrüstung. Er verwies dabei auf Hartmut Theesfeld, einen Spezialisten aus Delmenhorst für behindertengerechte Umrüstung. Dieser analysierte zunächst detailliert das Krankheitsbild von Anja Gierse und empfahl als erstes eine extrem leichtgängige Lenkung. Da sich die Fahrzeugkonstruktion nicht direkt in dieser Richtung modifizieren ließ, kam Theesfelds Partnerfirma „Paravan“ aus Pfronstetten-Aichelau, rund 30 Kilometer westlich von Ulm, ins Spiel. Paravan ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für hoch individuelle behindertengerechte Fahrzeuglösungen. Flaggschiff ist das Steuerungssystem Space Drive, mit dem sogar schwerstbehinderte Menschen ohne Arme und Beine Auto fahren können; das System wird mittlerweile vom Gemeinschaftsunternehmen Schaeffler Paravan Technologie eingesetzt und weiterentwickelt. Im Fall von Anja Gierse erfüllt die Lenkfunktion ein Minilenkrad mit drei Griffen, das dort angebracht ist, wo die Hand in Ruheposition liegt und mit minimalem Kraft- und Bewegungsaufwand steuern kann. Mit der linken Hand reguliert sie einen Gas-Brems-Schieber; Funktionen wie Fahrzeuglicht, Blinker oder Hupe werden per Sprachsteuerung ausgeführt. Ein Hosenträgergurt wurde speziell angepasst.

"Es war wie eine Explosion im Bauch"

„Es war unbeschreiblich, wie eine Explosion im Bauch“, erinnert sich Anja Gierse, als Hartmut Theesfeld der Familie mitteilte, dass die Umrüstung im Rahmen des Machbaren liegt. Das war möglich, weil man unter anderem auf ein teures Personen-Einladesystem verzichtete. Doch das ist für Anja Gierse kein Problem: „Im Stand eine halbe Drehung, und dann setze ich mich hin“, sagt sie. Zudem findet sie beim Umgang mit dem Fahrzeug Hilfe in der familieneigenen Firma „A-Team mit Herz“, einem Hausmeister- und Haushaltsservice für Menschen, die Unterstützung brauchen.

Auf einen Schlag wuchs nun Anja Gierses selbstständige Beweglichkeit und Lebensqualität an: „Ich kann heute einfach anrufen und mit einer Freundin shoppen gehen.“ Ihre Dalmatiner transportiert sie inzwischen selbst zu ihrem geliebten Zughundesport, ihr Mann Sascha genießt es zusehends, als Beifahrer mitzukommen. Der erste große Ausflug führte die 41-Jährige vor Kurzem auf den Weihnachtsmarkt in der Donau-Rieser Bäldleschwaige.

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