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11.08.2018

Hitze: Wird die Kartoffel nun teurer?

Auf der Suche nach den Kartoffeln: Unter einer Pflanze sollten eigentlich zehn Knollen in der Erde liegen – doch lässt die extreme Hitze und die damit verbundene Dürre der vergangenen Wochen dies überhaupt zu?
Bild: Julian Würzer

Speziell im Norden Deutschlands kämpfen Landwirte mit den extremen Temperaturen der vergangenen Wochen. Wie die Lage im Landkreis aussieht.

Karlheinz Götz kniet auf dem Feld und buddelt in der Erde. Er ähnelt dabei einem kleinen Kind, das am Strand nach einer Muschel sucht. Nur sucht der Kreisobmann des Bauernverbandes keine Muscheln – er sucht Kartoffeln.

In den vergangenen Wochen hat es in der Region kaum geregnet. Die Auswirkungen zeigt das Kartoffelfeld in Birkhausen neben Götz’ Hof. Nur am Rand des Feldes sind die Pflanzen grün, in der Mitte braun – zu wenig Wasser. Die heißen Temperaturen leisten ihr Übriges. Eigentlich sollten bei jeder Pflanze zehn Kartoffeln in der Erde stecken, sagt Götz und gräbt weiter.

Insbesondere im Norden Deutschlands kämpfen Landwirte mit der extremen Hitze. Durch die Dürre ist von einer schlechten Ernte die Rede. Das betrifft neben den Kartoffeln das Getreide, den Mais und die Zuckerrüben. Deshalb forderten Landwirte eine Soforthilfe vom Staat – rund eine Milliarde Euro. Fällt im Winter kein Schnee, gibt es für Liftbetreiber von Skianlagen keine Hilfen vom Staat – weshalb soll der dann Landwirten helfen?

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Wenn es um Existenzen geht, sollte der Staat eingreifen, sagt Götz. Ansonsten hätte er lieber die Möglichkeit, eine steuerfreie Rücklage zu schaffen, um schlechte Erntejahre durch bessere auszutarieren. Subventionen, Götz nennt es Ausgleichungszahlungen, bekommen Bauern bereits. Erfüllen sie die Vorgaben, fließen rund 300 Euro für jeden Hektar Land aus Brüssel an die Bauern. Götz besitzt mehr als 80 Hektar Land. Für viele Bauern sei das in schlechten Jahren der einzige Gewinn – wenn überhaupt. Derzeit steht der Mais noch auf dem Feld, und wie die Ernte der Kartoffel ausfällt, lässt sich erst Anfang September sagen. Doch ist die Situation im Landkreis so alarmierend wie im Norden Deutschlands?

Sorgfältig legt Götz eine ausgegrabene Kartoffel neben die andere und zählt laut vor sich hin. Eins, zwei, drei ... zehn. Er wirkt zufrieden. Die Größe sei ebenfalls in Ordnung. „Die Ernte wird vielleicht etwas unter dem Durchschnitt liegen“, sagt er. Der geringe Niederschlag hätte zusammen mit den besonderen Böden im Landkreis ausgereicht, das Schlimmste zu verhindern, so Götz.

Das bestätigt auch Thomas Gutmann, Landwirt aus Haid. „Die frühen Sorten waren bereits fertig, als die Hitze einsetzte“, sagt er. Die späten Sorten hätten im Kreis Donau-Ries noch genügend Wasser abbekommen, um zu überleben. Die Situation im Norden habe dennoch Auswirkungen auf den Markt. „Die Preise werden auch hier steigen“, sagt Gutmann. Er verkauft seine Kartoffeln direkt auf seinem Hof oder in Dorfläden. Karlheinz Götz liefert seine hingegen an das Kartoffel-Centrum Bayern nach Rain am Lech, wie einige andere Landwirte aus der Region. Der Geschäftsführer der Pommes-Fabrik Manfred Schott bestätigt auf Nachfrage der Rieser Nachrichten, dass die Situation im Landkreis und generell im Süden nicht so schlimm, wie in Rheinland-Pfalz sei. „Wir waren hier nicht so intensiv betroffen“, sagt er.

Für die Verbraucher hat er dennoch keine guten Nachrichten. „Die müssen heuer etwas tiefer in die Tasche greifen“, sagt er.

Dass die Pommes wegen der kleinen Kartoffeln kürzer werden könnten, wie in den vergangenen Tagen zu lesen war, konnte er nicht bestätigen.

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