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Geschichte

27.10.2020

Hohe Auszeichnung für Schweindorfer

Pfarrer Julius von Jan wird posthum als „leuchtendes Beispiel für Integrität“ gewürdigt. Eine Gedenkstätte in Jerusalem hat dem Geistlichen einen Ehrentitel verliehen

Einem gebürtigen Schweindorfer ist eine hohe Auszeichnung zuteilgeworden: Die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem hat Pfarrer Julius von Jan den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ verliehen. Gewürdigt wird der Mut des Geistlichen, der 1938 nach der Reichspogromnacht offen die Verfolgung der Juden durch das Regime und das Schweigen seiner Kirchenleitung angeprangert hatte. Von Jan musste in Bayern Schutz suchen und sollte eine Stelle in Nördlingen bekommen, was aber nicht geklappt hat.

Julius von Jan wurde am 17. April 1897 in Schweindorf geboren, wo sein Vater damals Pfarrer war. Aufgrund seiner früheren Zugehörigkeit zur Reichsstadt Nördlingen ist Schweindorf der einzige evangelisch geprägte Ort auf dem sonst katholischen Härtsfeld. Später zog die Familie nach Gerhausen bei Blaubeuren. Von Jan meldete sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs freiwillig zur Reichswehr, war an verschiedenen Fronten im Einsatz und geriet 1917 in britische Gefangenschaft. Nach der Rückkehr studierte er evangelische Theologie und wurde Pfarrer. 1935 übernahm er die Pfarrstelle in Oberlenningen am Fuße der Schwäbischen Alb. Er war damals schon im Konflikt mit den braunen Machthabern und schloss sich der „bekennenden Kirche“ an.

Am 9. November 1938 brannten in Deutschland die Synagogen, tausende Juden wurden verhaftet und getötet. Acht Tage nach den Pogromen stieg von Jan am Buß- und Bettag auf die Kanzel und beklagte „das organisierte Antichristentum. Die Leidenschaften sind entfesselt, die Gebote missachtet, Gotteshäuser, die andern heilig waren, sind ungestraft niedergebrannt worden, das Eigentum der Fremden geraubt oder zerstört. Männer, die unserem deutschen Volk treu gedient haben, wurden ins KZ geworfen, bloß weil sie einer anderen Rasse angehörten!“ Aber „Gott lässt seiner nicht spotten. Was der Mensch säet, wird er auch ernten!“ Auch am folgenden Sonntag predigte er so deutlich.

Daraufhin wurde er von SA-Männern als „Judenknecht“ beschimpft, schwer misshandelt und von der Polizei in „Schutzhaft“ genommen. Im April 1939 wurde er ausgewiesen und fand in Bayern Zuflucht bei der Landeskirche. Ein Versuch, ihn auf eine Pfarrstelle in Nördlingen einzuweisen, scheiterte. Von Jan übernahm eine Stelle nahe Passau. Im November 1939 wurde er zu 16 Monaten Haft verurteilt. Fünf Monate war der Pfarrer in der Haftanstalt Landsberg, dann wurde er auf Bewährung entlassen. Die Kirchenleitung verhinderte, dass er in ein Konzentrationslager kam, der Landesbischof missbilligte jedoch gegenüber Heinrich Himmler die „scharfen Äußerungen“ in der Predigt. Von Jan wurde suspendiert und gegen ihn wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Ihm wurde von den Nazis die „Wehrwürdigkeit“ aberkannt. Dennoch wurde er in einer Strafkompanie an der Ostfront in Russland eingesetzt. Er geriet in Kriegsgefangenschaft, aus der er 1945 nach Oberlenningen zurückkehrte. 1949 wurde er Pfarrer in Zuffenhausen. 1958 trat er in den Ruhestand, am 21. September 1964 starb er in Korntal bei Stuttgart.

Botschafter Jeremy Issacharoff würdigte bei der Übergabe der posthumen Auszeichnung an den Sohn in der israelischen Botschaft in Berlin von Jans Einsatz als „leuchtendes Beispiel für Integrität“. Als Mann Gottes habe er Juden in der dunkelsten Zeit ihrer Geschichte zur Seite gestanden: „Er tat, was jeder humane Mensch hätte tun sollen, und doch war er nur die Ausnahme.“

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