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Nördlingen

24.10.2020

Hospiz, Kita und Hort in Nördlingen: Ein Zentrum für das Wemdinger Viertel?

Das Areal um St. Josef soll das neue Zentrum des Wemdinger Viertels werden, wenn es nach den Nördlinger Kirchenvertretern geht. Die Zeit drängt, weil das Projekt auch von Geld vom Bund abhängt.
Bild: Pfarreiengemeinschaft Nördlingen

Plus Das einwohnerstärkste Viertel Nördlingens hat keinen natürlichen Mittelpunkt. Die Kirchen wollen das ändern. Warum die Stadt dabei unter einem enormen Zeitdruck steht.

Die Nördlinger Kirchen wollen aus dem Areal um St. Josef ein Zentrum des Wemdinger Viertels machen. Oberbürgermeister David Wittner unterstützt das Anliegen im Grunde. Geplant sind, dass sich neben der Kirche künftig ein Quartierszentrum mit einem vielfältig genutzten Saal, ein Neubau für die Kita St. Josef, ein Hort und ein Hospiz befinden sollen. Doch auf dem möglichen Großprojekt lastet ein großer Zeitdruck – ein sehr großer. Genauer: Vergangenen Donnerstag wurde das Projekt dem Stadtrat erstmals vorgestellt, am Freitag muss die Stadt beim Bund einen Antrag eingereicht haben.

Die Ideen eines Zentrums in dem Viertel reichten zurück in die Amtszeiten mehrerer Nördlinger Oberbürgermeister, sagte Wittner in der Stadtratssitzung. Die Stadt sehe einen großen Bedarf, die Kitaplätze in St. Josef auszubauen. Das habe auch der Stadtrat bereits 2019 festgestellt. Die Einrichtung werde von zwölf Krippenplätzen und 25 Regelplätzen auf 24 Krippenplätze und 75 Regelplätze aufgestockt. Deshalb dränge auch in dieser Beziehung die Zeit.

Nördlingens katholischer Stadtpfarrer Benjamin Beck präsentierte die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie. Ein Hort sei für die Kirchenstiftung, den Träger der Kindertagesstätte, sehr wichtig. Die drei Kitas der katholischen Pfarreiengemeinschaft verfügten alle nicht über angegliederte Hortplätze. Die ausscheidenden Kinder fänden deshalb oft keine Hortplätze, weil in anderen Einrichtungen andere Kinder häufig Vorrang hätten. Vorübergehend könnte im bestehenden Pfarrhaus zum 15. Februar ein provisorischer Hort eingerichtet werden, sagte der Pfarrer. Die frühere Idee eines Jugendwohnheims habe sich zerschlagen.

Die Pflegestation St. Vinzenz sei interessiert, auf dem Areal ihren ambulanten Pflegedienst zu betreiben, ergänzte Beck. Die Lage außerhalb der Altstadt biete sich an, da dort der notwendige regelmäßige Autoverkehr besser aufgehoben sei.

Problematisch sei, dass das bestehende Pfarrhaus Denkmalschutz genieße, weil es nach Ansicht der Verantwortlichen ein Ensemble mit der Kirche bilde. Dazu liefen Gespräche. Das vorgelegte Konzept für das Areal, das im Rahmen einer Machbarkeitsstudie erarbeitet wurde, sieht einen Abriss des Gebäudes vor.

Der Kindergarten könnte direkt umziehen

An seiner Stelle befände sich dann das eigentliche Quartierszentrum mit einem von der Allgemeinheit und kirchlich genutzten Räumen, einem Saal und der Sozialstation. Auf einem bisher unbebauten Platz befände sich die neue Kita mit Hort – dadurch könnte der alte in Betrieb bleiben, bis der neue steht. An der Stelle des alten Kindergartens würde dann das Hospiz gebaut werden.

Dieses präsentierte der evangelische Dekan Gerhard Wolfermann dem Stadtrat. Das Gebäude müsste ebenerdig sein, weil dies für ein Hospiz notwendig sei. Es erstrecke sich über etwa 800 Quadratmeter Grund und biete acht Plätze. Das sei der Bedarf, für den die Krankenkassen bereits Zustimmung signalisiert hätten.

Knackpunkt ist bisher die Finanzierung des Gebäudes. Es sei refinanzierbar, aber nur über 25 bis 30 Jahre. Deshalb sei es für private Investoren uninteressant. Nun suche man andere – etwa die Kirchen und die Stadt.

Auf die Frage aus dem Gremium, ob der Lärm einer Kita in unmittelbarer Nachbarschaft eines Hospiz wünschenswert sei, antwortet der Dekan entschieden, dass Sterbende nicht von der Außenwelt isoliert werden sollen. Ein Hospiz dürfe nicht an eine Klinik angegliedert sein. Es sei auf dem Gelände von St. Josef sehr gut aufgehoben.

Zentrum soll so viel wie das Nördlinger Hallenbad kosten

Oberbürgermeister David Wittner betonte, man befinde sich in einem Spannungsfeld. Auf der einen Seite benötige man einen Gesamtplan für das Grundstück – auf der anderen Seite dränge die Zeit zu sehr. Das gemeinschaftlich genutzte Gebäude, das das Pfarrhaus ersetzen soll, käme für dieselbe Förderung infrage, die beim Hallenbad zum Tragen kommt. Dafür sei aber am kommenden Freitag Bewerbungsschluss. Kämmerer Bernhard Kugler ergänzte, man müsse nachweisen, dass ein Neubau wirtschaftlicher sei als eine Sanierung. Diese Zahlen bereite man nun für den Förderantrag vor. Wittner verglich die Kosten des Projekts mit denen des Hallenbads. Zur Einordnung: Das Grundmodul des Bads kostet 14,4 Millionen Euro, die priorisierte Sauna 3,7 Millionen Euro.

Wolfermann betonte, es sei dringend notwendig, in Nördlingen einen Ort zu schaffen, an dem Sterbende in Würde begleitet würden. Derzeit sei das nächstgelegene Hospiz in Ellwangen. Mehrere ehrenamtliche Organisationen engagierten sich für die Vorhaben, wie beide Geistlichen betonten.

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