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15.07.2010

Hubschrauber-Firma geht ins Detail

Hubschrauber-Firma geht ins Detail

Wallerstein Die Mehrzweckhalle ist wieder brechend voll. Rund 500 Wallersteiner sind gekommen, um die Ausführungen von Marco Ohnhäuser, dem Geschäftsführer der Heli Aviation GmbH, zum umstrittenen Hubschrauberlandeplatz in der Marktgemeinde zu hören. Anfang der Woche hatte bekanntlich die "Interessengemeinschaft Wallerstein (IGW)" die Bevölkerung zu einer Veranstaltung eingeladen, um sich zu informieren und Bedenken, Sorgen und Ängste gegen das Großprojekt kund zu tun (wir berichteten).

Ohnhäuser stellt zunächst sein Unternehmen ausführlich vor und erläutert das Leistungsspektrum. Die Besucher hören aufmerksam zu. Vielen war bisher offenbar nicht klar, was sich hinter der Heli Aviation verbirgt. Der Geschäftsführer kommt aber schnell zum eigentlichen Thema des Abends. Er nehme die Bedenken der Bevölkerung sehr ernst, versichert Marco Ohnhäuser. Sachlich, nüchtern, konzentriert führt er zunächst aus, warum für seine Firma der Bau des Landesplatzes notwendig sei.

Die Infrastruktur mit der Ohnhäuser GmbH in der Nachbarschaft könne gemeinsam genutzt werden, nennt er als das Hauptargument. Immer mehr Entwicklungsarbeit finde in der Luftfahrt statt; leichtere, bessere Produkte würden bei den Zulieferern, wie der Ohnhäuser-Gruppe, produziert. Kurzum: Herstellung und Erprobung (Tests) könnten quasi an einem Ort stattfinden, im Fachjargon "Synergieeffekt" genannt.

Geplant sei der Bau eines Verwaltungs- und Unterrichtsgebäudes. Die Flugausbildung finde entgegen mancher Behauptungen nicht in Wallerstein, sondern ausschließlich auf Flugplätzen wie Nördlingen, Genderkingen, Elchingen oder Worms statt.

Hubschrauber-Firma geht ins Detail

Eine weitere Spekulation will Marco Ohnhäuser ausräumen: Die geplante Tankanlage diene lediglich dem Betanken der Hubschrauber der Heli Aviation. Es könne keine Rede davon sein, dass ein "Tanktourismus" entstehen könne. Eine weitere Behauptung, die Ohnhäuser widerlegt: Der Landeplatz sei nicht 30 000 Quadratmeter groß (das gesamte Gelände habe diese Ausmaße), sondern lediglich 34 auf 34 Meter.

Der Heli-Aviation-Chef ist sichtlich bemüht, auch die Sorgen der Bürger hinsichtlich einer massiven Lärmbelastung im Ort zu zerstreuen. Die drei bis fünf Flugbewegungen pro Tag fänden in der Regel zu normalen Geschäftszeiten statt. Außerdem würde der Geräuschpegel erheblich reduziert, weil zum einen das Betriebsgebäude der Ohnhäuser GmbH und der Neubau als zusätzlicher Schallschutz wirkten und zweitens der Landeplatz deutlich nach Osten verlagert werde. "Uns ist daran gelegen, die Geräuschentwicklung auf ein Minimum zu reduzieren. Daher wurden von uns zahlreiche Gutachten eingeholt und sämtliche Auflagen erfüllt."

Beifall gibt es sogar, als Ohnhäuser ankündigt, keine großen Hubschraubertypen wie den Nato-Heli "NH-90" oder den "Super Puma" in Wallerstein landen zu lassen. Außerdem würden die ursprünglich im Planfeststellungsverfahren vorgesehenen Nachtflüge um die Hälfte von 30 auf 15 pro Jahr reduziert. Unbegründet nennt er geäußerte Bedenken hinsichtlich der sogenannten "Schwebeflüge" und einer damit einhergehenden Lärmbelastung. "Solche Flüge sind lediglich vom Landeplatz zum nur 15 Meter entfernten Abstellplatz oder zur Tankstelle vorgesehen", erklärt Ohnhäuser.

Fast noch wichtiger erscheint ihm diese Klarstellung: Mit der Firma Eurocopter in Donauwörth habe es keinerlei Gespräche über eine Verlagerung der Hubschrauber-Endmontage oder der Wartungsarbeiten nach Wallerstein gegeben. Ebenfalls kein Thema sei die Verlagerung von Erprobungsflügen oder Testläufen von Donauwörth in die Riesgemeinde. "Da ist überhaupt nichts dran."

Die anschließende Diskussion ist ausführlich, kritisch, kontrovers aber dennoch sachlich. Die Menschen sind nach wie vor erkennbar misstrauisch. Zweifel werden an den Ausführungen zu den Lärmemissionen geäußert. Ein Zuhörer weist auf die unterschiedlichen Winde hin. Andere wiederum wollen nicht so recht glauben, dass die drei vorgesehenen Anflugkorridore in der Praxis eingehalten werden, obwohl Ohnhäuser vorher versichert hat, dass die Piloten dazu verpflichtet seien, diese strikt einzuhalten und jede Flugbewegung schriftlich zu dokumentieren. Kindergärten, Schulen oder Seniorenheime würden keinesfalls überflogen.

Mehrfach wird das Thema "Verminderte Wohnqualität" durch Lärm und Abgase in der Marktgemeinde angesprochen. Ohnhäuser kann sich das partout nicht vorstellen und wird von einem Bürger unterstützt: "Ich wohne in der Nähe des Felsens und fühle mich durch die jetzt bereits stattfinden Rundflüge nicht gestört."

Weitgehend allein

Mit dieser Ansicht steht der Mann allerdings weitgehend allein, wie Unmutsäußerungen belegen. Eine Forderung aus dem Auditorium, die sich an den anwesenden Bürgermeister Joseph Mayer und seinen Gemeinderat richtet, lautet: "Macht es so wie die Stadt Nördlingen, die in ihrer Stellungnahme zum Planfeststellungsverfahren verlangt, aus Rücksicht auf die Baldinger Wohngebiete die Grenzwerte für den ,Dauerschallpegel' in dem 160 Meter breiten aus Südwesten kommenden Anflugkorridor von 85 Dezibel auf 70 zu reduzieren." Das Fazit nach eineinhalb Stunden ist ziemlich eindeutig: Skepsis, Ratlosigkeit, ja teilweise Ärger bleiben.

Gespannt sind alle auf die öffentliche Sitzung des Wallersteiner Gemeinderates am kommenden Dienstag und die zu erwartende Stellungnahme der Marktgemeinde zu dem Projekt. Am 21. Juli, einen Tag später, läuft bekanntlich die Einspruchsfrist ab. Aber: Nachdem die Heli Aviation Änderungen in den Planungen vornimmt, werden diese erneut zur Einsicht für die Bürger ausgelegt und mit einer neuen Einspruchsfrist versehen. Der Jurist vom Landratsamt, Heinz Lehndorfer, bestätigt dies auf Nachfrage. Bürgermeister Mayer empfiehlt den Kritikern, ihre Bedenken dennoch bis zum kommenden Mittwoch bei den zuständigen Stellen einzureichen. "Sie sind damit auf der sicheren Seite."

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