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13.07.2010

Hubschrauberlandeplatz: Protest ohne Polemik

Wallerstein Die Teilnehmerzahl verrät die Brisanz des Themas: Rund 400 Menschen sind der Einladung der "Interessensgemeinschaft Lebenswertes Wallerstein (IGW)" gefolgt und in die Mehrzweckhalle gekommen, um sich über den von der Firma Ohnhäuser geplanten Hubschrauberlandeplatz (wir berichteten) zu informieren und ihre Bedenken und Ängste gegen das Großvorhaben zu artikulieren.

Die Vertreter der IGW kommen gleich zur Sache und schildern, welche nachteiligen Folgen aus ihrer Sicht das Ohnhäuser-Projekt für die Bevölkerung der Marktgemeinde und ihren Nachbarkommunen habe: Durch ständigen Fluglärm als Folge von Erprobungs- und Schwebeflügen sowie durch die Nutzung der geplanten Betankungs- und Wartungsanlage werde die Lebens- und Wohnqualität in der Gemeinde zurückgehen, der Fremdenverkehr leiden und negative gesundheitliche Auswirkungen für die Bevölkerung heraufbeschworen.

Andreas Schneider, selbst Psychologe, befürchtet durch Lärmemmissionen psychische und psychosomatische Nachteile wie Nervosität, Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen oder Erschöpfungszustände. "Hauptleidtragende sind unserer Kinder" meint Schneider, der aber auch die älteren Menschen und die Wallersteiner Altenheimbewohner gefährdet sieht.

Daten aus den Unterlagen

Hubschrauberlandeplatz: Protest ohne Polemik

Die Mitglieder der Interessensgemeinschaft sind sehr bemüht, sachlich und ohne Emotionen ihre Anliegen vorzubringen. Dies gelingt ihnen auch. Kein böses Wort fällt, Polemik bleibt außen vor. Die Einwohner hören aufmerksam zu, als Martin Oßwald (er ist Pilot, hat selbst einen Luftfahrtbetrieb und fungiert als Berater der Landeplatz-Gegner) aus den Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren zitiert. 30000 Quadratmeter groß soll der Hubschrauberlandeplatz werden. "Das sind aneinandergereiht rund 50 durchschnittlich große Wohnbauplätze". Ein Raunen geht durch die Menge; den meisten wird wohl erst jetzt die Dimension des Vorhabens so richtig bewusst. Oßwald verweist auf die in einem TÜV-Gutachten angeführten Lärmwerte, die der Norm entsprechen würden. "Das Projekt liegt nach den vorliegenden Unterlagen im legalen Bereich", wie er sich ausdrückt. In der Diskussion wird deutlich: Die Wallersteiner sind verunsichert, ja teilweise ratlos, was das auf sie zukommen könnte. Sie fühlen sich schlecht oder gar nicht informiert, was in nahezu allen Wortbeiträgen zum Ausdruck kommt. Die Veranstaltung erhält jetzt eine gewisse Brisanz. Im Fokus stehen Bürgermeister Joseph Mayer und sein Gemeinderat, dem schlechte Informationspolitik vorgeworfen wird. Der Rathauschef verteidigt sich. Die Kommune sei nicht Herr des Verfahrens, sagt er. "Wir können als Gemeinde nur genauso wie Sie unsere Stellungsnahme bis zum Ende der Frist am 21. Juli abgeben und das werden wir auch tun". Mayer wird gefragt, wem das Grundstück gehöre, auf dem der Landplatz geplant sei. "Über Grundstücksangelegenheiten sage ich grundsätzlich nichts", antwortet er und weist gleichzeitig die Vorwürfe zurück, die Bürgerinnen und Bürger nicht rechtzeitig über das Vorhaben informiert zu haben. Auch ihm sei die Dimension des Ganzen erst im Mai bekannt geworden, als ihn das Unternehmen davon in Kenntnis gesetzt habe. "Unmittelbar danach wurde das Projekt im Amtsblatt und im Gemeindeblatt bekanntgemacht". Von verzögerter Information könne keine Rede sein. Es gebe auch keinen Bebauungsplan dafür, wie bisweilen behauptet werde. Es handle sich um eine "luftrechtliche Sache", für die das Luftamt Südbayern allein zuständig ist, bekräftigt Mayer als wolle er sagen, glaubt es mir halt. Warum denn der Gemeinderat nicht seine Bedenken deutlich mache, lautet eine weitere Frage? Mayer sieht sich erneut herausgefordert: "Das werden wir selbstverständlich tun. Wir haben bis zum Ende der Einspruchsfrist Zeit, schutzwürdige Dinge in der Gemeinde wie Altenheime, Kindergärten, Schulen, aufzugreifen und zu benennen." Diese Aussage löst erkennbar Skepsis bei den Bürgern aus nach dem Motto: Da sind wir aber einmal gespannt. Nach der Veranstaltung erklärte der Bürgermeister, dass in jedem Fall noch eine Ratssitzung zu diesem Thema stattfinden werde. Ob öffentlich oder nicht-öffentlich wisse er noch nicht. Jürgen Pabst von der Interessengemeinschaft, der souverän durch den Abend führt, ruft am Schluss alle Anwesenden auf, bis zum 21. Juli Einspruch beim Luftamt Südbayern zu erheben. Die IGW hat vorformulierte Schreiben ausgelegt.

Ohnhäuser lädt heute ein

Gast des Informationsabends ist auch Marco Ohnhäuser, einer der Geschäftsführer der Ohnhäuser GmbH. Er äußert sich aber nicht. Hin und wieder schüttelt er den Kopf über manchen Wortbeitrag. Ansonsten hört er sich aufmerksam die Bedenken an. Für heute Abend lädt Ohnhäuser ab 19 Uhr die Bevölkerung wieder in der Mehrzweckhalle ein, um aus seiner Sicht das Vorhaben "Hubschraubersonderlandeplatz" (so die offizielle Bezeichnung) zu informieren. (bs)

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