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Spannende Hobbys

08.09.2019

„Ich wollte ein bisschen wie Indiana Jones sein“

Frank Ziegler ist mit einem Metalldetektor im Ries unterwegs.
Bild: Ronald Hummel

Plus Frank Ziegler untersucht mit einem Metalldetektor Teile des Rieses. Immer wieder stößt er auf Zeugnisse der Vergangenheit. Kürzlich beauftragte ihn ein verzweifelter Ehemann.

Schon als kleiner Junge hat sich Frank Ziegler aus Möttingen ein einfaches Metallsuchgerät gebaut. Er befestigte einen Magneten unter einem Brett, das er über den Boden zog. „Ich wollte ein bisschen wie Indiana Jones sein“, erinnert er sich. Lange war das Kinderabenteuer vergessen, aber mit etwas über 30 Jahren kam es wieder hoch und Frank Ziegler gönnte sich einen Metalldetektor, um Wiesen und Äcker zu durchforsten.

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Von Anfang an ging er dabei ganz korrekt vor, überprüfte im Bayernatlas auf dem Computer unter der Funktion „Bodendenkmäler“, welche rot markierten Sperrflächen für Sonden nicht erlaubt sind. Das Ries ist dabei im Vergleich zum Umland regelrecht gesprenkelt, weil es schon seit jeher dicht besiedelt war. Beim Kartenstudium stieß Ziegler sogar auf eine Bodenformation, die auf eine bislang unbekannte Gruppe von Grabhügeln hinweisen könnte und meldete sie ans Landesamt für Denkmalpflege in Thierhaupten, wo man die Entdeckung noch untersuchen will.

Nicht überall ist das Sondieren im Ries erlaubt

Zwischen den Verbotszonen bleiben noch genug Äcker und Wiesen, wo das Sondieren erlaubt ist; in Bayern darf man im Gegensatz zu anderen Bundesländern ohne spezielle Genehmigung loslegen. Landwirte, die Ziegler um Erlaubnis bittet, reagieren immer mit Interesse und er wurde nie abgewiesen – schließlich hinterlässt er seine Fundstellen so, dass man danach nichts davon sieht, hebt auf Wiesen erst vorsichtig die Grasdecke ab und fügt sie zum Schluss wieder ein. Einmal bat ihn ein Landwirt, das verloren gegangene Teil eines Mähdreschers zu suchen – Ziegler fand es, tief im Boden steckend.

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Bei seiner Sonde kann er die Höhe der Frequenz einstellen – je höher, umso kleinere Objekte erfasst sie, reicht dann aber weniger tief. Aus Erfahrung visiert er meist den Bereich zwischen 15 und 20 Zentimetern Tiefe an: „Da spielt sich das Meiste ab.“ Piepst es dann, ist es für ihn wie Weihnachten: „Du weißt, da ist ein Paket, aber nicht, was drinnen ist.“ Kreuzer aus dem Kaiserreich und Musketenkugeln waren seine ersten Funde, die er inmitten von Kronkorken, Nägeln, Büchsenresten und anderem Unrat ausgrub. „Es ist faszinierend, wenn man eine Musketenkugel findet und sich Jahrhunderte zurück versetzt fühlt, als der Soldat oder Jäger sie abfeuerte“, schwärmt Ziegler. Mittlerweile hat er eine kleine Sammlung von Patronenhülsen bis zu uralten Hundemarken, von Riemenschnallen bis zu Knöpfen in einer Vitrine. Und tatsächlich stößt er immer wieder auf Funde von archäologischem Interesse, die er pflichtgemäß dem Denkmalamt meldet, was an die Spurensicherung eines TV-Krimis erinnert: Die Fundstücke kommen in ein Tütchen, dazu ein Zettel mit den exakten GPS-Daten.

Aktuell macht er einen Anhänger aus dem 18. Jahrhundert mit den Heiligen Ignatius und Aloysius versandbereit; ein rätselhaftes Teilchen mit Resten von Goldanhaftungen hatte sich als Verschlussteil eines mittelalterlichen Buchdeckels erwiesen. Und immer wieder hat er seine kleinen Indiana-Jones-Erlebnisse: „Genau am 380. Jahrestag der Schlacht bei Nördlingen fand ich nahe Ederheim außerhalb der Sperrgebiete eine Kanonenkugel aus der Schlacht.“ Er konservierte sie, sodass sie jetzt wie neu in der Vitrine prangt.

Einsatz nach einer Autopanne bei Augsburg

Und erst vor wenigen Wochen half Ziegler in einem ganz speziellen Fall: Eine Familie hatte eine Autopanne auf der Autobahn nahe Augsburg; dabei verlor der Vater seinen Ehering. Der hatte große persönliche Bedeutung, denn die Ringe waren seinerzeit aus Teilen des Familiengoldes geschmiedet worden. Auf der Karte rekonstruierte man die Pannenstelle, fand einen Zufahrtsweg und tatsächlich – unweit der Leitplanke zeigte die Sonde einen kleinen Gegenstand an. Der Auftraggeber stürzte sich auf die Stelle und hob den Ring wie ein Schatzstück empor. Was auch Frank Ziegler noch findet, derartige Erfolgserlebnisse werden immer dabei sein.

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