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Tiere

09.11.2016

Igeln über den Winter helfen

Igel dürfen nicht einfach so eingesammelt werden.
Bild:  Wulf-Dietrich Kavasch

Das Nördlinger Tierheim gibt zur Zeit oft Rat, wenn Menschen abgemagerte Igel finden. Im Herbst Warum sie nicht einfach eingesammelt werden dürfen.

Nördlingen Fast täglich melden sich derzeit besorgte Anrufer im Nördlinger Tierheim, um Hilfe und Rat für den Umgang mit untergewichtigen Igeln zu erfragen. Viele Igel mit einem Körpergewicht von unter 400 Gramm sind auch tagsüber unterwegs, um Nahrung zu finden. Igel stehen jedoch ganzjährig unter Naturschutz und dürfen nicht einfach eingesammelt werden. Die richtige Versorgung eines kranken oder untergewichtigen Igels erfordert große Erfahrung. Nur in begründeten Ausnahmefällen dürfen Igel ihrem natürlichen Lebensraum entnommen und in menschliche Obhut genommen werden. Selbst dann überleben höchstens dreißig Prozent der geschwächten, untergewichtigen und meist kranken Tiere. Viele Biologen lehnen diesen Eingriff in die Natur und die Verhinderung einer natürlichen Auslese grundsätzlich ab.

Igel ziehen sich in ihre Winterquartiere zurück 

Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit ziehen sich gesunde Igel in ihre Winterquartiere zurück. Prinzipiell sollte man die nachtaktiven Igel sich selbst überlassen. Nur wenn ein Igel im Spätherbst bei Frosteinbruch tagsüber aktiv ist und deutlich weniger als 400 Gramm wiegt, braucht er menschliche Hilfe um zu überleben. Die beste Möglichkeit, vor allem unerfahrenen Jungigeln zu helfen, besteht darin, igelgerechte Futterstellen im Garten einzurichten. Auf dem Speiseplan können Hunde-Feuchtfutter, Katzendosenfutter, ungewürztes Rührei gemischt mit Igeltrockenfutter, Erdnußbruch oder ungeschwefelte Rosinen stehen. Auf keinen Fall darf Milch angeboten werden. Ein Schälchen mit frischem Wasser ist völlig ausreichend. Über der Futterstelle sollte man eine Kiste mit einem Einschlupfloch von maximal zehhn mal zehn Zentimeter anbringen, um ungebetene Gäste, wie Katzen und Vögel, fernzuhalten. Kompost-, Reisig- und Holzhaufen sind ideale Igelverstecke im Garten.

Igeln über den Winter helfen

Eine Naturnahe Gartengestaltung schafft Lebensraum für Igel. Das Herbstlaub sollte im Garten verbleiben. Igel benötigen es für ihre Winterquartiere und finden unter der Laubschicht noch viele Kleinlebewesen, die ihnen als Nahrung dienen können. Auf keinen Fall darf jetzt im Garten Schneckenkorn ausgelegt werden.

Igel müssen zunächst untersucht werden

Bei einer Aufnahme ins Haus kommt es auf eine artgerechte, fachkundige und im Notfall auch tierärztliche Betreuung an. Zunächst sind Igel äußerlich zu untersuchen und von Zecken, Flöhen, Fliegeneiern und -maden zu befreien. Zur Unterbringung benötigt man ein mindestens zwei Quadratmeter großes Gehege mit einer 50 cm hohen Umrandung. In das Gehege gehört ein kleines Schlafhäuschen aus Holz oder Pappe, in den zerknülltes und zerrissenes Papier gegeben wird. Der Boden kann am einfachsten mit Zeitung ausgelegt werden, um die tägliche Reinigung zu erleichtern. In jedes Gehege darf nur ein Tier gegeben werden, da sich Igel untereinander oft nicht vertragen.

Aufgenommene Igel müssen gefüttert werden, bis sie mindestens ein Gewicht von 700 bis 800 Gramm erreicht haben. Die wöchentliche Gewichtszunahme eines gesunden Igels beträgt 50 bis 70 Gramm und sollte kontrolliert und notiert werden.

Langjährige Erfahrungen bei der künstlichen Überwinterung von Igeln haben gezeigt, dass ohne Behandlung gegen Innenparasiten (Lungen- und Darmwürmer) sowie bakterielle Infektionen die meisten Igel sterben. Symptome für eine Erkrankung sind Husten und Röcheln, Nahrungsverweigerung und Gewichtsabnahme. In diesen Fällen ist sofort ein igelkundiger Tierarzt oder eine Igelstation aufzusuchen.

Hat der Igel das nötige Gewicht erreicht, so muss das Gehege in einen höchstens sechs Grad warmen, halbdunklen, trockenen und lärmgeschützten Raum gebracht werden. Hier eignen sich auch Gartenhäuser oder wettergeschützte Terrassen. In wärmeren Räumen verfällt der Igel in keinen echten Winterschlaf, sondern verbleibt in einem Zwischenstadium, in dem sehr viel Energie verzehrt wird. Der Igel dämmert in den Tod hinüber.

Nach dem Erwachen etwa Anfang April wird die Kiste gesäubert. Danach wird der Igel noch einige Tage gefüttert und an einem warmen Abend Anfang Mai in einem kleinen Nest aus Heu und Laub ausgesetzt. (pm)

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