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Natura 2000

15.01.2014

„Ihr habt ja keine Ahnung“

Bild: Archiv/Musolf

Aufgeheizte Stimmung bei der Vorstellung des Managementplanes „Wörnitztal“

Wechingen Der Entwurf des Managementplanes „Wörnitztal“ im Rahmen der Einrichtung von FFH-Gebieten (Flora-Fauna-Habitate) und SPA-Räumen (Vogelschutzgebiete) ist für die betroffenen südlichen Ortschaften von Harburg bis Wechingen an einem „Runden Tisch“ im Wechinger Schützenhaus vorgestellt worden – und stieß vor allem bei den Landwirten prompt auf harsche Kritik und Anlehnung. Neben Gemeindevertretern aus Harburg, Alerheim, Möttingen, Deiningen, Wechingen und Munningen, neben Repräsentanten von Wasserwirtschaftsamt und Verbänden, Jägern und Fischern hatten sich so viele Flächeneigentümer und Landwirte eingefunden, dass nicht nur der große Saal, sondern auch die davorliegende Wirtsstube rappelvoll besetzt waren.

Eines der anspruchsvollsten Gebiete

Mit Günter Riegel (Biologe und Mitarbeiter bei der höheren Naturschutzbehörde), Reinhold Hettrich (Landschaftsplaner im Planungsbüro PAN) und Anton Burnhauser (Ornithologe bei der Regierung von Schwaben) war ein Referenten-Trio angetreten, das in einer minutiös detaillierten Powerpoint-Präsentation den Managementplan erläuterte. Demnach ist das Wörnitztal mit rund 50 Quadratkilometern „eines der größten, aber auch eines der anspruchsvollsten Gebiete“.

„Ihr habt ja keine Ahnung“

Viele Vogelarten sind rückläufig

Ein Hinweis, dass hier durch die häufigen Überflutungen der Wörnitzauen ökologisch „vieles in Ordnung“ sei, ist das Auftreten von sogenannten Indikator-Arten wie dem Weißstorch. Insgesamt zählten die Ornithologen 28 Vogelarten, acht davon mit stabilen Beständen, sieben mit rückläufiger Tendenz, die anderen „mit starkem Rückgang“. So gab es 1960 noch 60 Brutpaare des großen Brachvogels, heute „nur noch um die 20“.

Hauptproblem sei die Aufzucht der Brut: „Wenn vor dem 15. Juni gemäht wird, wird das Gelege zerstört.“ Mais, Raps und Hackfrüchte wiederum seien den Beständen der stark rückläufigen Wiesenweihe abträglich, sie brauche die Getreidefelder. Zum Erhalt der gesamten vorgestellten Liste mit Vögeln, Fischen, Muscheln und Schmetterlingen wären nun 80 Hektar geschützt, das sind vier Prozent der Gesamtfläche. „Einzelne Landwirte werden nicht gezwungen, plötzlich eine Wiesenbrütermulde anzulegen. Aber Grünlandumbrüche sind ein Verstoß gegen das Verschlechterungsverbot. Wenn ein Bestand da ist, ist der Landwirt verpflichtet, diesen Bestand zu erhalten“, erläuterte Günter Riegel.

Dann kippte die Stimmung vollends

Dieses Statement kam bei den versammelten Landwirten nicht gut an. Eine lautstarke Wortmeldung: „Das ist eine Katastrophe, was in den Pfäfflinger Wiesen passiert. Der Bestand ist immer schlechter geworden, seit ihr da mit Euren Vorschriften mitmischt!“, erntete zustimmendes Klopfen und kippte die Stimmung vollends.

Anton Burnhausers Rechtfertigungsversuch „Wir machen nur das, was unbedingt notwendig ist, keinen Deut mehr, wir erfüllen nur unsere Pflicht“, wurde mit Kopfschütteln registriert.

Die beiden Vertreter des Bauernverbandes und des Landwirtschaftsamtes fragten nach und hakten nach, machten die Ängste klar („Die Leute, die hier sitzen, haben Angst um ihr Eigentum!“), forderten klipp und klar Konkretes ein („Sagen Sie bitte den Eigentümern, was auf sie zukommt!“) und brachten damit die drei Referenten in Nöte, die auf die „EU-Quoten“ verwiesen und mit dem Finger nach oben zeigten: „Die Regierungschefs, die Sie gewählt haben, haben diese Richtlinien unterschrieben.“

Doch dies heizte die Stimmung noch weiter an und verleitete einen Alerheimer Landwirt zu einem mit erregter Stimme und ausgestrecktem Zeigefinger vorgebrachten Vorwurf:

„Meiner Meinung nach haben Sie mit Ihren Maßnahmen den Brachvogel zerstört. Am 13. Juni, wenn das Wetter schön war, sind laut Ihren Vorgaben alle Flächen gleichzeitig gemäht worden. Der Vogel hatte keine Chance mehr.“

Das hat sich inzwischen freilich geändert, jetzt wird zeitlich gestaffelt: Wer statt dem neuen Stichtag 15. Juni erst am 1. Juli oder gar 1. August mäht, erhält eine entsprechend höhere Vergütung. Das ist vor allem für Landwirte ohne Viehbestand interessant.

Es gilt die sogenannte Rückholklausel

Der Hinweis, dass bei jedem freiwilligen Programm die Rückholklausel gilt, nach der man bei Ablauf des Vertrags wieder aussteigen könne, sorgte nur kurzzeitig für Beruhigung an den Tischen. Die Fragen nach den Kosten („Das ist wohl eine nicht ernst gemeinte, rhetorische Frage“) und nach der Dauer der Maßnahme („In zehn Jahren wollen wir einen guten Schritt weiter sein“) hatten keine „befriedende“ Wirkung, im Gegenteil: „Wir sind gebrannte Kinder, haben kein Vertrauen mehr“, brachte es ein Huisheimer Landwirt auf einen beifällig abgenickten Nenner und fuhr fort: „Beim letzten Mal wurde gesagt, es hat keine Auswirkungen. Und dann hatten wir nur noch Vorschriften.“

Behördliche Verteidigung der Biberbestände

Die behördliche Verteidigung der Biberbestände ging dann endgültig im lauten Widerspruch unter („Ihr habt ja keine Ahnung“).

Da konnte Anton Burnhauser in seinem abschließenden Fazit nach gut zweieinhalb Stunden nur noch resigniert die kleinste gemeinsame Linie einfordern: „Uns bleibt alle miteinander nichts anderes übrig, als die alten Sachen zu vergessen und aus der Maßnahme das Beste zu machen.“ "Kommentar

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