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05.06.2009

Im Ernstfall müssten fast 3000 Tiere getötet werden

Fünfstetten (wwi) - Nervös weichen die Rinder in dem großen Stall der Familie Fetsch nahe Fünfstetten zurück, als rund zwei Dutzend Personen wortlos durch die Mittelgasse schreiten. Sie sind in gelbe Overalls mit Kapuzen gekleidet, tragen drei Paar Latexhandschuhe übereinander und haben sich Plastiktüten über die Füße gezogen, bevor sie in Gummistiefel schlüpften. Im Ernstfall hätte den gut 300 Bullen im Stall das letzte Stündlein geschlagen. Am gestrigen Dienstag aber bleibt es für die meisten der Tiere beim ungewohnten Anblick, denn bei einer bislang einmaligen Übung unter der Leitung des Veterinäramts Donauwörth wird der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche nur angenommen.

Die Aktion läuft nach Angaben von Dr. Ekhard Sälzle, Leiter der Behörde, so realitätsnah wie möglich ab. Die Feuerwehren aus Fünfstetten und Harburg rücken an, sperren das Anwesen ab, bauen neben den Stallungen ein Zelt und auf der nahen Ortsverbindungsstraße eine Fahrzeug-Desinfektionsschleuse auf. Die Polizei sperrt die umliegenden Wege, die Johanniter errichten ein Zelt, in dem die rund 80 Einsatzkräfte versorgt werden können und die Unterstützungsgruppe für den örtlichen Einsatzleiter postiert ihre mobile Einsatzzentrale.

"Wäre die Seuche hier ausgebrochen, wäre die Gefahr groß, dass sie auf benachbarte Höfe übergreift", begründet Sälzle den enormen Aufwand. "Die Übung ist ganz wichtig, um gerüstet zu sein", meint Landrat Stefan Rößle, der ebenfalls die schweißtreibende Schutzmontur trägt. Rößle dankt besonders der Familie Fetsch dafür, dass sie ihren Betrieb zur Verfügung stellt. In anderen Landkreisen habe sich kein einziger Landwirt dazu bereit erklärt. "Man weiß nicht, was auf einen zukommt", verhehlt auch Andreas Fetsch seine anfänglichen Zweifel nicht. Eigentlich sei die Maul- und Klauenseuche nicht im Bewusstsein. Schätzungsweise vor 40 Jahren wütete sie letztmals in der Region. Aber Fetsch weiß auch: "Wenn sie ausbrechen würde, wäre das für uns eine Katastrophe." Soll heißen: Es würde im Umkreis von einem Kilometer eine Schutzzone eingerichtet, in der alle Klauentiere - also Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen - getötet werden müssten. In Fünfstetten und Umgebung wären das knapp 3000 Tiere. Hinzu kämen laut Sälzle eine Drei-Kilometer-Sperrzone und ein Zehn-Kilometer-Beobachtungsgebiet.

Bei der Übung werden zwar keine Rinder eingeschläfert, dafür aber testweise 30 Ochsen betäubt. An den 500-Kilo-Kolossen sowie an weiteren Rindern nehmen die Veterinäre auch Blutproben. Das Technische Hilfswerk aus Donauwörth rangiert einen großen Radlader an den Stall. Wäre die Seuche ausgebrochen, würden die Helfer damit die Kadaver in Container zur Tierkörperbeseitigung verfrachten.

Insgesamt sei die Übung "ganz gut gelaufen", bilanziert Ekhard Sälzle. Freilich seien auch Probleme offensichtlich geworden. So mangele es im Ernstfall an Fachpersonal: "Wir haben vier Amtstierärzte im Landkreis. Das reicht gerade mal für die normale Arbeit."

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