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Überfall

10.10.2019

Im Schlaf überfallen: Hohe Gefängnisstrafe für Angeklagte aus dem Ries

Das Landgericht Augsburg hat eine Frau aus dem Ries zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Wegen Planung eines Raubüberfalls auf ihren geschiedenen Mann hat das Landgericht Augsburg eine Frau aus dem Ries zu einer hohen Haftstrafe verurteilt. Was der Richter bei der Urteilsverkündung sagt.

Wegen Planung eines Raubüberfalls auf ihren geschiedenen Mann muss eine Frau aus dem Ries lange ins Gefängnis. Das hat das Augsburger Landgericht entschieden. Im Auftrag der Frau überfielen zwei maskierte und bewaffnete Männer im Februar vorigen Jahres ihren Ex-Mann in seinem Haus, sprühten ihm Reizgas ins Gesicht und nahmen eine Geldkassette mit 12500 Euro an sich. Anders als gewünscht unterließen sie es jedoch, den Unternehmer auch noch zu verprügeln.

Staatsanwalt Burkhard Weiß hatte der Angeklagten am Dienstag in seinem Plädoyer ein hohes Maß an krimineller Energie bescheinigt und eine Haftstrafe von elf Jahren gefordert.

„Sie haben ganz, ganz große Schuld auf sich geladen“, sagt der vorsitzende Richter Roland Christiani bei der Urteilsverkündung zur Angeklagten. Er verurteilte sie zu achteinhalb Jahren Haft. Getrieben von Missgunst, Neid und Eifersucht habe sie die Täter angeheuert, um ihrem Ex-Mann zu schaden, der sich 2015 von seiner Frau hatte scheiden lassen. Danach arbeitete die Angeklagte noch eine Zeit lang in der Firma ihres Mannes. Weil es dort zu Eifersuchtsszenen kam, kündigte ihr der Unternehmer.

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Über Facebook knüpft die Angeklagte Kontakt zu den Tätern

Die Angeklagte war nach der Scheidung finanziell gut abgesichert. Darauf ging das Gericht im Urteil ein. Mit dem Geld ihres Ex-Mann konnte sie sich ein Haus und ein teures Auto kaufen, hatte außerdem eine sechsstellige Summe an Bargeld zur Verfügung. „Sie hatten alles, was ein Mensch zum Leben braucht“, merkte Richter Christiani an.

2017 knüpfte die Angeklagte über Facebook Kontakt zu den Tätern. Die beiden Männer wurden bereits wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung zu sieben beziehungsweise neun Jahren Haft verurteilt. Bei ihrer Festnahme legten sie ein Geständnis ab und verrieten wer ihre Auftraggeberin gewesen war. Im Prozess traten sie jetzt als Zeugen auf.

„Völlig glaubwürdige Zeugen“, wie die Strafgerichtskammer betonte. Die Angeklagte legte im Prozess über ihren Anwalt ein Teilgeständnis ab. Sie bestritt, den Raub in Auftrag gegeben zu haben. Es sei lediglich darum gegangen, dass ihr Ex-Mann verprügelt werde. Verteidiger Gregor Rose hatte daher beantragt, seine Mandantin nicht wegen des Raubs, sondern wegen Einbruchs und Körperverletzung zu verurteilen. Er halte eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren, so der Anwalt, für schuldangemessen. Die Angeklagte gab zu, am Tag vor dem Überfall mit den Einbrechern zum Wohnhaus ihres Ex-Mannes gefahren zu sein. Dort zeigte sie ihnen, wo sich sein Schlafzimmer befindet und ihnen den Hausschlüssel gab.

Beide Kinder der Angeklagten haben, wie im Prozess zur Sprache kam, den Kontakt zu ihrer Mutter längst abgebrochen. Tochter und Vater saßen im Gerichtssaal, als das Urteil verkündet wurde. Dem Unternehmer ist noch immer anzumerken, dass der Überfall nervlich Spuren hinterlassen hat, was sich unter anderem durch häufiges Zittern bemerkbar machte.

Um ein Uhr nachts schrillt die Alarmanlage

Ausgerechnet drei Tage vor dem jetzigen Gerichtsverfahren fürchtete er, erneut Einbrechern gegenüber zu stehen. „Um ein Uhr nachts hat bei mir die Alarmanlage geschrillt“, erzählte er in einer Prozesspause. Sein Sohn, bewaffnet mit einem Baseballschläger, und seine Tochter trafen Minuten später bei ihm ein. Wie sich herausstellte, hatte der Wind ein Fenster aufgedrückt, das nur angelehnt gewesen war. Der Unternehmer hat sein Haus mit Videokameras und Bewegungsmeldern gesichert.

Die Angeklagte sprach am Ende der Beweisaufnahme den ihr gegenüber sitzenden Ex-Mann direkt an: „Es tut mir wirklich leid. Ich hoffe, Dir geht es in Zukunft besser.“

Mehr zum Prozess lesen Sie hier: Überfall aus Rache und Eifersucht?

So fiel das Urteil gegen die Männer aus, die den Raub ausführten:

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