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Landkreis Donau-Ries

01.03.2021

Impfaffäre: Regierung von Schwaben entlastet Landrat Stefan Rößle

Landrat Stefan Rößle bekam im Januar eine Impfung zum Schutz gegen Covid-19.
Foto: Anton Färber (Archiv)

Der Landrat des Kreises Donau-Ries, Stefan Rößle, hat eine Prüfung seiner Corona-Impfung in Auftrag gegeben. Nun liegt das Ergebnis vor.

Die Regierung von Schwaben hat Landrat Stefan Rößle entlastet. Wie berichtet, war der Kommunalpolitiker am 4. Januar an der Donau-Ries-Klinik geimpft worden. Das jedoch blieb der Öffentlichkeit lange verborgen.

Erst in einem Interview mit unserer Zeitung Anfang Februar bestätigte Rößle die Impfung - und sah sich anschließend massiver Kritik ausgesetzt. Der Landrat lies sein Handeln daher von der Regierung von Schwaben prüfen. Das Ergebnis wurde nun am Montag in der Sitzung des Kreisausschusses vorgetragen.

Regierung von Schwaben entlastet Landrat Stefan Rößle

In einem Schreiben des Regierungspräsidenten von Schwaben, Dr. Erwin Lohner, heißt es, bei Rößle sei „kein schuldhaftes dienstliches oder außerdienstliches Fehlverhalten“ festzustellen. Auch Rößles Stellvertreterin, Claudia Marb, wird entlastet.

Die Regierung begründet ihre Entscheidung unter anderem damit, dass der Impfstoff drohte zu verfallen. Er war bereits in einer Spritze aufgezogen und nur noch eineinhalb Stunden haltbar.

Die Regierung von Schwaben gab am Montagvormittag das Ergebnis ebenfalls in einer Pressemitteilung bekannt. Dort heißt es: "Nach Sachverhaltsaufklärung unter Einholung verschiedener Stellungnahmen kam die Regierung nun zu dem Ergebnis, dass ein schuldhaftes Fehlverhalten der Amtsträger nicht festzustellen ist."

In der Mitteilung wird der Ablauf der damaligen Impfung von Stefan Rößle und seiner Stellvertreterin geschildert. Am 4. Januar 2021 habe die Donau-Ries Klinik Donauwörth vom Impfzentrum Donau-Ries ohne nähere Vorgaben 40 Ampullen zur Verimpfung an die dort tätigen Personen nach von der Klinik vorgenommener Priorisierung erhalten, was dort ab 9 Uhr erfolgte. Während damals noch fünf Impfdosen aus einer Ampulle generiert worden seien, habe die Klinik eigenverantwortlich, wie heute üblich und zulässig, bereits sechs Impfdosen jeder Ampulle entnommen und konnte dadurch die Anzahl der zu impfenden Personen deutlich steigern.

Zwei Impfdosen waren auf Spritzen aufgezogen gewesen

Am Nachmittag gegen 15 Uhr waren in der Klinik laut Mitteilung noch zwei bereits auf Spritzen aufgezogene Impfdosen vorhanden, die zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr transportiert werden durften und bis 16.30 Uhr zwingend verimpft werden mussten.

Da laut Klinik keine weiteren impfberechtigten Personen kurzfristig zur Verfügung standen, entschied man dort, dem Landrat und seiner Stellvertreterin unter Hinweis auf den in Kürze drohenden Verfall des Impfstoffs ein Impfangebot zu machen, wird in der Mitteilung geschildert.

Rößle und Marb hätten gefragt, ob andere Personen zur Verfügung stehen

Beide Betroffene hätten zunächst zurückfragt, ob nicht andere vorrangig zu berücksichtigende Personen zur Impfung bereitstünden. Diese Fragen habe die Impfleitung vor Ort angesichts der verrinnenden Haltbarkeitszeit des Impfstoffs verneint. Beide Betroffene wurden laut der Pressemitteilung kurz vor Ablauf der Haltbarkeit des Impfstoffs in der Klinik geimpft. Der Landrat und seine Stellvertreterin konnten dabei davon ausgehen, dass der Impfstoff ansonsten weggeworfen werden müsste, heißt es.

Es könne dahingestellt bleiben, ob Herr Rößle als Landrat oder auch als Vorsitzender der Donau-Ries Kliniken in der höchsten Priorität der Coronavirus-Impfverordnung war, so die Mitteilung der Regierung von Schwaben. Die vom Bayerischen Gesundheitsministerium aufgestellten Regeln sehen vor, dass „der Verfall von Impfdosen unbedingt zu vermeiden ist.“ Die für die Impfung verantwortlichen Personen am Klinikum Donauwörth hätten in dieser Situation eine nachvollziehbare und mit den Vorgaben des Gesundheitsministeriums im Einklang stehende Entscheidung getroffen. (pm/tiba)

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01.03.2021

Hat eigentlich die Bürokratie nichts Besseres zu tun, als sich mit der Erstellung eines Persilscheins für einen per Zufall geimpften Landrat zu beschäftigen?

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01.03.2021

Wer bezahlt eigentlich die von Herrn Landrat Rößle bei der Regierung von Schwaben in Auftrag gegebene Untersuchung? Offensichtlich haben ja, bis hin zum Regierungspräsidenten selbst, hochbezahlte Beamte viel Zeit und Energie verwendet, um die "Unschuld" des Landrats und seiner Stellvertreterin zu "beweisen".

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01.03.2021

Es waren also keine anderen Nicht-Vorrangige-Personen in der Klinik, denen man diese Dosen hätte impfen können? Oder haben der Landrat und seine Stellvertreterin etwa Ihr Büro in der Klinik, sodass diese am schnellsten erreichbar waren? Den beiden ist eigentlich kein Vorwurf zu machen, aber den Verantwortlichen in der Klinik!

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01.03.2021

Nur sehr selten hackt ein Krähe der anderen ein Auge aus

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01.03.2021

Die frage muss trotzdem erlaubt sein, warum ausgerechnet diese 2 Herrschaften, konnte man sonst niemanden ausfindig machen, es lag doch sicher eine eine Liste vor. Man kann denken was man will und es wird niemand auf die Idee kommen, dass man solche Aktionen im Vorfeld auch absprechen kann... von wegen 2 Spritzen waren schon zu diesem Zeitpunkt aufgezogen, Verfalldatum einbezogen. Verwandtschaftsaffäre läst Grüssen!

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