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Kulturtage

23.05.2014

In Schopfloch bellt Katzoffs Keilef

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2 Bilder
Regisseur Michael Jaques Hanan aus Haifa und Co-Autorin Gretel Rieber bei der Diskussion mit den Besuchern.
Bild: wk

Mit der Geheimsprache Lachoudisch lebt ein Stück der Seele des Judentums weiter

Als Kuson muss man vor der Hochzeit sowohl zum Gallach als auch zum Schoufet gehen und darf nicht vergessen, beim Katzoff das kalte Büffet zu bestellen, auch wenn einen dessen Keilef anbellt. Für die Besucher der Filmvorführung „Majem ist Wasser, Jajem ist Wein“ im Medienraum der Oettinger Volkshochschule ist dieses unverständliche Kauderwelsch kein Problem mehr. Der eineinhalbstündige Dokumentationsfilm beschäftigte sich mit Lachoudisch, der Geheimsprache von Schopfloch. Diese kleine Gemeinde zwischen Dinkelsbühl und Rothenburg war einst „zur Hälfte oettingisch, zur Hälfte ansbachisch“, wie Wulf-Dietrich Kavasch in seiner Begrüßung erläuterte und damit die Veranstaltung im Rahmen der Rieser Kulturtage begründete.

Im frühen 16. Jahrhundert wurden Juden aus den umliegenden Reichsstädten vertrieben und siedelten sich nach Aussage des Films unter dem Schutz des Fürsten von Oettingen-Spielberg in Schopfloch an.

Doch sie waren nach wie vor Restriktionen ausgesetzt: Auf dem Weg zum Dinkelsbühler Markt mussten sie Zoll bezahlen und mussten die Stadt bei Sonnenuntergang verlassen haben. Nachdem ihnen Handwerksberufe verwehrt blieben, wurden viele von ihnen Viehhändler. Aber auch dazu brauchten sie christliche Vermittler, sogenannte „Schmuser“.

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Damit nun die Bauern die taktischen Bemerkungen beim Aushandeln des Preises nicht verstehen, wollten sie sich in einer eigenen Sprache verständigen und schufen das Lachoudisch, eine Mischung aus 80 Prozent Hebraismen, Rotwelsch und eigenen Wortschöpfungen – also keinerlei grammatikalisch aufgebaute Sprache, sondern lediglich ein Wortschatz. Durch das jahrhundertelange friedliche Miteinander der beiden Weltreligionen in Schopfloch – 1850 waren dort 30 Prozent der Bevölkerung jüdisch und ein Jude wurde auch einmal Bürgermeister – wurde das Lachoudisch allmählich zur Gemeindesprache. Aber 1938 hatten die letzten Juden auch Schopfloch verlassen. Doch mit dem nach wie vor gesprochenen Lachoudisch lebt „die Seele des Judentums“ in Schopfloch weiter. Natürlich nimmt das von Generation zu Generation ab. Doch im freiwilligen Nachmittagsunterricht an der Schopflocher Schule steht Lachoudisch auf dem Stundenplan und im Festumzug zum 750. Jubiläum des Ortes zogen sie alle mit erklärenden Tafeln mit: Kuson der Bräutigam, Gallach der Pfarrer, Schoufet der Bürgermeister und Katzoff, der Metzger mit Keilef, seinem Hund. Darüber freut sich Charlotte Knobloch im Film: „Das erinnert an das Judentum mehr als jedes Denkmal!“

Den Organisatoren des Abends, Anne Till und Eberhard Herrmann, war es gelungen, den Regisseur Michael Jaques Hanan aus Haifa und Co-Autorin Gretel Rieber aus Köln ins Ries zu holen, die im Anschluss nach dem Film noch die Fragen der Filmbesucher beantworteten. (wk)

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