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Porträt

10.11.2019

In seine Wohnung kommen Besucher aus aller Welt

Klaus Winkler hat in seiner Wohnung in Nördlingen ein Gitarren-Museum errichtet. Mehr als 180 Instrumente können sich Besucher dort ansehen.
Foto: Ronald Hummel

Plus Klaus Winkler macht sein Zuhause in Nördlingen zu einem besonderen Museum. In seine Zwei-Zimmer-Wohnung kommen Besucher aus aller Welt.

Schon als Zweijähriger faszinierte Klaus Winkler das vollgepackte Schaufenster des Musikgeschäfts Macher in der Löpsinger Straße. Als er dann mit sechs Jahren eine alte Gitarre auf dem Dachboden fand, ließ sich der Bub von seiner Mutter beibringen, darauf zu spielen. Mit zwölf bekam er seine erste E-Gitarre, mit 14 spielte er in der Band „Silver Stars“ im „Hungaria“, dem späteren „Hollywood“.

1965 gründete Winkler seine eigene Band, die „Yorcks“ und der Musiker brachte seine Vorliebe für Beatles, Stones, Lords und Rattles auf die Bühne. Das war damals noch so manchem zu wild, bei einem Schützenfest auf dem Land löste eine Blaskapelle die Beat-Band kurzerhand in der Pause ab. Doch immer häufiger, beispielsweise im Nördlinger Schützenhof, zeigte man sich offen für die moderne, fetzige Musik. Bis heute spielt er immer wieder als Gitarrist in verschiedenen Bands, zuletzt bei den „Wonder Boys“ aus Augsburg.

Fakten und Geschichten zu allen Instrumenten

Dass er nie professioneller Gitarrist wurde, lag wohl daran, dass er in seinem Beruf als Raumausstatter ein außerordentliches Talent hatte und im Leistungswettbewerb nach der Lehre zu Deutschlands bestem Gesellen gekürt wurde. Doch er hatte sich vorgenommen, seinen Ruhestand den Gitarren zu widmen. Handeln wollte er nicht damit, dafür war seine Liebe zu den Instrumenten zu groß – aus diesem Grund hatte er auch niemals eine seiner 35 eigenen Gitarren je wieder hergegeben.

„Vieles davon waren Gitarren, wie sie meine großen Vorbilder benutzten“, sagt er. Winkler besitzt auch zwei Gitarren in der typischen Form und Bauart, wie sie John Lennon bevorzugte und in Mode brachte. Im Jahr 2007 verwirklichte Winkler schließlich seinen Traum, kaufte im Umfeld von 200 Kilometern auf Flohmärkten, bei gewerblichen und privaten Händlern massiv Gitarren und andere Saiten-Instrumente. So wurde seine Zwei-Zimmer-Wohnung zu einem Museum mit bislang 180 Instrumenten, darunter auch Zithern, Lauten oder Mandolinen.

Im Hauptraum finden sich reihenweise Konzert-, Jazz-, E- oder Lagerfeuer-Gitarren, in der Mitte des Raumes gibt es sogar vier originale Instrumente von Django Reinhardt. Winkler hat Western-Gitarren in allen Formen, Farben und Klängen. Eine davon ist ein Resonator-Instrument mit großem, rundem Aluguss-Klangkörper aus verschiedenen Schallkammern. „Die entstanden um 1920 in der Dixie-Ära, damit die Gitarren lauter wurden und unter den anderen lauten Instrumenten nicht untergingen“, erklärt Winkler. Er kann zu allen Instrumenten solche Fakten und Geschichten erzählen. „Der Hintergrund ist mir sehr wichtig, darum liegen auch etliche Bücher dazu aus“, sagt der 69-Jährige.

Seine Sammlung soll auch benutzt werden

Im zweiten Raum finden sich Instrumente aus dem früheren Nördlinger Musikgeschäft Drexel, darunter kleine Viertel-Gitarren, wie sie früher bei Wandergruppen sehr beliebt waren. Alle Arten von Mandolinen sind zu sehen, es gibt aber auch Einzelstücke wie eine symmetrische Lyra-Gitarre mit zwei Schalllöchern oder eine Gitarre in Form eines Frauenkörpers.

Das Museum hat eine Resonanz erfahren, von der Klaus Winkler kaum zu träumen gewagt hatte: Die Stadt Nördlingen nahm es sofort in ihren Museumsverbund auf und bewarb es entsprechend. So fanden sich zunächst einige Touristen ein, die jedoch weltweit enorme Mundpropaganda machten. „Das Museum ist jetzt in allen Erdteilen außer der Antarktis bekannt“, sagt Winkler, dessen Museum sich jährlich etwa 1000 Besucher anschauen.

Seine Sammlung soll, im Gegensatz zu den meisten Museen sogar benutzt werden, sagt Winkler. Namhafte Gitarristen gäben bei ihm kleine Privatkonzerte – Klaus Winkler hält jedes Instrument spielbereit in Schuss.

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