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Nördlingen

23.05.2019

Internationale Städtebautagung in Nördlingen

Noch bis zum Samstag tagen in Nördlingen im Rahmen einer internationale Städtebautagung Experten zum Thema Wohnungsbau in Klein- und Mittelstädten. Vor Beginn der Veranstaltung fand mit den Verantwortlichen ein Pressegespräch statt.
Bild: Bernd Schied

Viele Mitglieder des Vereins „Forum Stadt“ treffen sich derzeit im Klösterle. Sie sprechen nicht nur darüber, wie Bausubstanz in historischen Städten bewahrt werden kann.

Explodierende Mieten und Kaufpreise für Wohnraum sind kein rein großstädtisches Thema mehr. Sie haben Klein- und Mittelstädte erreicht. Wie gehen die Verantwortlichen damit um? Welche Konzepte bieten sich an, um der Entwicklung zu begegnen? Diesen und weitere Fragen will sich der Verein „Forum Stadt“, ein Zusammenschluss von 80 Städten aus dem deutschsprachigen Raum, noch bis zum Samstag bei einer internationalen Städtebautagung im Nördlinger Klösterle widmen.

Vor Beginn der Veranstaltung fand gestern in der Bundesstube des Rathauses ein Pressegespräch mit den Akteuren des Vereins statt, bei dem sie Vorschläge präsentierten, wie vor allem in historischen Städten unter Erhalt der vorhandenen Bausubstanz einem wachsenden Bedürfnis nach Wohnraum und modernem Leben entsprochen werden könne.

Staat hat sich aus der Wohnungsversorgung zurückgezogen

Der Vereinsvorsitzende, Esslingens Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger, kritisierte, dass sich mittlerweile der Staat aus der Wohnungsversorgung zurückgezogen habe und der Wohnungsbau zu einem „Objekt des freien Marktes“ mit allen nachteiligen Folgen geworden sei. Allerorten fehle bezahlbarer Wohnraum. Die Wohnversorgung entwickle sich immer mehr zur sozialen Frage.

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Notwendig sei es, in den Kommunen mehr Flächen mit Baurecht zu versehen, was nicht einfach sei angesichts schwieriger Rahmenbedingungen durch die unterschiedlichsten Regeln und Vorschriften. So dauerten beispielsweise die planungsrechtlichen Verfahren häufig zu lange.

Unabhängig davon gelte es, Wege zu finden, wie einfacher, günstiger und dichter gebaut werden könne, sagte Zieger. Sich künftig auch Wohnraum zu teilen, dürfe kein Tabu sein.

Dr. Tilmann Harlander von der Universität Stuttgart verwies auf ein „beängstigendes Maß“ an Mietsteigerungen in den kleinen und mittelgroßen Kommunen. „Es handelt sich hier um eine regelrechte Mietrallye“, sagte Harlander. Hier gelte es mit einem Angebot an günstigen Wohnungen, etwa durch sozialen Wohnungsbau, gegenzusteuern Er wünsche sich auch mehr „gemeinwohlorientierte“ Bauträger in den Kommunen.

Vorausschauende Wohnraum-Versorgungskonzepte

Die Preisexplosionen würden in erster Linie an der Fokussierung des Bauens auf die Renditen liegen, meinte der Baubürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd, Julius Mihm. Er empfahl den Kommunen, vorausschauende Wohnraum-Versorgungskonzepte zu entwickeln, um auch verfügbare Grundstücke schneller für den Wohnungsbau zur Verfügung stellen zu können.

Oberbürgermeister Hermann Faul verwies in seinen Ausführungen auch auf die städtische Wohnbaugesellschaft, die stets bemüht sei, in Nördlingen kostengünstigen Wohnraum anzubieten. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange, in der Unions-Bundestagsfraktion für den Wohnungsbau zuständig, kündigte außerdem Vorschläge für eine Neustrukturierung der Wohnungsversorgung in der Bundesrepublik an. Er leite derzeit in Berlin eine diesem Thema entsprechende Projektgruppe.

Auf dem heutigen Tagungsprogramm steht unter anderem ein Vortrag von Stadtbaumeister Hans-Georg Sigel zur Sicherung und Weiterentwicklung des historischen Bau- und Wohnungsbestandes am Beispiel)

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