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Gleichstrompassage Süd-OstBR

23.01.2015

Ist die Trasse in der Region vom Tisch?

Die Aussage von Wirtschaftsministerin Ilse Aigner beherrscht die

Die Bombe platzte kurz nach Beginn des BR-Bürgerforums am Mittwochabend im Bürgerhaus von Niederschönenfeld: Moderator Tilmann Schöberl las den 160 Gästen bei der Live-Sendung eine Äußerung der bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner ( CSU) vor, wonach sie nicht mehr mit dem Bau von zwei Stromtrassen durch den Freistaat rechne. Demnach wäre die den Landkreis betreffende kürzere Strompassage Süd-Ost zwischen Wolmirstedt ( Sachsen-Anhalt) und Gundremmingen (oder doch Meitingen?) scheinbar vom Tisch, so zumindest die einhellige Mutmaßung beim „Bürgerforum live“. Stattdessen setze Aigner verstärkt auf Gaskraft. Im Publikum und bei einigen der anwesenden Bürgermeistern aus der Region wollte man den Aussagen aber noch nicht wirklich trauen.

Zu viel sei schon in dieser Hinsicht geäußert worden, meinte Niederschönenfelds Bürgermeister Peter Mahl: „Solange nichts endgültig entschieden ist, sind wir nicht erleichtert.“ Die Pläne zum Bau der bis zu 80 Meter hohen Masten samt Gleichstromleitungen seien, wie Moderator Schöberl feststellte, im ganzen Freistaat das wohl derzeit gewichtigste Politikum. Der Sprecher der Bürgerinitiative Megatrasse-Lech aus Niederschönenfeld, Martin Stegmair, schloss sich der Skepsis seines Bürgermeisters an: „Ich bin keineswegs zufrieden“, sagte er auch in Bezug auf den aktuellen „Energiedialog“ zwischen Staatsregierung, Industrie, Gewerkschaften, Kirchen und Bürgern, der seit November (und noch bis Februar) in München stattfindet. Stegmair nimmt an jener Veranstaltung teil – er kritisiert, dass die Vertreter der Bürgerinitiativen hierbei von der Regierung „zu wenig informiert“ würden. Von Aigners Vorstoß habe er im Vorfeld nichts gewusst.

Das Argument einer allgemeinen Energiesicherheit für die Wirtschaft unterstrichen CSU-Wirtschaftsexperte Erwin Huber (CSU) und die Generalsekretärin der Bayern-SPD, Natascha Kohnen. Sie plädierte dafür, nicht das Ob in Sachen Trassenbau in den Fokus zu stellen, sondern das Wie – Mindestabstände zur Wohnbebauung etwa müssten verstärkt diskutiert werden. Kohnen betonte allerdings auch: „Die Energiewende wird sichtbar sein.“ Huber nahm unterdessen den zurückhaltenden bis skeptischen Kurs der Staatsregierung in puncto Stromtrasse in Schutz. Wenn es zu wenig erneuerbare Energien im Süden gäbe, müsste man aber über den Bau einer Trasse nachdenken, jedoch gelte es, nicht übereilt, sondern „schrittweise“ vorzugehen. Und: „Das Ob wird durch ein Bundesgesetz vorgegeben.“

Unterirdisch oder entlang Autobahnen oder Gleisen

Der Regensburger Energiespeicherexperte und Professor Michael Sterner sprach sich für den Trassenbau aus. Er mahnte aber an, „die Infrastruktur zu bündeln“. Unterirdische Leitungen und der Verlauf entlang an Autobahnen und Gleisen müssten Vorrang haben. Dennoch müsse der Strom für Industrie und Bürger erschwinglich bleiben. Auch seien moderne, flächendeckende Energiespeicher „deutlich teurer“, etwa für Mieter. Er monierte den Kurs der Staatsregierung: „Keine Trasse, die 10-H-Regelung (Große Abstände bei Windkraftwerken, Anm. d. Red.) – was dann?“ Die Energieversorgungslücke bei den Erneuerbaren (diese machen laut Erwin Huber derzeit 36 Prozent der erzeugten Energie im Freistaat aus) mit Gaskraft zu schließen, sei fraglich.

Die geplante Demo gegen die Stromtrasse am Sonntag in Oettingen beeinflussen Aigners Äußerungen indes nicht. „Die Kundgebung findet selbstverständlich statt“, sagt Veranstalter Wulf-Dietrich Kavasch im Gespräch mit den Rieser Nachrichten. „Nur, weil Aigner glaubt, dass keine Stromtrasse kommt, heißt das ja nicht, dass sie das auch weiß.“ Es sei wichtig, ein Zeichen zu setzen, dass man grundsätzlich gegen eine solche Stromautobahn im Landkreis Donau-Ries sei, auch wenn sie möglicherweise gar nicht kommt. „Momentan weiß keiner etwas Genaueres“, sagt Kavasch.

Die Resonanz der Bevölkerung sei unglaublich. „Manche Gemeinden werden am Sonntag sogar Busse einsetzen, um Teilnehmer nach Oettingen zu transportieren.“

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