Gastspiel

18.05.2018

Jede Menge Hoffnung

Der Posaunenchor Altdorf gab in der Synagoge in Hainsfarth ein Konzert. Almut Peiffer dirigierte nicht nur die Gäste auf der Bühne, sondern auch die im Publikum.
Bild: Peter Urban

Der Posaunenchor Altdorf gibt in der ehemaligen Synagoge Hainsfarth ein besonderes Konzert. Es animiert die Besucher nicht nur dazu, mit zu singen

„Hatikva“ ist das hebräische Wort für Hoffnung und als solches war es das sicherlich meistgebrauchte an diesem späten Nachmittag in der Synagoge Hainsfarth. Der Freundeskreis hatte geladen, viele Gäste kamen, die den seit mehr als 70 Jahren aktiven Posaunenchor Altdorf bei Nürnberg hören wollten. Sie wurden mit einem abwechslungsreichen und engagiert gespielten Programm belohnt.

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Obwohl das „Kerngeschäft“ der Bläser jeden Alters sicherlich getragene Choräle sind, legten sie eine erstaunliche Variabilität und Spielfreude an den Tag. Die Dirigentin, Dekanatskantorin Almut Peiffer, hatte die Truppe bestens eingestellt, steuerte außerdem mit ihren Solo-Klavierstücken einen beträchtlichen Teil zum Gelingen des Abends bei. Gleich zu Beginn wies sie darauf hin, dass sie bei der Auswahl der (in aller Regel religiösen) Stücke eine überraschende Entdeckung machen durfte: Es gibt zwischen jüdischem und evangelischem Liedgut viele Gemeinsamkeiten, diese gemeinsamen Wurzeln wolle man an diesem Abend pflegen.

Gleich das erste Stück „Ich lebe meinen Gott“ war ein Zeichen dafür und auch das folgende „Israel-Medley“ um das Thema Hoffnung mit dem bekannten „Nava Nagila“ ging den Zuhörern leicht ins Ohr. Es wurde viel erzählt zu den einzelnen Songs, was zu einer sehr feierlichen Stimmung im Saal beitrug. Als dann Almut Peiffer die israelische Nationalhymne, die den Titel „Hatikva – Hoffnung“ trägt, solo am Klavier spielte, wurde jedem klar, dass Hymnen auch wunderschöne Melodien in sich tragen.

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„Shalom – Frieden“ hieß das nächste Stück, in dem zum Mitsingen aufgefordert wurde und tatsächlich, es wurde überraschenderweise vielstimmig begleitet. „Hoffen wider alle Hoffnung“, war noch so ein Höhepunkt, das Almut Peiffer am Klavier spielte und auch selbst gesanglich begleitete.

Um dann wieder den virtuellen Taktstock zu erheben für einen Song aus Nordirland, der als einer der „Top-Hits der christlichen Charts“ angekündigt wurde: „In Christ Alone“. Das war das einzige Stück, in dem sich die Altdorfer etwas schwer taten, dafür überzeugten sie im Restprogramm, zum Beispiel mit einem „Funky“-Titel umso mehr. Einer nachdenklich-schön erzählten „Geschichte von der Traurigkeit“ folgten wieder Hoffnungslieder, bevor es richtig ums Mitsingen ging: Volkslieder wie „Ännchen von Tharau“ oder „Am Brunnen vor dem Tore“, die leider in Nazideutschland „missbraucht wurden“ (so ein Sprecher) fanden unter den Besuchern einen vielstimmigen Widerhall.

Höhepunkt des Nachmittages sollte wieder ein Klavierstück von Almut Peiffer werden, sie hatte es erst in der Vorwoche „in zeitgenössischer Sprache“ (wie sie sagte) geschrieben und präsentierte es als Uraufführung in Hainsfarth, Titel (wie sollte es anders sein): Hoffnung. Zum Schluss kamen die Musiker wieder zurück zu ihren Wurzeln, zwei Choräle schlossen den Kreis und beschlossen ein Konzert, das bei den Zuhörern einen denkwürdigen Eindruck hinterließ.

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