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Bühne

17.05.2018

Jedermann: Helmi Kling abberufen

Auf dem Plakat steht bei der Inszenierung noch ihr Name: Helmi Kling wurde als Spielleiterin des diesjährigen Erwachsenenstücks des VAN „Der bayrische Jedermann“ abgesetzt.
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Auf dem Plakat steht bei der Inszenierung noch ihr Name: Helmi Kling wurde als Spielleiterin des diesjährigen Erwachsenenstücks des VAN „Der bayrische Jedermann“ abgesetzt.
Bild: Julian Würzer

Der Verein Alt Nördlingen bricht rund acht Wochen vor Premiere mit seiner Spielleiterin. Es gab wohl schon länger Zoff. Ein Anruf sorgte für den Eklat.

Gerade einmal acht Wochen vor der Premiere hat der Vorstand des Vereins Alt Nördlingen (VAN) die Spielleiterin des Erwachsenenstücks abberufen. Eigentlich sollte Helmi Kling den „Bayrischen Jedermann“ inszenieren. In einem Schreiben an die Mitwirkenden, das den Rieser Nachrichten vorliegt, heißt es: „Es ist eine harte Entscheidung und wir haben schwer damit gerungen und abgewogen. Aber wer sich nicht an die Werte unseres Vereins hält, Satzungen und Vorschriften ignoriert, kann nicht als Spielleiterin fungieren.“ Unterzeichnet ist das Schreiben von Mitgliedern des Vorstands des VAN, allen voran Vorsitzende Rita Ortler, aber auch Oberbürgermeister Hermann Faul, zudem von den Ehrenvorsitzenden.

Wie berichtet, muss der Verein Alt Nördlingen in diesem Jahr auf sein „Wohnzimmer“ verzichten. Die Stadtmauer wird im Bereich der Alten Bastei saniert, die Freilichtbühne ist deshalb gesperrt. Helmi Kling inszenierte bereits in der Vergangenheit jahrelang Stücke für den VAN, ihr Mann Paul Kling ist Amtsvorgänger von Oberbürgermeister Hermann Faul. Von ihr stammt die Idee, die Bühne auf den Vorplatz der Kirche Sankt Salvator zu verlegen. Im Gespräch mit den RN Ende des vergangenen Jahres sagte sie: „Das ist ein ruhiger Platz.“ Wenn man die Zuschauertribüne parallel zur Langen Gasse stelle, ergebe sich eine Art „Wohnzimmeratmosphäre“. Kling besetzte die Hauptrollen mit Steffen Höhn (Jedermann) und Victoria Schrödersecker (Buhlschaft) – mit der jungen Nördlingerin hatte sie bereits beim „Weibsteufel“ zusammengearbeitet.

Schon diese Besetzung fand nicht nur Zustimmung, so ist gestern hinter vorgehaltener Hand zu hören. In dem Schreiben wirft der VAN-Vorstand Helmi Kling vor, sich über Zuständigkeiten hinweggesetzt zu haben, zudem hätten sich die Ausgaben erhöht. Das berühmte Fass zum Überlaufen brachte ein Anruf von Kling, wie Rita Ortler auf Anfrage der RN bestätigt. Ein Spieler des Jedermann-Ensembles ist in den vergangenen Wochen gestorben. Kling soll bereits am Todestag einen Ersatz für ihn gesucht haben. Darüber waren Mitglieder des VAN offensichtlich so empört, dass sie den Verein verließen. Im Schreiben des Vorstands heißt es: „Wie viel ist ein Mensch in unserer Vereinsfamilie wert, was ist unser Verein wert, wenn nicht der Mensch, sondern die Aufführung im Vordergrund steht?“ Der Vorstand reagierte, bei einer Sitzung wurde der Beschluss gefasst, Helmi Kling abzuberufen.

Die Spielleiterin selbst wurde am Dienstagabend davon in Kenntnis gesetzt. Als „Demütigung“ habe sie diese Entscheidung zunächst empfunden, sagt Kling gestern auf Anfrage der Rieser Nachrichten, mittlerweile sei sie schlicht enttäuscht. 51 Jahre habe sie sich für den VAN engagiert, mit unzähligen Aufführungen Geld eingespielt – und das im Gegensatz zu ihrer Nachfolgerin und Vorgängerin als Spielleiterin ehrenamtlich. Den Anruf schildert Helmi Kling so: Nachdem sie erfahren habe, dass einer ihrer Schauspieler verstorben sei, habe sie zunächst mit ihrem Mann, ihrem Sohn und ihrer Tochter gesprochen. Und dann habe sie einen Ersatzmann angerufen, mit dem sie bereits im Vorfeld darüber gesprochen habe, ob er einspringen würde, sollte jemand ausfallen. In einem professionellen Theater handle man so, um eine Aufführung zu retten: „Ich muss genauso reagieren.“ Kling verweist darauf, dass sie Spenden gesammelt habe, um die Mehrkosten für einen Beamer abzufangen: „Zu meiner Zeit hatte ich freie Hand. Was mit dem Spiel zusammenhängt, war meine Sache.“ Jetzt werde das im Verein anders gehandhabt, jetzt müsse man immer fragen. Doch das mache sie nicht.

Spielt die Parteipolitik eine Rolle?

Der „Casus Belli“ sei sowieso ein ganz anderer – nämlich, dass sie den Jedermann mit Steffen Höhn besetzt habe. Der wird in Nördlingen hinter vorgehaltener Hand als möglicher CSU-Kandidat für den Posten des Oberbürgermeisters gehandelt. Ortler, so beschreibt es Kling, habe sie darauf hingewiesen und ihr gesagt: „Das kannst Du nicht machen.“ Sie selbst, betont Helmi Kling, habe von einer möglichen OB-Kandidatur Höhns zu diesem Zeitpunkt nichts gewusst. Und: „Er macht seine Sache gut.“ Ortler wiederum entgegnet, sie habe darauf verwiesen, dass Kling sie selbst einst nicht besetzt habe, weil sie damals als SPD-Kandidatin für den gleichen Posten gehandelt worden sei. Sie sei jetzt dankbar, wenn Höhn den Jedermann weiter spiele.

Der VAN hat derzeit den Online-Ticketverkauf für das Erwachsenenstück gestoppt. Hinter den Kulissen geht es um die Nachfolge von Kling. Ortler sagte gestern, wenn die Spieler mitmachten, zeichne sich eine Lösung ab.

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