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Gesetz

18.01.2020

Kassenbons landen oft direkt im Müll

Astrid Grunert, Inhaberin des Reformhauses, hat Anfang des Jahres am Ausgang ihres Geschäfts einen Abfalleimer für die nicht benötigten Bons der Kunden aufgestellt.
Foto: Matthias Link

Seit Januar sind Händler verpflichtet, jedem Kunden einen Beleg auszustellen – sei es für ein Ei, eine Breze oder einen Haarschnitt. Das sagen Nördlinger Einzelhändler dazu.

Einzelhändler wie Bäcker, Metzger, Gastwirte und Buchhändler unterliegen seit Anfang dieses Jahres der Belegausgabepflicht, auch Bonpflicht genannt. Der Bundesrechnungshof schätzt, dass mit manipulierten Kassen jährlich 10 Milliarden Euro Steuern hinterzogen werden. Die Bonpflicht soll das verhindern. Doch was sagen Verkäufer dazu – und ihre Kunden?

Für Rose-Marie Schlecht, Geschäftsführerin der Metzgerei Schlecht, hat sich nichts geändert, wie sie sagt: „Wir erstellen sowieso einen Bon, das war davor auch schon so.“ Ihre Kunden nähmen die Bons nur an der Theke mit Wurstaufschnitt und Käse, dem Verwiegebereich, mit. Wer an der Imbiss-Theke eine Leberkäs-Semmel kaufe, wolle oft keinen Bon.

Andere drucken aus ökologischen Gründen die Bons nicht aus

Ganz anders handhabt es Inge Schöber, Geschäftsführerin der Bäckerei Mayer. Eigentlich müsste sie bei jeder verkauften Brezel einen Bon drucken, sagt sie. „Wir halten uns nicht daran.“ Und zwar aus ökologischen Gründen, fügt sie hinzu. Die Kunden würden bei ihr stattdessen gefragt, ob sie einen Bon benötigten. Unabhängig davon werde jeder Verkauf in der Kasse registriert.

Eine ihrer Kundinnen, Radojka Romanovic, findet die Bons grundsätzlich nützlich. Wenn sie vom Einkaufen heimkomme, wisse sie oft nicht mehr, wo sie überall Geld ausgegeben habe. Ein anderer Kunde findet, dass die Bonpflicht ein Beitrag zu mehr Steuergerechtigkeit sei: „Leute mit Lohnsteuerkarte werden bis auf den letzten Cent besteuert und die anderen geben nicht alles an!“ In Ali’s Kebap House gibt es keine Bons. Benötigt dort jemand einen Beleg, greift man zum Quittungsblock. In Hurler’s Obstecke wird hingegen für jeden verkauften Apfel automatisch ein Bon gedruckt. Verkäuferin Ursula Pernitzky findet das verkehrt, wie sie sagt.

Buchhändler Lehmann sieht sich verdächtigt

Buchhändler Ralf Lehmann sieht sich einem „Generalverdacht“ ausgesetzt. Jährlich würden in Deutschland etwa 125 Milliarden Euro an Steuern hinterzogen, der Anteil von Gastronomie und Handel sei mit etwa 10 Milliarden nur ein kleiner Bruchteil davon. Deshalb wünscht er sich, „dass man nach den anderen 115 Milliarden etwas genauer sieht“. Der Großteil der Steuerhinterziehung geschehe wie beim Cum-Ex-Skandal in ganz anderen Bereichen, fernab von Theken mit Registrierkassen. Seiner Meinung nach müsse der Staat das Personal zur Steuerfahndung ausbauen und große Online-Händler wie Amazon, die oft kaum Steuern bezahlten, sollten in dem Land besteuert werden, wo die Umsätze auch anfielen. Der Einzelhandel sei durch die Konkurrenz mit den Online-Händlern massiv in Bedrängnis geraten.

Ähnlich reagiert Astrid Grunert, Geschäftsinhaberin des Reformhauses. Sie bezeichnet es als „perfide“, dass dem Handel unterstellt werde, er würde mogeln.

Widersinnig sei es, dass man verpflichtet werde, Unmengen an Bon-Müll zu produzieren und dass man gleichzeitig nachhaltigere Verpackungsgesetze einhalten müsse. Die Bons seien zudem gesundheitsschädlich, da sie mit Bisphenol A beschichtet seien, das durch die Haut der Finger diffundiere. Seit Anfang des Jahres hat sie am Ausgang ihres Geschäfts einen Abfalleimer aufgestellt, in den die Kunden den Bon gleich wieder entsorgen können.

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