1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Kein gewöhnliches Volksfest - die Mess’ wird 800 Jahre alt

Nördlingen

20.06.2019

Kein gewöhnliches Volksfest - die Mess’ wird 800 Jahre alt

Bis Anfang der 1960er-Jahre fand die Mess’ noch innerhalb der Nördlinger Stadtmauern statt.
Bild: Axel Lumper

Einst war die Veranstaltung ein bedeutender Markt - und heute?

Man könnte meinen, ein Volksfest sei wie das andere. Und auf den ersten Blick mag auch die Nördlinger Mess’ ein normales Volksfest sein, mit Bierzelt, Marktkaufleuten und selbstverständlich bunten Fahrgeschäften. Doch dann trifft man zum ersten Mal auf einen echten Rieser – den erkennt man daran, dass er seine Mess’-Würste keinesfalls in der Semmel und zudem ohne Senf isst. Und wenn dieser Rieser dann über „seine“ Mess’ ins Schwärmen gerät, ja da wird man angesteckt von der Begeisterung für dieses Volksfest, das am Freitag im Landkreis Donau-Ries startet.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Bis in die 60er Jahre hinein fand die Mess' in der Nördliger Altstadt statt

Schon alleine das ist eine Besonderheit, normalerweise beginnt die Sause nämlich erst am Samstag. Doch die Nördlinger feiern in diesem Jahr, dass die Mess’ vor 800 Jahren zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Der frühere Leiter des Nördlinger Stadtarchivs, Dietmar Voges, beschreibt dies in einem Buch so: Im November 1219 gewährte der Stauferkönig Friedrich II. der Königsstadt Nürnberg ein Privileg. Darin hieß es unter anderem, dass die Nürnberger Bürger auf dem Markt in Nördlingen mit Nürnberger Gold- und Silbermünzen kaufen und tauschen dürfen. Einst war die Mess’ vor allem ein großer, bedeutender Markt, wie der derzeitige Stadtheimatpfleger Wilfried Sponsel einmal in einem Vortrag ausführte: „Nördlingen erarbeitete sich einen der Spitzenplätze des oberdeutschen Handels.“

Diese Zeiten sind lange vorbei. Und zum Bedauern mancher Besucher auch die, in denen die Mess’ noch in der historischen Altstadt Nördlingens stattfand, ja die Stadt selbst zum Volksfest-Gelände wurde. Bis in die 60er Jahre waren die Marktstände der Kaufleute direkt vor der großen Sankt Georgskirche aufgebaut, der Autoscooter stand vor der heutigen Grundschule auf dem Weinmarkt, große Biergärten luden zum Verweilen ein. Heute werden das Riesenrad, das Bierzelt und all die anderen Attraktionen auf der Kaiserwiese vor der Stadt aufgebaut. Die Rieser Verbraucherausstellung erinnert noch ein bisschen an die Geschichte der Mess’, Unternehmen aus der Region präsentieren dort ihre Produkte.

Zum Jubiläum gibt es am Freitag unter anderem eine Vorführung der Hochseilartistenfamilie Traber. Man munkelt im Rieskrater, dass der Landrat des Landkreises Donau-Ries, Stefan Rößle, als Statist mitwirken soll. Eine historische Ausstellung ist zu sehen, Mittelpunkt sind bis zu 100 Jahre alte Schausteller-Orgeln. Am Samstag folgt um 14 Uhr der große Mess’-Umzug. Und dann heißt es im besten Rieserisch: „Os gond’ end’ Mess!“ Bis zum 1. Juli, dem traditionellen Herrenmontag, an dem so mancher Nördlinger seine Besuche auf der Mess’ zählt. Und feststellt, dass er auch dieses Jahr kaum einen „Fehltag“ hatte.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren