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Pandemie

04.05.2020

Kirchen im Ries in Zeiten von Corona: Glauben mit Abstand

Wegen des Coronavirus gelten in den Rieser Kirchen strikte Sicherheitsauflagen. Aufgeklebte Kreuze markieren jene Plätze in der Nördlinger St. Salvator-Kirche, die Besucher während der Gottesdienste nutzen dürfen.
Bild: David Holzapfel

Plus Die katholischen und evangelischen Kirchen im Ries dürfen nach fast sieben Wochen Verbot wieder Gottesdienste feiern. Dabei müssen sie strenge Hygiene-Auflagen einhalten. Wann die ersten Gottesdienste gefeiert werden.

Wochenlang mussten Kirchen und Gläubige auf die Zusammenkunft verzichten. Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hatte die bayerische Staatsregierung Gottesdienste aller Konfessionen verboten. Jetzt aber geht es wieder los: Seit Montag dürfen Kirchen wieder Messen mit Besuchern feiern. Auch die Glaubensgemeinden im Ries atmen auf.

Gepredigt hat Benjamin Beck, katholischer Pfarrer in Nördlingen, zwar auch während der corona-bedingten Gottesdienstpause. Zum Beispiel vor drei Wochen bei der Feier der Osternacht in St. Salvator. Doch damals blieben die Bankreihen leer. Beck sprach nicht zu seiner Gemeinde, sondern in eine Kamera, der Gottesdienst wurde live ins Internet übertragen. Man passte sich an, wurde kreativ und suchte neue Wege, seinen Glauben ausleben zu können.

Dekan Wolfermann: Wie ein verlängertes Fasten

Und doch verlangten die Corona-Maßnahmen auch den Rieser Kirchen viel ab. Die Osterfeierlichkeiten mussten gänzlich abgesagt werden, auch Konfirmationen und Kommunionen fanden nicht statt. „Es war schon seltsam, wie ein verlängertes Fasten“, sagt Gerhard Wolfermann, Dekan der evangelischen Kirche in Nördlingen jetzt.

Bei aller Unterstützung für die von der Staatsregierung beschlossenen Beschränkungen wurde jedoch auch in Nördlingen zunehmend Unmut laut. Nachdem Mitte April bekannt wurde, dass das Verbot von öffentlichen Gottesdiensten bis auf Weiteres Bestand haben sollte, begann das Verständnis an mancher Stelle zu bröckeln. Der katholische Pfarrer Beck bemängelte, die Kirchen seien bei den beschlossenen Lockerungen nur unzureichend berücksichtigt worden.

Nun dürfen die Gläubigen also wieder zusammenkommen. Aber dies ist an strenge Auflagen geknüpft: Gottesdienst dürfen nicht länger als 60 Minuten dauern, Besucher müssen während der Messe eine Mund-Nasen-Maske tragen; alleine Prediger und Lektoren sind hiervon ausgenommen. Es gibt keine Chöre, keine Gesangbücher und kein Abendmahl, dafür Desinfektionsmittel-Spender und feste Sitzordnungen.

Erster Gottesdienst in Sankt Georg am 10. Mai

Die evangelische Kirche in Nördlingen hält ihre Sonntagsgottesdienste vorerst nur in St. Georg ab – um die Abstandsregelungen von zwei Metern zwischen Personen gewährleisten zu können, wie Dekan Wolfermann sagt. Den ersten Gottesdienst wird man am kommenden Sonntag, 10. Mai, abhalten. Die Besucherzahl sei aufgrund der Abstandsregelungen jedoch auf 80 beschränkt. „Wie müssen das am Eingang kontrollieren“, sagt Wolfermann.

Bei der katholischen Kirche in Nördlingen sieht es ähnlich aus. Die Gemeinde feiert ihren ersten Gottesdienst bereits am Montagabend. Und auch hier wurde beim Einlass vor Gottesdiensten darauf geachtet, dass nicht mehr Gläubige die Kirche betreten, als es Plätze gibt, betont Pfarrer Beck.

Die bayerischen Diözesen haben auf Grundlage der staatlichen Vorgaben ein Schutzkonzept entwickelt. Demnach können die Gottesdienste der katholischen Kirche zunächst nur in den zwei größten Kirchen einer Pfarreien-Gemeinschaft gefeiert werden. In Nördlingen sind dies St. Josef (92 Plätze) und St. Salvator (78 Plätze). Im Falle einer höheren Zahl an Kirchenbesuchern müsse man notfalls auf den nächsten Gottesdienst verweisen, so Beck weiter.

Für die Nördlinger Kirchen sind die Lockerungen ein zarter Schritt hin zu alter Normalität. „Wir sind noch sehr vorsichtig“, sagt Dekan Wolfermann. Er will die Infektionszahlen des Coronavirus genau im Auge behalten. „Wir werden keine unnötigen Risiken eingehen.“ In Gottesdiensten verzichtet die Gemeinde daher vorerst auf das Abendmahl, obwohl es dafür keine zwingenden Bestimmungen gibt. Auch die katholische Kirche in Nördlingen verzichtet auf die heilige Kommunion und wählt stattdessen eine kontaktlose Alternative – die geistliche Kommunion.

Sowohl Beck als auch sein evangelischer Kollege Wolfermann sind sehr froh, dass nun wieder Gottesdienste stattfinden dürfen, wie sie betonen. Beck sagt: „Gottesdienste sind für viele Gläubige die Kraftquelle des Lebens.“ Gerade in einer Zeit der Erschütterung sei es daher wichtig, diese Kraftquelle anzapfen zu können.

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