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Musik

26.09.2019

Klassiker im Residenzkonzert

Mit dem neuen Chefdirigenten Sebastian Tewinkel trat das Bayerische Kammerorchester Bad Brückenau im Residenzkonzert Oettingen mit Werken der Klassiker Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart auf.
Bild: Ernst Mayer

Kammerorchester Bad Brückenau spielt in Oettingen mit einem neuen Chefdirigenten

Das Oettinger Publikum hat sich bereits daran gewöhnt, dass das Bayerische Kammerorchester Bad Brückenau von Johannes Moesus dirigiert wird. Nun stand Sebastian Tewinkel am Pult des Orchesters. Zum Chefdirigenten wird man dort alle drei Jahre berufen, vielleicht noch ein zweites Mal. Dann folgt ein anderer und bringt neue Impulse, sowohl programmatisch als auch bezüglich der Dirigierweise. Tewinkel versteht sich offenbar als ein Orchesterleiter. Durch seine Lehrtätigkeit als Professor für Orchesterleitung an der Musikhochschule Trossingen bringt er einen pädagogischen Ansatz ein, hörbar durch die neue Ausprägung der Dynamik, ohne das bisherige schwungvolle Temperament des Ensembles zu vernachlässigen. Diese Eigenschaften kamen in humorvoller Art in der als „La Poule“ (das Huhn) bezeichneten „Sinfonie g-Moll“ von Joseph Haydn zur Geltung, wenn man sich mit dem witzigen und spritzigen „Gackern“ im ersten Satz einen Hühnerhaufen vorstellen konnte. Der verstummte auch im zweiten Satz nicht vollends, mischte sich in die liedhaften Melodien der Oboen ein und gab im darauf folgenden fröhlich beginnenden „Menuetto“ einem bewegten Tanz Raum. Ein schneller Grundrhythmus ließ die gestaltenden Motive der Fagotte und Flöten schön heraustreten und führte zu einem mitreißenden Schluss.

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Der Begriff „Romanze“ ist nicht nur in der Epoche der Romantik geprägt worden, sondern erlangte bereits zuvor, vor allem im Gesang, Popularität. Die instrumentale Romanze erhielt von Beethoven einen Anschub, da er mit seinen beiden Romanzen in G-Dur und F-Dur viele spätere Komponisten zu solch gefühlsbetonten Stücken anregte. Als Vorbild als Interpret der Beethoven-Romanzen erwies sich der Konzertmeister des Bayerischen Kammerorchesters, Friedemann Breuninger, den seine Kollegen dezent begleiteten, sodass er seine solistischen Qualitäten für seinen elegischen Vortrag zur Geltung bringen konnte, ob in höchstem Lagenspiel oder bei den weit ausgedehnten Melodiebögen und genüsslichen Verzierungen.

Nach diesen populären Leckerbissen bedurfte es eines kräftigen Gegensatzes. Den fanden Sebastian Tewinkel und sein Orchester in der „Sinfonie g-Moll“ des 17-jährigen Wolfgang A. Mozart, die in einer großartigen Dramatik und leidenschaftlichen Spannung gehalten ist. Diese Musik war auch ausersehen als Soundtrack im Film „Amadeus“, um den Selbstmordversuch Antonio Salieris spannend zu gestalten.

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Energische Betonungen und aufwirbelnde Streicherbegleitungen forcierten die Dramatik, bevor das ruhige Andante die wilden Auf- und Ab-Bewegungen allmählich abschwellen ließ. Dennoch hatte auch das Menuett trotz seiner tänzerischen Eleganz noch dramatischen Charakter, sodass die panische Erregtheit durch die heftigen Bläserbeiträge der vier Hörner und der herausragenden Oboen und Fagotte bis zur tollen Schlussstretta erhalten blieb.

Diesem vielseitigen Programm war ein ausgiebiger Schlussbeifall beschieden und ein beschaulicher Ausklang mit einem Satz aus Franz Schuberts fünfter Sinfonie als Zugabe.

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