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11.06.2009

Klassische Musik - hautnah

Amerdingen (emy) - Wenn Graf Stauffenberg die Gäste des Auftaktkonzerts der Rosetti-Festtage in den Wohnräumen seines Amerdinger Schlosses als seine Ehrengäste begrüßt, meint er es nicht nur so, sondern er hat auch Recht, denn es ist sicher ein besonderes Vergnügen, ein Konzert mit klassischer Musik in Räumen zu erleben, die denen gleichen, wo sie erstmals erklangen. Da drängen sich die Zuhörer auf engem Raum und halten fast hautnahen Kontakt zu den Musikern wie zu den Zeiten, als man Musik nur unmittelbar hören konnte. Es wird geradezu familiär, wenn auch noch die fürstliche Verwandtschaft zu Besuch erscheint, wie Fürstin Lioba aus Wallerstein, die Gattin des Protektors der Internationalen Rosetti-Festtage, Fürst Moritz. Und da die Rosetti-Gesellschaft für das Programm sorgt, ist auch die Musik vom Feinsten.

Maßgebliche Gestalt

Das Quartett mit dem Fagottisten Hanno Dönneweg, der Geigerin Gesa Jenne-Dönneweg, Bratschisten Dirk Hegemann und Cellisten Karsten Dönneweg begann mit einem Werk des französischen Zeitgenossen Rosettis, Francois Devienne, eines der maßgeblichen Gestalten des Musikleben zur Zeit der Revolution. Das Fagott führte vom liedhaften Anfang an das Ensemble an. Wenn auch in der Folge auch die anderen Instrumente die Führungsrolle übernahmen, war klar, dass man einen Fagottisten der Spitzenklasse erleben konnte, der mit seiner souveränen Virtuosität bestach. Die einschmeichelnde Melodik des langsamen zweiten Satzes gab ihm und den drei anderen Instrumentalisten die Gelegenheit sich als ein stimmiges Ensemble zu beweisen. Die eine wenig herb klingende Violine, die weich intonierende Viola und das elegante Cello musizierten mit ihm höchst engagiert und ergänzten sich homogen mit ihren verschiedenen Temperamenten, die sie in ihren Soli zum Ausdruck brachten.

Herbe Harmonie

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Ein expressiver Beginn kündete Mozarts "Andante F-Dur" an, dessen teilweise herbe Harmonie die bewegte Begleitung des Solofagotts in eine gewisse Spannung versetzte und die atemberaubende Schlusskadenz anbahnte. Franz Schuberts einziges vollendetes "Streichtrio B-Dur" orientierte sich nach den traditionellen klassischen Vorbildern, vor allem im ersten Satz, während die weiteren Sätze, besonders das Menuett und das tänzerische Schlussrondo, mit den deutlichen dynamischen Abstufungen zweifellos romantische Züge annahmen.

Das "Quartett für Fagott und Streichtrio" von Antonio Rosetti machte deutlich, dass er mit seinem Einfallsreichtum durchaus in der Reihe der anderen im Konzert aufgeführten Komponisten bestehen kann und oft zu Unrecht den "Kleinmeistern" zugerechnet wird.

Die eingängigen Melodien des ersten Satzes und das vergnügte Ritornell mit den ausdrucksvollen Zwischenspielen erheben Rosettis Musik mindestens zu anspruchsvoller Hofmusik, die mit ihren tänzerischen Elementen Glanzpunkte zu setzen vermag.

Ein Paradestück für das Fagott war Carl Jacobis Quartett, zumal Hanno Dönneweg mit seinen fabelhaften technischen Fähigkeiten vergessen ließ, dass dieses Instrument eher als Begleitinstrument gilt, und alle Schwierigkeiten mit leicht anmutendem Spiel überwand. Die vielen aparten Verzierungen im Allegro-Satz und die über den ganzen Tonumfang des Instruments perlenden Tonleitern verdienten die höchste Bewunderung des Publikums, das dem Ensemble mit einem lang anhaltenden Beifall für das außergewöhnliche Musikerlebnis dankte.

Schließlich überreichte Johannes Moesus als Präsident der Internationalen Rosetti-Gesellschaft der Gräfin Stauffenberg für die großzügige Gastgeberschaft des Grafen-Ehepaares einen prächtigen Blumenstrauß.

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