Newsticker

Auseinandersetzungen bei Protesten gegen die Corona-Politik in Rom
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Kliniken kämpfen gegen fiesen Keim: Sind Patienten infiziert?

Donau-Ries

12.01.2015

Kliniken kämpfen gegen fiesen Keim: Sind Patienten infiziert?

Der mutiresistente Keim Pseudomonas aeruginos stellt die Mediziner vor eine Herausforderung.
Bild: Matthias Bein/dpa

In den Krankenhäusern Nördlingen, Donauwörth und Oettingen wurde in Desinfektionsanlagen ein Erreger nachgewiesen. Und der ist ganz und gar nicht harmlos.

Ein gefährlicher Keim macht den gKU-Kliniken in Donauwörth, Nördlingen und Oettingen derzeit zu schaffen – und wurde ausgerechnet in Dosiergeräten für Desinfektionsmittel nachgewiesen. In einer Routinekontrolle sei in insgesamt sechs solcher Anlagen der antibiotikaresistente Keim Pseudomonas aeruginos gefunden worden, sagt gKU-Vorstandsvorsitzender Jürgen Busse. Die Anlagen sind aus diesem Grund momentan gesperrt.

Die Situation sei jedoch nicht dramatisch, so Busse. Die Flüssigkeit in den Wandspendern, mit dem sich Klinikpersonal und Besucher vor und nach dem Patientenkontakt die Hände desinfizieren, sei keimfrei. Es handele sich um einen anderen Bereich.

„In den gesperrten Anlagen werden normalerweise Mittel dosiert, mit denen Reinigungskräfte und Pflegepersonal den Boden und andere Oberflächen putzen“, sagt Busse. Die Dosierung müssten die Angestellten momentan mit der Hand machen, das sei alles. „Es hat keine Übertragung des Keims auf Patienten gegeben“, betont Busse.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Das Virus ist für Menschen lebensbedrohlich

Diesen Vorwurf hatte ein Leser schriftlich gegenüber unserer Zeitung erhoben und konkret die Klinik in Oettingen genannt. Demnach seien dort seit Spätsommer mindestens 15 Patienten mit Pseudomonas aeruginos infiziert worden. Eine Dosieranlage sei nicht rechtzeitig untersucht und „infiziertes Desinfektionsmittel“ so überall in dem Krankenhaus verteilt worden. Erst der Einsatz des Mittels habe die Ausbreitung des Bakteriums unter Patienten hervorgerufen.

Busse widerspricht dem vehement. „Kein Patient ist infiziert, schon gar nicht mehrere.“ Dass derzeit zwei Dosieranlagen pro Krankenhaus außer Betrieb sind, sei etwas völlig anderes. „Eine Pseudomonasinfektion bei einem Patienten hätten wir auch melden müssen.“ Denn der Erreger hat es in sich. Der Krankenhauskeim löst etwa zehn Prozent aller Infektionen in deutschen Kliniken aus. Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann er lebensgefährlich sein.

Bisher habe sich kein Patient infiziert

Pseudomonas aeruginosa, ein Stäbchenbakterium, komme vor allem in feuchter Umgebung und im Wasser vor, erklärt Dr. Rainer Mainka, der Leiter des Gesundheitsreferates am Landratsamt Donauwörth. Auch das Trinkwasser könne er verseuchen. Der Erreger sei zwar seltener als etwa der multiresistente MRSA-Keim, „aber bei uns gehen schon jedes Jahr fünf Fälle von Pseudomonas-Infektionen ein“. Oft machten sich diese durch starken Durchfall bemerkbar.

Mainka bestätigt die Aussagen von gKU-Vorstand Busse. Dass ein Patient sich in letzter Zeit in einer der drei Kliniken an dem Keim infiziert habe, sei ihm nicht bekannt und hätte ihm auch gemeldet werden müssen; das Klinik-Personal habe seiner Meinung nach absolut korrekt gehandelt. Dass während einer Kontrolle in Desinfektionsanlagen das Bakterium aufgefunden wurde, sei nicht tragisch.

Busse weist darauf hin, dass eine weitere Laboranalyse anstehe und diese das Ergebnis der ersten Untersuchung möglicherweise revidiere. „Es ist eigenartig und relativ unwahrscheinlich, dass wir den Erregerbefall an drei Einheiten gleichzeitig haben“, sagt er. Die Anlagen seien zudem mittlerweile gespült worden und würden in dieser Woche noch einmal überprüft. „Wir gehen davon aus, dass sich die Sache dann geklärt hat.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren