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Nördlingen

23.12.2018

Knabenkapelle Nördlingen: Musik mit neuer Handschrift

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Das Jahresschlusskonzert der Knabenkapelle Nördlingen fand in der voll besetzten Hermann-Keßler-Halle erstmals unter dem neuen Leiter Oliver Körner statt. 
Bild: Ernst Mayer

Beim Jahresschlusskonzert der Nördlinger Knabenkapelle in der Hermann-Keßler-Halle wird deutlich, worauf der neue Dirigent Oliver Körner Wert legt.

Wenn er gewusst hätte, was die Auswahl seiner acht Konzertstücke für das Jahreskonzert der Nördlinger Knabenkapelle für ihn bedeutete, hätte Oliver Körner ...? Was dann gewesen wäre, ließ der saloppe junge Moderator, der Trompeter Manuel Schröter, in seiner ersten Ansage offen. Für einen neuen Leiter und Dirigenten bedeutet das erste Konzert mit der neuen Kapelle, sich mit den Leistungen der Musiker vertraut zu machen und sich zugleich vor einem riesigen Publikum bewähren zu müssen. Kaum ein Platz war mehr frei in der Nördlinger Hermann-Keßler-Halle, um die Knabenkapelle mit ihrem neuen Leiter im Konzert zu erleben. Die Frage des begrüßenden Oberbürgermeisters Hermann Faul, ob Körners Herz nicht mehr als sonst klopfe, war in der Situation sicher keine Phrase.

Und um es vorweg zu nehmen: Alles ist gut gegangen. Das Publikum war am Ende begeistert und forderte Zugaben, und Oliver Körner konnte sich glücklich bei seinen Musikern für die engagierte Mitwirkung bedanken. Dabei hatte er mit ihnen ein sehr anspruchsvolles Programm mit neuen Stücken erarbeitet, die in der Mehrzahl zur Mittel- und Oberstufe der Blasmusikliteratur gehören.

Nach der „Locke“ des Trommlerkorps begann es zunächst recht entspannt mit dem „Yorckscher Marsch“ Ludwig van Beethovens, der als Einzugsmarsch für den „großen Zapfenstreich“ bekannt ist, also ein Standardstück für die Knabenkapelle. Mit einem Medley über das Musical „My fair Lady“ kam die erste Bewährungsprobe, was die Länge des Stückes anbelangte. Sofort merkte man, dass der Neue seine eigene Handschrift zu erkennen gab. Pointiert und zügig ließ der die bekannten Melodien hervorheben, teilweise mit solistischen Beiträgen von Saxophon und Flöte, und gestaltete die Übergänge in die verschiedenen Tempi sehr homogen.

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Knabenkapelle Nördlingen: Anspruchsvolle Stücke gespielt

Wesentlich anspruchsvoller, mit versetzten Einsätzen und rhythmischen Verschiedenheiten, war die Komposition von Vincent Gassi, die durch die maritime Geschichte der Chesapeake Bucht inspiriert wurde – von Leuchttürmen im Kolonialstil, Panzerschiffen des Bürgerkrieges und wilden Piraten. Ebenso vielseitig war die Musik, lebhafte Themen am Anfang und Ende und ein ruhiger, lyrischer Mittelteil, mit eingeschobenen Soli von Trompete, Saxophon und Klarinette, die mit den gefühlvollen Melodien ihre tonlichen Qualitäten darstellten.

Bei den nächsten beiden Stücken stellte Ansager Schröter zwei außergewöhnliche musikalische Talente vor und gab seiner ehrlichen Bewunderung Ausdruck, dass er sich bisher nicht hätte vorstellen können, wie viele Noten man in kurzer Zeit spielen könne. Und so kam es auch: Andre Schneider zeigte seine spieltechnischen Fähigkeiten mit dem „Concerto for Trumpet“ und versuchte in großartiger Weise die Interpretation des Komponisten und Startrompeters Harry James zu verwirklichen, zeigte auch individuelle Züge als Kennzeichen einer Jazzbegabung. Ähnliche Ansätze gelangen auch dem Saxophonisten Felix Schulze, der sich die Bewunderung durch sein glaubwürdiges inneres Engagement für das ebenfalls jazzige Glanzstück für Sax-Solisten „Saxpack“ von Otto Schwarz zuzog, den sehr rhythmischen Anfang mit dem Altsaxophon, toll begleitet von den Schlagzeugern, und mit ausgesprochenem Jazzgefühl mit dem Sopransax im Blues-Teil. Hier sah man auch, dass in der einfach erscheinenden Orchesterbegleitung Probleme entstehen können, weil die „schrägen Akkorde“ bei dieser Musik absolut stimmen müssen.

Erinnert fühlte man sich bei „The armed Man“ an den Bolero von Ravel, wenn die diffizile, gleichförmig gestaltete Begleitung in einer ungewohnten Langsamkeit erfolgen muss. Die Gefahr, schneller zu werden, wurde aber erfolgreich vermieden, sodass der Satz aus Karl Jenkins „A Mass for Peace“ in seinem unerbittlichen Pulsieren und packender Spannung emotional sehr fesselnd wirkte.

„Arsenal“ war ein würdevoll klingender Konzertmarsch, der wunderschöne Themen und eine ausgedehnte Melodie im Trio enthält, mit originellen Führungswechseln der Instrumentenregister und eindrucksvoller Dynamik.

Viele gute Musiker werden verabschiedet

„Abschied der Slawin“ (Slawianka) entstand 1912 während Wassili Agapkins Zeit beim Trompeterkorps eines russischen Reserve-Kavallerie-Regiments. Die Inspiration zu diesem Marsch soll auf Filmausschnitte aus den Balkan-Kriegen zurückgehen, die Agapkin als Kinomusiker begleitete. Während des 1. Weltkrieges gewann der Marsch große Popularität und wurde von den Bolschewiken als „Freies Rußland“ übernommen. Jedenfalls passte er vom Titel her gut in den nachfolgenden Abschied der ausscheidenden Kapellenmitglieder.

Damit ereilte Oliver Körner gleich zu Beginn seiner neuen Tätigkeit das Schicksal seines Vorgängers Georg Winkler, dass man die bestens herangebildeten jungen Musiker nach dem Erreichen des Erwachsenenalters verabschieden muss. Diese traurige Angelegenheit verband Oliver Körner mit seinem Dank an Georg Winkler für seine gelungene Einführung in das neue Amt und allen, die als Unterstützer für die Kapelle während des vergangenen Jahres tätig waren, insbesondere Heinz Allgaier, der als Uniformenschneider und -betreuer nach 55 Jahren ebenfalls seinen Abschied von der Knabenkapelle nahm. Ein tolles Arrangement über die Hits von „Deep Purple“ sowie abschließende Weihnachtslieder als Zugaben beendeten das Großereignis.

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