Porträt

08.12.2019

Knecht Ruprecht wird 30

Als Knecht Ruprecht blickt Klaus Meidert naturgemäß finster drein, aber als Weihnachtsmann haben ihn viele Bürger ins Herz geschlossen.
Bild: Richard Lechner

Vor 30 Jahren wurde Klaus Meidert zu Knecht Ruprecht und zum Weihnachtsmann. Wie ihn eine Gruppe Jugendlicher, die ihn umzingelte, überrascht hat.

Im Jahr 1989 startete der damalige Chef des Ordnungsamtes Hans Rieß eine Offensive zur Ausgestaltung des Weihnachtsmarktes. Girlanden über den Straßen gab es schon, aber weder waren die Buden noch die prächtigen Eingangstore zum Markt dekoriert.

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In Klaus Meidert und Claus Rumpfinger fand Rieß zwei tatkräftige Männer zur Umsetzung – Meidert war nicht zuletzt von der Freilichtbühne für sein Talent zu Handwerk und Organisation bekannt, Rumpfinger war Dekorateur beim Kaufhaus Steingass. Beide schossen übers Ziel hinaus, bauten aus einer Marktbude die „lebende Krippe“ mit echten Schafen und Schaufensterpuppen. Meidert, der damals auch einen Stand mit klassischen Weihnachtsartikeln auf dem Markt hatte, betreut bis heute die Schafe und wurde auch gleich als Weihnachtsmann für die Eröffnung des Marktes herangezogen.

Als man Anfang der 90er Jahre die Eröffnungsfeier auf den Marktplatz verlegte, wurde alles größer, von viel mehr Akteuren besetzt und Klaus Meidert wurde der Knecht Ruprecht des neuen Weihnachtsmannes. Bis heute mimt er den finsteren Gesellen, den man als Weihnachtsmann trotzdem sympathisch findet, weil ihm eine ganz besondere rustikale Freundlichkeit innewohnt.

Knecht Ruprecht wird 30

Das hat sich in den 30 Jahren geändert

Als Weihnachtsmann zieht er alljährlich fünf Mal über den Weihnachtsmarkt und verteilt Süßigkeiten aus seinem prall gefüllten Sack: „In den 30 Jahren waren es wohl so eineinhalb Tonnen“, rechnet er hoch. Jeder Auftritt wird zum großen Ereignis: „Ich fange immer am Karussell an. Kaum, dass ich dort die ersten Kinder beschenkt habe, hat es sich schon bis in den letzten Winkel des Marktes herumgesprochen und von allen Seiten strömen die Kinder mit leuchtenden Augen herbei.“

Eine halbe Stunde steht er dann da, fast die halbe Zeit seiner gesamten Runde, die er über den Markt dreht. Was sich in den 30 Jahren geändert hat? An der Reaktion auf den Weihnachtsmann nichts, ganz im Gegenteil: Diese Figur ist unveränderlich im Bewusstsein aller Generationen verankert und auf Abweichungen vom traditionellen Bild reagiert man eher befremdet. So gab es eine Zeit lang unabhängig von Meidert noch einen blau gekleideten Weihnachtsmann, den ein Kind kommentierte: „Der sieht ja aus wie die lila Milka-Kuh!“

Diese Anekdote bleibt ihm bis heute in Erinnerung

In den Reaktionen änderten sich nur Details: „Man merkt, dass die Leute heute wieder Kleinigkeiten mehr schätzen als früher“, hat Meidert festgestellt – es gab tatsächlich Zeiten, da Kinder wie Erwachsene gelegentlich monierten: „Was, nur ein Schokoriegel?“ Aber das sei vorbei. Fast alle Kinder freuen sich, wenn er kommt. Bei den wenigen, die Angst haben, geht es meist von den Eltern aus, die drohen: „Pass auf, jetzt kommt er!“. Da spüre man, dass auch sonst Druck und Anspannung in der Familie herrschen. Unserer Zeit sei es auch geschuldet, dass manche Eltern ihren Kindern weder Süßigkeiten noch Früchte erlauben – dann spricht Meidert, der sich mit allen Marktbeschickern bestens versteht, mit dem Karussellbesitzer und die Kinder dürfen ein paar Runden mitfahren.

Eine Anekdote bleibt ihm bis heute in Erinnerung: Vier Halbstarke zwischen 14 und 16 Jahren umzingelten ihn einst förmlich und forderten Süßigkeiten. Die kamen dem resoluten Weihnachtsmann, der „nebenberuflich“ noch als schneidiger Landsknechts-Hauptmann agiert, gerade recht: „Was bietet ihr als Gegenleistung?“, fragte er. Da überraschten sie ihn mit einem Weihnachtsgedicht, von dem jeder zwei Strophen aufsagte. Passanten blieben stehen und lauschten, Meidert selbst war völlig baff und belohnte die Knaben natürlich. „Zu Hause fand ich das Gedicht tatsächlich in einem alten Weihnachtsbuch“, sagt er. Auch dem Weihnachtsmann kann man eben noch eine Freude machen.

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