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Theater

14.01.2020

Komödie im Klösterle: Lügen, Affären und eine Schlammschlacht

Der Mitfünftiger Michel (Timothy Peach) will eigentlich nur eine Schallplatte anhören. Doch dazu kommt er aus verschiedenen Gründen nicht – unter anderem wegen seiner Geliebten Elsa (Saskia Valencia).
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Der Mitfünftiger Michel (Timothy Peach) will eigentlich nur eine Schallplatte anhören. Doch dazu kommt er aus verschiedenen Gründen nicht – unter anderem wegen seiner Geliebten Elsa (Saskia Valencia).

Plus Die Komödie „Eine Stunde Ruhe“ begeistert das Publikum im Klösterle-Saal in Nördlingern. Hauptdarsteller Michel will eigentlich nur eine Schallplatte hören, seine Frau aber Eheprobleme lösen.

Die Relativität der Zeit ist nicht nur ein physikalisches Phänomen, sondern auch ein gefühltes. Bei schönen Erlebnissen vergeht diese wie im Flug, während etwa bei Wartezeiten der Zeiger still zu stehen scheint. Wie schwer es wiederum sein kann, sich Zeit für die Annehmlichkeiten des Lebens „freizuschaufeln“, illustriert die Komödie „Eine Stunde Ruhe“, die im Rahmen des Kulturprogramms der Stadt Nördlingen im Klösterle aufgeführt wurde.

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Darin übermannt den Mittfünfziger Michel (Timothy Peach) die pure Euphorie. Auf dem Flohmarkt hat er eine rare Schallplatte erstanden, nach der er seit über 30 Jahren gesucht hat. Nach Hause eilend hegt er nur noch einen Wunsch: sich diese in aller Ruhe anzuhören. Doch ausgerechnet jetzt hat seine Frau Nathalie (Nicola Tiggeler) das dringende Bedürfnis, über die „komplexen und komplizierten“ Probleme ihrer Ehe zu sprechen.

Auch Michels Geliebte taucht auf

Zudem schneit der ideologisch entrückte Sohn Sebastian (Johannes Lukas) mit seinen klassenkämpferischen Thesen („meine Lebensenergie gehört der künstlerisch-gesellschaftlichen Lebenskritik“) herein. Gebeutelt vom schlechten Gewissen taucht zu allem Überfluss noch Nathalies beste Freundin Elsa (Saskia Valencia) – zugleich Michels Geliebte – auf, um reinen Tisch zu machen.

Komödie im Klösterle: Lügen, Affären und eine Schlammschlacht

Mit allen Mitteln versucht Michel die explosive Situation zu retten, doch sein windiger und ständig klammer Kumpel Pierre (Benjamin Kernen) sowie der neugierige Nachbar Pavel (Reinhard Froboess) funken dazwischen. Unaufhaltsam gerät das verzwickte Lügengebäude um Liebe, Sex und Affären ins Wanken und fällt am Ende krachend in sich zusammen. Als dann noch der tollpatschige Handwerker Leo (Raphael Grosch) die Nachbarwohnung unter Wasser setzt und – im Wortsinn – eine Schlammschlacht verursacht, ist das Chaos perfekt.

Es gibt schnelle Szenenwechsel

„Eine Stunde Ruhe“ ist eine turbulente und temporeiche Boulevard-Komödie aus der Feder des preisgekrönten französischen Autors und Literaturprofessors Florian Zeller. Regisseur Pascal Breuer hat das Stück für die Konzertdirektion Landgraf schwungvoll inszeniert und die genretypischen Zutaten gekonnt gemixt: spritzige Dialoge, schnelle Szenenwechsel, prägnante Charaktere und stets reichlich Bewegung auf der Bühne. Der Handlungsstrang ist geschickt konstruiert, aber trotzdem so vorhersehbar angelegt, dass der Zuschauer den Akteuren gedanklich immer einen Schritt voraus ist. Zusätzliche komödiantische Würze kommt ins Spiel, wenn etwa im bildungsbürgerlichen Haushalt die grüne Marihuana-Pfeife wie ein Einrichtungs-Accessoire platziert ist oder der Bauarbeiter einen gelben Drainage-Schlauch quer durchs Wohnzimmer zieht.

Dass „Eine Stunde Ruhe“ eine der witzigsten und besten Komödien ist, die in den letzten Jahren im Klösterle gespielt wurden, ist in erster Linie dem Hauptdarsteller zu verdanken. Timothy Peach verkörpert seinen Michel mit höchster Präsenz, da er nahezu an jedem der meist hitzigen Wortwechsel beteiligt ist. Dabei reizt er die charakterlichen Facetten seiner im Grunde sympathischen Figur bis ins Detail aus: mal beseelter Jazz-Fan, mal mitfühlender Ehemann, mal charmanter Liebhaber, mal wütender Gehörnter – aber im Kern immer ein gerissener Filou und notorischer Lügner („Ich rede hier über Sitte und Moral!“).

Die Zuschauer waren begeistert

Trotz dieser schauspielerischen Dominanz können auch die anderen Darsteller überzeugen, wobei Nicola Tiggeler (auch im wirklichen Leben Timothy Peachs Ehefrau) als schuldbewusste Gattin und Saskia Valencia als extrovertierte Nebenbuhlerin einem breiten Publikum aus zahlreichen TV-Rollen bekannt sind.

So spenden die rund 350 Besucher im Klösterle bereits während der Aufführung häufig begeisterten Zwischenapplaus. Am Ende werden die Schauspieler ausgiebig gefeiert und mehrfach wieder auf die Bühne geklatscht, bis nach mehreren Minuten der letzte Vorhang fällt.

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