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Hainsfarth

21.08.2014

Kostenexplosion gefährdet Sanierung

Die ehemalige jüdische Schule in Hainsfarth. Ihre Sanierung ist jetzt wegen einer Kostenexplosion ins Stocken geraten.
Bild: Heike Jahnz

Gemeinderat musste wegen 200000 Euro Mehrkosten das Projekt „ehemalige Judenschule“ stoppen und dringt auf eine Kostenreduzierung durch das Architekturbüro

Nicht immer wird gut, was lange währt: Seit mehr als vier Jahren bastelt die Gemeinde Hainsfarth an der Neugestaltung des Areals der ehemaligen Synagoge mitsamt des angrenzenden Gebäudes, in dem früher die jüdische Schule und die Wohnung des Kantors der jüdischen Gemeinde untergebracht waren. Mit sehr viel Engagement von allen beteiligten Seiten hat man aus einer zunächst vagen Idee ein förderfähiges und bereits seit Dezember 2012 genehmigtes Konzept für die künftige Nutzung der ehemaligen Judenschule mit der entsprechenden Gebäudesanierung erarbeitet. Nicht zuletzt die Regierung von Schwaben hat dieses Projekt mit sehr viel Nachdruck begleitet. Aber immer noch liegt das Areal um die ehemalige Synagoge brach - keine Spur von Bauarbeiten. Warum?

„Nach den Ergebnissen der ersten Ausschreibung mussten wir als Gemeinde die Reißleine ziehen“ erklärte auf RN-Nachfrage Hainsfarths Bürgermeister Franz Bodenmüller. Tatsächlich nämlich hätten die ersten Ausschreibungsergebnisse rund 600000 Euro ergeben. Also Mehrkosten in Höhe von rund 200000 Euro. „Laut der Kostenschätzung des Architekturbüros Obel hätte die Sanierung der Judenschule rund 400000 Euro gekostet. Diese Kosten wären durch Zuschüsse und einen Eigenanteil Hainsfarths von rund 100000 Euro finanziert worden.“ Als hoch verschuldete kleine Gemeinde sei dieser Betrag bereits das Ende der Fahnenstange. „Mehr können wir beim besten Willen nicht tragen.“ Entsprechend der Förderlogik würden jedoch nur die genehmigten Zuschüsse fließen und die Mehrkosten blieben komplett bei der Gemeinde hängen, so Bodenmüller. Mit anderen Worten: das Projekt „ehemalige jüdische Schule“ würde Hainsfarth rund 300000 Euro kosten – würde es laut genehmigtem Plan realisiert. „Das ist für uns utopisch“, so Bodenmüller. Diese Auffassung teilt auch die Regierung von Schwaben: Aufgrund einer derartigen Kostenmehrung von rund 48 Prozent, heißt es dort, „ist die Maßnahme für die Gemeinde Hainsfarth nicht finanzierbar“. Bodenmüller sieht die Verantwortung für diese Entwicklung beim Architekturbüro Obel: „Wahrscheinlich hat man sich hier schlichtweg verschätzt. Wenn man von Anfang an von höheren Kosten ausgegangen wäre, dann wären auch mehr Zuschüsse geflossen.“ Diese Sicht bestätigt auch die Regierung in ihrer Stellungnahme: „Die Förderung erfolgt kostenanteilig“, wird hier festgestellt.

...dann ist das Projekt gestorben

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In einer jüngsten Beratung des Hainsfarther Gemeinderats mit dem Büro Obel ist man nun so verblieben, dass bis Dezember eine Kostenreduzierung erfolgen muss. Ob das gelinge, daran zweifelt der Hainsfarther Bürgermeister. Alles andere als glücklich ist er über den Verlauf dieses für seine Gemeinde so wichtigen Vorhabens: „Wenn wir bis Dezember mit den Kosten nicht runterkommen, dann ist das Projekt gestorben.“

Sehr viel weniger pessimistisch betrachtet Wolfgang Obel die Sache: „Das Projekt wird nicht sterben. Die erste Ausschreibung wird aufgelöst und im Herbst schreiben wir neu aus“, sagte er gegenüber den Rieser Nachrichten. Er weist den Vorwurf zurück, dass seine Kostenschätzung falsch gewesen sei: „Das Handwerk hat kein großes Interesse an einem solchen relativ kleinen Objekt.“

Allein das Angebot für die Elektro-Arbeiten, unterstreicht er, seien über 400 Prozent über der Schätzung gelegen. Weiterhin stritt er ab, dass die Zuschüsse höher ausgefallen wären, wenn die Kostenschätzung von vornherein einen höheren Betrag ermittelt hätte. „Die Zuschüsse sind fix“, so Obel gegenüber unserer Zeitung.

Unabhängig davon setze er jedoch alles daran, das Projekt zu verwirklichen: „Jetzt fangen wir an die Kosten zu reduzieren. Das Haus kann ja so nicht stehen bleiben. Ich von meiner Seite werde alles dafür tun, dass es was wird.“ Ähnlich klingt die Regierung von Schwaben, die sich optimistisch gibt und davon „ausgeht, dass eine Kostenreduzierung erreicht wird“.

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