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Oettingen

13.05.2020

Kriegsende: Oettingen um das Jahr 1945

Da war die NSDAP-Postkartenidylle noch perfekt: die Sonne über Oettingen.

Plus In der neuen Sonderausstellung des Heimatmuseums Oettingen wird große Geschichte im Kleinen nacherzählt. Was es dort zu sehen gibt.

Die aktuelle Corona-Pandemie ist für viele Menschen heutzutage eine Krise mit Unsicherheiten und Einschränkungen, die oft mit der „Zeit vor 75 Jahren“ verglichen wird. Wie sehr dieser Vergleich hinkt, zeigt die neue Sonderausstellung des Heimatmuseums Oettingen mit dem Titel „Heimat in der Zeit um 1945“ anhand eindrucksvoller Exponate und Zeitzeugenberichte. „Wir versuchen zu erklären, was 1945 wirklich hier bei uns los war, wie und womit die Oettinger lebten und zurechtkommen mussten“, erklärt Dr. Petra Ostenrieder anhand eines Vorab-Rundganges, in dem sie den RN erste Einblicke gewährt hat. „Coronabedingt lassen wir die neue Ausstellung langsam angehen. Bei den nötigen Einschränkungen müssen wir auf das Verständnis der Besucher vertrauen“, sagt die Museums-Chefin weiter, „Maskenpflicht, Personenbeschränkung und nur ein sehr begrenztes Führungsangebot – damit müssen wir leben. Wir bieten dafür aber gerne auch Öffnungszeiten nach Wunsch und Absprache.“

In Oettingen schufen die Amerikaner die „neue Ordnung“ und sorgten auch für Hilfsgüter, die in Säcken ankamen und für die man oft lange anstehen musste.

Das Zerbrechen aller Sicherheiten und das Sehnen nach Heimat kennzeichnet die Zeit nach 1945. Noch Anfang jenes Jahres war nahezu jeder Einzelne umfassend in die nationalsozialistischen Strukturen eingebettet, in den Totalen Krieg mit fast täglichen Alarmierungen und ständigen Opfer-Aufrufen und immer stärkeren Einschränkungen: Lebensmittel waren rationiert, Materialien und Rohstoffe Mangelware. Große Geschichte lässt sich so im Kleinen nachvollziehen.

Aus Hakenkreuzfahnen wurde gleich nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches Neues genäht, ohne Symbol, versteht sich.

Viele Aspekte des damaligen Alltagslebens werden aufgegriffen, von Zwangsbewirtschaftung, Sparen und Sammeln, Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen, Luftschutz, Militärregierung und demokratischem Neubeginn bis hin zum Eintreffen von Vertriebenen im Flüchtlingslager Heuberg. Die „neue Ordnung“ wurde von der Militärregierung organisiert: Erfassung und Registrierung der Bevölkerung, Entnazifizierung, Einquartierungen.

Zu Fuß in diesen Schuhen gelangte ein kriegsgefangener Oettinger aus Russland zurück in die Heimat.

Allein in Oettingen mussten zusätzlich 1000 Flüchtlinge und 350 Evakuierte untergebracht werden. Sie alle brauchten ein Dach über dem Kopf, einen Stuhl, ein Bett, Geschirr … Es war vor allem anderen die Verwaltung des Mangels. Wie erfinderisch die Not machte, zeigen viele Exponate, darunter heute undenkbare Kuriositäten wie die Umnutzung von militärischem Gerät zu Töpfen, Jaucheschöpfern, Ziergegenständen und vielem mehr.

Am 23. Februar 1945 wurde Oettingen Ziel eines Bombenangriffs, bei dem rund 200 Menschen starben. Der Oettinger Fotograf Josef Fischer dokumentierte die Schäden.

Nicht nur Geschirrstücke aus Militärbestand mit Hakenkreuz an der Unterseite, die an Ausgebombte als erste Ausstattung verteilt wurden, zeugen von manch einem Notbehelf. So ist diese Ausstellung ein informatives, lehrreiches und demütig machendes Panoptikum im Gegensatz zu dem, was wir heute an Überfluss produzieren und konsumieren.

Noch kurz vor Kriegsende wurden Durchhalteparolen verbreitet.

Eindrucksvoll sind die Fotos von der zerbombten Stadt, mit denen der Oettinger Fotograf Josef Fischer damals die Zerstörungen dokumentierte. Nicht nur mit Blick auf Corona kommt diese Ausstellung zur richtigen Zeit. Sie relativiert auf sehr eindrucksvolle Weise das, was wir alle „gerade durchmachen müssen“. Geöffnet ist die Ausstellung seit dieser Woche von Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr; andere Zeiten nach Terminabsprache.

Ein Original-„Hamsterfahrrad“ von damals, mit dem man auf die Dörfer fuhr, um Lebensmittel und andere notwendige Dinge zu „organisieren“.

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