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Wirtschaft

09.01.2020

Kurzarbeit bei SPN angemeldet

Die Nördlinger Firma SPN hat Kurzarbeit angemeldet. Seit dem 7. Januar gilt diese und ist für ein halbes Jahr angesetzt. Im Oktober hat man angefangen, die Überstunden im Unternehmen abzubauen, um sich darauf vorzubereiten.
Foto: Jan-Luc Treumann

Plus Das Unternehmen meldet ab Januar Kurzarbeit an, darauf hat sich die Firma seit Oktober vorbereitet. Die Agentur für Arbeit äußert sich zur Lage im Landkreis.

Die Weltwirtschaft steht vor unsicheren Zeiten: Der bevorstehende Brexit, der Handelsstreit zwischen den USA und China und auch der Umbruch in der Automobilbranche wirken sich bis ins Ries aus. Bei der Nördlinger Schwaben Präzision (SPN) gibt es seit dem 7. Januar Kurzarbeit. Was sagen Firma und Betriebsrat dazu?

Produktionsleiter Alexander Deffner sagt, dass grundsätzlich 250 Leute betroffen seien. Aber die befänden nicht alle gleichzeitig in Kurzarbeit. „Betroffen sind alle Werker, wer genau, hängt immer vom Fertigungsstand der Teile ab“, sagt Deffner. Im ganzen Betrieb befänden sich in dieser Woche 83 Personen in Kurzarbeit, in der kommenden seien es 66. „Wir haben auch Maschinen, bei denen wir in drei Schichten weiterarbeiten, es trifft nicht jeden Bereich gleich“, schildert Deffner die Situation. Daher könne man auch nicht genau sagen, wie viel weniger die Mitarbeiter arbeiten würden: „Bei manchen sind es 10 bis 20 Prozent, es gibt welche, da sind es 50 Prozent“, sagt der Produktionsleiter.

Deffner: Im Bereich Maschinenbau spüre man eine Krise früh

Im Oktober habe man angefangen die Überstunden abzubauen, um den Betrieb auf Kurzarbeit vorzubereiten. Das Ziel sei es, so schnell wie möglich aus dieser Situation wieder rauszukommen, daher gebe es keine Kurzarbeit in den Abteilungen mit Kundenkontakt, um schnell neue Aufträge zu bekommen.

Die Gründe für die Kurzarbeit seien vielfältig. „Im Maschinenbau spürt man die Anzeichen von einer Krise ziemlich früh, das war schon immer so“, sagt Deffner. Zwar sei man kein direkter Zulieferer für die Automobilindustrie, aber verkaufe beispielsweise Teile an Maschinenhersteller, die in diesem Bereich arbeiten. Und wenn bei denen die Nachfrage nach unten gehe, werde das an sie weitergeleitet. Insgesamt gebe es viele Probleme: „Man weiß nicht, in welche Richtung die Welt gerade läuft.“ Dass es im Betrieb aber Entlassungen gebe, stehe überhaupt nicht zur Diskussion.

Betriebsratsvorsitzende hält Kurzarbeit bei SPN für die richtige Entscheidung

Die Entscheidung für die Kurzarbeit hält Norbert Wanger, Betriebsratsvorsitzender für die richtige Entscheidung, daher habe man dieser auch zugestimmt. „Es war auch für uns überraschend, wie schnell die gute Auftragslage, wie wir sie noch bis September hatten, abgefallen ist“, sagt Wanger. Hauptgründe sind für ihn der Brexit und der Handelsstreit. Es habe dadurch einen starken Auftragsrückgang gegeben. Er hoffe, dass sich die Lage bald wieder entspanne. Die Beschäftigten stünden laut Wanger loyal zur Firma. Er sagt, dass es grundsätzlich in allen Abteilungen Kurzarbeit geben könne, ausgenommen seien die Geschäftsleitung und Auszubildenden. Ihm zufolge sind rund 300 Beschäftigte betroffen. Spätschichten fielen aus, andere Beschäftigte würden eine Woche arbeiten und die darauf dann nicht.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) bestätigt, dass die Situation für Unternehmen im Bereich Maschinenbau und Zulieferbereich derzeit schwierig sei. Laut einer IHK-Umfrage aus dem Herbst vergangenen Jahres würden 16 Prozent der Industrieunternehmen in Schwaben Kurzarbeit beantragen wollen.

Wie die Situation im Landkreis aussieht

Wenn Firmen Kurzarbeit anmelden, können sie von der Agentur für Arbeit Kurzarbeitergeld bekommen. Dieses müssen sie aber zuvor beantragen, wie Christine Jung von der Agentur für Arbeit Donauwörth sagt. Laut ihrer Statistik gab es für den Monat Dezember vier Arbeitgeber im Landkreis, bei denen es Kurzarbeit gab, insgesamt seien rund 100 Mitarbeiter betroffen. Zahlen für den Januar lägen ihr erst für Ende des Monats vor. Das Kurzarbeitergeld sei dazu gedacht, um wirtschaftliche Flauten zu überbrücken und damit Arbeitsplätze zu erhalten. Häufig würden Betriebe auch mehr Plätze für Kurzarbeit anmelden als hinterher abgerechnet würden. Kurzarbeit könne für maximal zwölf Monate angemeldet werden.

Das Kurzarbeitergeld betrage 60 Prozent des ausgefallenen Nettoverdienstes bei ledigen oder verheirateten Personen. Habe der Betroffene ein Kind im Sinne des Einkommenssteuergesetzes seien es 67 Prozent.

Jung sagt, die Lage im Donau-Ries-Kreis sei nicht dramatisch, in anderen Landkreisen gebe es mehr Kurzarbeit. Sie bestätigt, dass vor allem Firmen in den Bereichen Maschinen- und Metallbau betroffen seien. Bei der Wirtschaftskrise 2008 habe es tausende Kurzarbeiter gegeben, berichtet Jung. Das sei auch das letzte Mal gewesen, als es bei SPN Kurzarbeit gab, sagt Deffner.

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