Schule

25.02.2015

Kurze Beine, kurze Wege

Der Stadtrat Nördlingen will mehr Flexibilität bei der Ganztagsbetreuung erreichen. Die Gebührenordnung wurde angepasst. Die langfristige Ausrichtung wird aber noch diskutiert

Bei der Mittagsbetreuung an den Nördlinger Grundschulen konnte man bisher nur nach dem Prinzip „Ganz oder gar nicht“ buchen: Die Eltern bezahlten für fünf Tage Betreuung, egal, an wie viel Tagen ihre Kinder teilnahmen. Verschiedene Stadtrats-Fraktionen regten bereits flexiblere Buchungsmöglichkeiten und Gebühren sowie die Einrichtung einer „gebundenen Ganztagsschule“ an. Den aktuellen Antrag reichte die SPD im Dezember vergangenen Jahres ein. Die Stadtverwaltung setzte sich daraufhin mit den Leitern der Grundschulen in Verbindung. Das Ergebnis war jetzt Thema im Haupt- und Finanzausschuss des Nördlinger Stadtrates.

Karl Stempfle, Leiter des Liegenschaftsamtes, trug als Antwort der Rektoren ein gemeinsames Positionspapier vor. Er schickte voraus, dass alle Grundschulen Mittagsbetreuung anbieten. Bei der geplanten Sanierung der Grundschule Mitte Baldingen sollen ebenfalls entsprechende Räume eingerichtet werden, sodass die Versorgung flächendeckend sei, gemäß dem Grundsatz „Kurze Beine, kurze Wege“. An vier Horten, darunter angemietete Plätze in Reimlingen, können laut Stempfle 117 Kinder untergebracht werden.

Im Papier der Grundschulrektoren heißt es zunächst, dass kein erkennbarer Elternwille eine gebundene Ganztags-Grundschule verlange, also einen geschlossenen Klassenverbund, der mindestens an vier Tagen in der Woche Nachmittagsunterricht mit Mittagsbetreuung anbiete. Dafür seien die Klassen zu klein. Die Ausgewogenheit käme aus dem Gleichgewicht, wenn man Schüler zusammenziehen müsse, um Ganztagsklassen zu füllen. „Bustourismus“ und andere organisatorische Probleme wären kaum zu bewältigen.

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Ein Blick nach Donauwörth, wo das Rote Kreuz die Mittagsbetreuung in zwei von drei Grundschulen übernehme und die Stadt das Defizit ausgleiche, habe ergeben, dass Nördlingen deutlich günstiger bei der Mittagsbetreuung wegkomme, mit 117 Hortplätzen allerdings mehr als doppelt so viele wie Donauwörth unterhalte und damit ein Defizit von rund 300000 Euro einfahre.

Faul: 117 Plätze sind die Obergrenze

Dorothea Gaudernack (CSU) fragte, ob die Hortplätze auch reichen, da beispielsweise in Löpsingen heuer nur zwei Plätze an externe Schüler vergeben werden konnten. Oberbürgermeister Hermann Faul entgegnete, 117 Plätze seien die Obergrenze, wobei es auch hier noch Wartelisten geben könne.

Wolfgang Goschenhofer (Grüne/Frauenliste) begrüßte die von der Stadtverwaltung vorgeschlagene neue Gebührenordnung für Mittagsbetreuung (siehe auch Infokasten), die vier gestaffelte Tarife vorsieht: „Solch eine Flexibilität ist das Credo unserer Fraktionsgemeinschaft.“

An die PWG richtete Goschenhofer die Frage, wie sie zur gebundenen Ganztagsschule stehe, die sie vor einem Jahr dringend gefordert habe. Helmut Beyschlag (PWG) erklärte, man habe die Schule nach wie vor im Fokus, wolle aber erst Fakten sehen wie die von OB Faul vorgeschlagene Kostenerhebung. Dann könne man diskutieren, ob die gebundene Ganztagsschule im nächsten Investitionsplan aufzunehmen sei. Diesem Vorgehen schloss sich OB Faul ausdrücklich an und ließ keinen Zweifel, dass es sich hier um ein Millionenprojekt handele.

Rita Ortler (SPD) bemerkte, dass der Elternwille, der derzeit keine gebundene Ganztagsschule wolle, erfahrungsgemäß schnell umschwenken könne. Gudrun Gebert-Löfflad (Stadtteilliste) regte an, bei den Eltern nicht nur die Beiräte, sondern die Basis selbst zu befragen. Stadtkämmerer Bernhard Kugler warf ein, dass die überregionale Politik gebundene Ganztagsschulen eher vernachlässige – Die Regierung von Schwaben hege dagegen erhebliche Bedenken, der Freistaat bezuschusse eine Klasse gerade einmal mit 1000 Euro.

Der Haupt- und Finanzausschuss verabschiedete die gestaffelte Belegungs- und Gebührenordnung für die Mittagsbetreuung einstimmig.

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