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Landkreis

20.10.2017

Landrat sieht Energieziel in Gefahr

Beim Thema Stromerzeugung hat sich der Landkreis Donau-Ries vor einigen Jahren ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2030 sollen 60 Prozent des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien kommen.
Bild: Martin Schutt/dpa

Bis zum Jahr 2030 sollen im Kreis 60 Prozent des verbrauchten Stroms mit erneuerbaren Energien erzeugt werden. Das scheint aktuell jedoch schwierig. Wie es dennoch gelingen soll.

Es ist nur ein Rechenbeispiel. Darauf weist Stefan Rößle eindrücklich hin. „Aber dann kann man es sich vielleicht etwas konkreter vorstellen“, sagt der Landrat. Mit 200 Windrädern könnte so viel Strom erzeugt werden, wie im Landkreis Donau-Ries verbraucht wird. Diese Zahl sei freilich illusorisch, so Rößle, schließlich drehen sich in der Region gerade einmal vier Anlagen. Aber 20 Windräder hätte man sich noch vor gar nicht allzu langer Zeit schon vorstellen können, sagt der Kreischef. Mit der Abstandsregel 10 H und den Vorgaben des Artenschutzes gibt es aber nurmehr zwei Gebiete, in denen weitere Windräder errichtet werden können (wir berichteten). „Vielleicht kriegt man bei Bergstetten und Monheim noch jeweils ein bis zwei unter. Vielleicht“, so Rößle am Freitag im Ausschuss für Energie und Umweltfragen des Kreistags. Dort wurden die jährlichen Zahlen zu Stromverbrauch und -erzeugung in der Region vorgestellt. Der Wärmebedarf blieb dabei außen vor, dieser wird nur im fünfjährigen Turnus ermittelt.

Eingangs stellte Nico Reinhold von der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft in München noch einmal das Energieleitziel des Landkreises vor: Bis zum Jahr 2030 sollen 60 Prozent des Stromverbrauchs – inklusive Wärme – über Erneuerbare Energien gedeckt werden. „Ein ehrgeiziges Ziel“, gestand Landrat Rößle in der Sitzung ein. Derzeit habe man einen Wert von knapp 40 Prozent, wie Reinhold auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte.

Im vergangenen Jahr wurden im Landkreis 973 Gigawattstunden Strom verbraucht, das sind vier Prozent mehr als 2015. Vor zehn Jahren waren es noch 856 Gigawattstunden gewesen. Allerdings sei in diesem Zeitraum auch die Zahl der Einwohner (um ein Prozent) und die der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (24 Prozent) gestiegen. „Die Konjunktur verursacht einen gewissen Mehrverbrauch“, erklärte Reinhold. Während im Wirtschaftssektor in den vergangenen zehn Jahren auch der Stromverbrauch um 23 Prozent zugenommen hat – ein ähnlicher Wert also wie bei dem Plus an Beschäftigten –, verzeichneten die Privathaushalte eine Einsparung um acht Prozent.

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Bei der Erneuerbaren Stromerzeugung kam der im Landkreis 2016 auf 841 Gigawattstunden. Das sind zwei Prozent mehr als im Jahr davor und 83 Prozent mehr als noch 2007. Der Großteil davon kommt aus der Biomasse, es folgen Wasser- und Solarkraft deutlich vor der Windkraft. „Es ist schon viel Gutes passiert“, bilanzierte Landrat Rößle. Dennoch räumte er ein, beim Blick in die Zukunft nicht allzu euphorisch zu sein. Denn um das „Energieleitziel 30-60“ zu erreichen, müsse deutlich mehr passieren. „Da reichen zwei Prozent Anstieg bei den Erneuerbaren Energien nicht“, betonte Rößle.

Allerdings befürchte er, dass „bei der Windkraft Schluss ist“. Und auch bei Biomasse sei nicht mehr viel drin. „Wenn es so weiter geht, schaffen wir die Energiewende nicht“, fand der Landrat klare Worte. Gleichzeitig forderte er, mutiger zu werden. Die Haltung „Wir wollen etwas ändern, aber nichts verändern“ sei die falsche. Selbstverständlich müsse man sich im Rahmen der Gesetze bewegen, dennoch ist der Landrat überzeugt: „ Das Potenzial im Landkreis ist nicht ausgeschöpft, auch beim Thema Einsparung.“

Deshalb sollen im nächsten Jahr in Arbeitsgruppen konkrete Maßnahmen überlegt und erarbeitet werden. Projekte wie die Energie-Allianz, das Energie-Forum und die Energie-Beratung werden weitergeführt. Zudem ist geplant, Vorzeigeprojekte im Landkreis herauszustellen, wie Günther Zwerger, Leiter der Stabsstelle für Kreisentwicklung, dem Ausschuss erklärte. „Damit soll gezeigt werden, was in den Kommunen alles möglich ist.“ Das Gremium beschloss einstimmig, dass die dafür erforderlichen Mittel im Haushalt 2018 bereitgestellt werden sollten.

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