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02.03.2009

Lebensraum für Beutelmeise und Co.

Gundremmingen/Nördlingen Es gilt als das größte Naturschutzprojekt der Welt - allerdings sind längst nicht alle betroffenen Grundstückseigentümer und -nutzer glücklich darüber, wenn Teile ihrer Wälder oder Offenflächen in das europaweite Schutzgebietsnetz "Natura 2000" einbezogen werden. Dies zeigte sich bei der Auftaktveranstaltung in Gundremmingen, bei der Behördenvertreter über das Natura 2000-Vogelschutzgebiet Donau-Auen informierten, das vom Landkreis Neu-Ulm bis nach Donauwörth reicht. Rund 60 Betroffene und Interessierte waren gekommen, bei manchen war die Skepsis groß. "Man ist zuerst Beteiligter und hinterher ist man vielleicht Enteigneter", befürchtete ein Zuhörer.

Dass die Donau-Auen in den Landkreisen Neu-Ulm, Günzburg, Dillingen und Donau-Ries da einige Kostbarkeiten zu bieten haben, versuchten Diplom-Biologe Ralf Schreiber von der Regierung von Schwaben und Forstingenieur Martin Lauterbach, Vogelspezialist bei der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), den Besuchern in Gundremmingen nahe zu bringen. Das großflächige, zusammenhängende und gering erschlossene Fließwasserökosystem mit den naturnahen Au- und Leitenwäldern und dem Netz an Altwassern und Auebächen hat für zahlreiche rare Vogelarten eine herausragende Bedeutung als Lebensraum (beispielsweise Halsbandschnäpper, Spechte, Greifvögel) und ist wichtiges Durchzugsgebiet für Wasservögel.

"Die Auen sind die artenreichsten Lebensräume, die wir haben", sagte Martin Lauterbach. Den hauptsächlich in Franken, an der Donau und auf der südlichen Ries-Alb verbreiteten Mittelspecht bezeichnete er gar als "unseren Pandabär", eine in unserer Region lebende Art also, die der Vogelspezialist als weltweite Besonderheit einstuft. Der Mittelspecht braucht alte Bäume wie Eiche, Esche, Bergahorn mit rauer Borke und großer Oberfläche und verliert seine Lebensgrundlage, wenn in kurzer Zeit zu viele solch alter Bäume geschlagen werden.

Der Halsbandschnäpper hingegen, ein Höhlenbrüter, der im April aus Afrika kommt, wenn die meisten Höhlen schon besetzt sind, braucht sieben bis neun Bruthöhlen pro Hektar und Lücken zwischen den Baumkronen, wo er auf Insektenfang gehen kann.

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Als "bayernweit wirklich eine Besonderheit" bezeichnete Lauterbach die Beutelmeise, die kunstvolle Nester beispielsweise aus Rohrkolben baut und ein "Weiser für die ganz enge Verzahnung von Wald und Schilf ist". Rund 300 Brutpaare leben in den Donau-Auen. Natura 2000 soll helfen, dass Beutelmeise, Mittelspecht und Co auch in Zukunft dort ihren Lebensraum finden. Dennoch versicherte Forstoberrat Graf: "Die bisherige ordnungsgemäße land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Nutzung bleibt in aller Regel weiterhin möglich." Allerdings dürfen, und das gilt schon seit dem Jahr 2000, Lebensräume für schützenswerte Vogelarten nicht erheblich beeinträchtigt werden ("Verschlechterungsverbot").

Für Grundstückseigentümer bringt Natura 2000 aber kein Verbesserungsgebot. Verbesserungsmaßnahmen im Privatwald sollen nur auf freiwilliger Basis erfolgen: "Für die Durchführung sollen die Eigentümer freiwillig und gegen Entgelt gewonnen werden", heißt es dazu in einer Broschüre des Staatsministeriums für Landwirtschaft und Forsten. Bürger sollen über "Runde Tische" eingebunden und "Betroffene sollen zu Beteiligten werden", versicherte Ralf Schreiber von der Regierung von Schwaben. Daran gab es bei den Besuchern der Informationsveranstaltung in Gundremmingen manchen Zweifel.

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