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Donau-Ries

11.01.2019

Lkw-Fahrer blockiert Verkehr, um blindem Mann zu helfen

Helfen ist für Timo Dürrwanger aus Wechingen selbstverständlich.
Bild: Johannes Meister

Timo Dürrwanger blockiert mit seinem Lkw eine Straße in Wassertrüdingen und steigt aus, um einem Blinden zu helfen. Autofahrer hupten und fuhren vorbei.

Diesen Zahnarztbesuch am frühen Mittwochnachmittag wird Tanja Hasselt so schnell wohl nicht vergessen. Auf dem Weg nach Hause sah sie eine Szene im Wassertrüdinger Straßenverkehr, die man so nicht alle Tage erlebt.

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Ein Lastwagenfahrer parkte seinen Brummi mitten auf der Straße und blockierte den Verkehr. "Mir fiel die Kinnlade herunter", sagt die Frau über den Moment, in dem sie sah, warum sich der Fahrer so verhielt. Sie schildert: Der Mann stieg aus, zog seine Warnweste an und half einem älteren blinden Mann auf den Gehweg, der sich mit seinem Blindenstock auf der Lentersheimer Straße an einer Schneebarriere entlangtastete. Der Brummifahrer soll den Mann angesprochen und dann über das nicht überwindbare Hindernis aus Schnee und Eis auf den sicheren Gehweg begleitet haben. Nachkommende Autos, die sich hupend bemerkbar machten, konnten den Held anscheinend nicht davon abbringen, sein gutes Werk zu vollbringen. "Dass es so etwas noch gibt", sagt die verheiratete Mutter zweier Buben aus Wassertrüdingen weiter.

Ein besonderer Augenblick für die verheiratete Mutter zweier Buben

Dieser Augenblick sei für sie etwas ganz Besonderes gewesen. "Mich hat diese Hilfsbereitschaft umgehauen. Es ist eigentlich inzwischen normal, dass sich jeder schnell vorbei drängt. Man muss so oft mit der Intoleranz der anderen rechnen." Nur, wer war dieser unbekannte Retter auf den winterlichen Straßen Wassertrüdingens?

Auf die Zuschrift von Tanja Hasselt, die sich das Kennzeichen des Lastwagens merken konnte, haben wir uns auf die zugegeben einfache Suche nach dem Lastwagenfahrer gemacht und waren schnell erfolgreich. Der heldenhafte Einsatz ist einem 37-Jährigen aus Wechingen zuzuschreiben, der bei der Firma Anton Eireiner in Wemding arbeitet – dort war die Geschichte bereits bekannt. Seit rund zehn Jahren ist Timo Dürrwanger mit dem Brummi auf den Straßen unterwegs.

Immer wieder hielt er an, um anderen zu helfen. Am vergangenen Mittwoch fuhr er gerade von Wassertrüdingen zurück, als er den Mann auf Lentersheimer Straße sah. "Er hat sich nicht mehr ausgekannt", beschreibt er die Situation. Zwei, drei Autos seien ohne Reaktion an dem Fußgänger vorbeigefahren, ließen ihn stehen. Dürrwanger, der in Wechingen auch aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ist, stieg aus und fragte den Mann, wo er hin möchte und führte ihn auf den sicheren Gehweg.

Dort half schließlich noch eine weitere Passantin, den Mann zu begleiten. Der Frau sagte er schließlich, wo er genau hin müsse. "Wir haben ihm zu zweit geholfen", gibt sich Dürrwanger bescheiden. Das Hupkonzert hinter ihm blendete er aus. "Mir war das in dem Moment wurst", sagt er. Dem Fußgänger musste schließlich geholfen werden, da er wegen des Schnees wohl die Orientierung verloren habe. Dürrwanger erlebt die Ungeduld der Menschen viel zu oft.

Bild: Peter Tippl


Brummifahrer mit Herz: Der 37-Jährige hilft gern

Es liegt in der Natur des 37-jährigen Familienvaters, zu helfen. Da er viel Zeit auf der Straße verbringt, kommt er immer wieder zu Unfällen oder Autopannen. "Wenn die Polizei noch nicht dort ist, frage ich natürlich, ob ich helfen kann. Das ist für mich selbstverständlich."

Einmal half Dürrwanger einer Familie, die auf dem Weg nach München eine Reifenpanne hatte. Das Ersatzrad war nicht zu gebrauchen, also fuhr er den Vater in die nächste Werkstatt.

Momente wie in Wassertrüdingen zeigen, dass Zivilcourage nicht immer selbstverständlich ist. Gut, dass es im Ries Menschen gibt, die nicht zögern, um anderen etwas Gutes zu tun. Für Tanja Hasselt aus Wassertrüdingen sind solche Momente "Sternstunden".

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Die Diskussion ist geschlossen.

12.01.2019

mich wundert jetzt gar nichts mehr..Heute, Zugspitzstraße, Begrenzung auf 30 km/h .. ich wurde überholt, und mit mit Mittelfinger signiert ...

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11.01.2019

Tja sollte eigentlich selbstverständlich sein, leider ist es das nicht mehr.
Man muss sich selbst da an der eigenen Nase fassen und getreu dem Pfadfindermotto "eine gute Tat am Tag" handeln.
Vor allem sollte man keine Angst haben etwas falsch zu machen gerade in Situationen wie z.B. als Ersthelfer.
Denn besser man macht etwas nicht 100% richtig als das niemand etwas macht.

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