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10.02.2015

Luschde isch dia Fasenacht …

Vom Ruaßige Freide und D’Herre-Fasnacht im Ries

Langsam geht’s auf den Höhepunkt der Fasnacht zu. Im Ries heißen die letzten Tage der „Gumperles Donnerschde“, der „Ruaßige Freide“, der „G’schmalz-ne Samsde, „D’Herra-Fasnacht“, „Stehlmede“ und „Fasnacht“. Den Brauch, ab dem 11.11. ab 11.11 Uhr Faschingstreiben zu begehen, hat uns der rheinländische Karneval beschert. Vom „lumpigen Donnerstag“ –die abgeschnittenen Krawatten bei den besseren Herren und die zerlumpten Kleider der Hexen an der Weiber-Fasnacht lassen hiervon noch den ursprünglichen Sinn an diesem Donnerstag erahnen. Als „a alta Kuah“ wurden die Fasnachtshansel bezeichnet – und das war durchaus nicht bös und ausfällig gemeint. Eigentlich liebkoste man sich im Ries das ganze Jahr über, wie es Gerda Schupp-Schied in einem ihrer Bücher festgehalten hat.

Schon Kinder bekamen Kosenamen wie „Mei Liaba“, „mei groaßer Knecht“, aber auch „du Teifl“ bei einem lebhaften Kind. Kam ein Bub erst nach dem Betläuten nach Hause, wurde er oft als „Läfl“ geschimpft oder als „Fetz“ und brach er dann noch in Tränen aus, hieß es: „Bisch du a Präll-Lad!“

Auch Mädchen bekamen ihr Fett ab wenn man sie betitelte als: „Isch des a Scherba“, „a sotter Hafa“ oder „a ganz a Schiacha“, wenn sie nicht gerade hübsch waren. „A Batsch“ oder „a Schmierkapp“ waren Frauen, die gern jemanden ausrichteten. Das Gegenteil waren unfreundliche „Muffl“, die beim Grüßen kaum „d’s Maul“ auf brachten.

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Auch die Mannsbilder wurden mit allerhand Ausdrücken bedacht: „A Dolde“ war oft sehr zurückhaltend; „a Fetzadeng“ war das Gegenteil. Wer seine Füße nicht in die Höhe brachte beim Gehen war „a Schlorber“, wer schlecht gekleidet war „a Schloifer“. „Hommel“ und „Sausäckel“ waren durchaus gebräuchliche Bezeichnungen für Burschen, die eine Dummheit begangen hatten und als „a Dolde“ wurde ein närrischer, einfältiger Mensch bezeichnet, aber nicht nur in den Faschingstagen, denn da hieß es ja: „ Fasnachtshansl, a alta Kuah, schopp dei‘ Loch mit Lompa zua!“

Der „Ruaßige Freide“ erhielt seinen Namen vom Ofenruß, den einige Burschen „beim Rockaliacht-Tanza“ ihren Mädchen unbemerkt beim Streicheln ins Gesicht schmierten. Den Ruß hatten sie in der Hosentasche mitgebracht. Auch dieser Brauch hat sich bei uns erhalten, wenn heute oft ein angebrannter Kork Ursache für den schwarzen Strich im Gesicht ist.

Der „G’schmalzne Samsde“ weist darauf hin, dass „an deam Dag Krapfa ond Kiachla bacha wora sen.“ So konnten die Fasnachtshansel auch betteln: „Luschde isch dia Fasenacht, wann mei Muadr Kiachla bacht. Wann se abr koine bacht, nocht pfeif e auf dia Fasenacht!“

Bei der „Herrafasnacht“ gönnten sich Lehrer und Pfarrer, Förster und sonstige Herren eine Einkehr im Dorfwirtshaus.

Der „Stehlmede“ war der Tag der Schulkinder, der Knechte und Mägde. Allerhand Unfug durfte da veranstaltet werden. Dem Lehrer wurden Schwamm und Tafelkreide versteckt, dem Banknachbarn der Griffel, sodass der Unterrichtsbetrieb halt nicht mehr reibungslos klappte. Der Nachbarin wurde mit List und Tücke „d’s Floisch ausm Krauthafa gschtohla“. Tags darauf musste das „Gestohlene“ allerdings wieder auftauchen. Das Fleisch natürlich nicht. Der letzte Tag, die „Fasnacht“, war in katholischen Dörfern dann der Höhepunkt des närrischen Treibens, während es in evangelischen Dörfern eher ruhig zuging. Lärm durfte man an diesem Tag machen, etwa leere Krautdosen an einen Strick binden und ans Fahrrad hängen und dann durch das Dorf flitzen. Ähnliches kennen wir heute noch bei Hochzeiten, wenn dem Brautauto Dosen angehängt werden. Alle bösen Geister sollen da vertrieben werden. Dass die Alten einem „Ui Fetza-Denger“ nachriefen oder „Ja, sodde Verreckr“ war gut hinzunehmen. Schließlich war das ja sogar ein großes Lob.

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