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Gesundheit

09.01.2019

Macht Wurst unsere Kinder dick?

Zu viel Wurst macht Kinder dick – dieser Auffassung ist der Kinderarzt Detlef Grunert aus Nördlingen. Eine Leberkäsesemmel würde bereits die Hälfte des Tagesbedarfs eines Kindes füllen. Da bleibe nicht viel Spielraum, um nicht zuzunehmen.

Plus Laut dem Nördlinger Kinderarzt Detlef Grunert sei der Fleischkonsum der Grund dafür. Er verurteil insbesondere den hohen Fettgehalt. Was dahinter steckt.

Viele Kinder sind zu dick. Das geht aus einer Studie des Robert Koch Instituts hervor. Sie untersuchte die Gesundheit von mehr als 3000 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen drei bis 17 Jahren deutschlandweit. Demnach sind 15,4 Prozent übergewichtig. Also fast jedes siebte Kind. 5,9 Prozent der Befragten leiden an Adipositas, eine Ernährungs- und Stoffwechselkrankheit mit starkem Übergewicht.

Für den Nördlinger Kinderarzt Detlef Grunert gibt es dafür eine Ursache: Die Kinder essen zu viel ungesundes Fleisch. Als Beispiele nennt er Gelbwurst, Lyoner oder Leberkäse. In allen Sorten steckt laut dem Mediziner ein zu hoher Anteil an ungesundem Fett. 100 Gramm Leberkäse bestehen aus rund 25 Gramm Fett und ein Gramm Fett widerrum entspricht ungefähr neun Kilokalorien. Um seine These zu untermauern führt er eine einfache Rechnung an: Eine Person darf nur genau soviel Kalorien verbrauchen, wie sie am Tag verbrennt. Isst sie mehr, nimmt sie an Gewicht zu, isst sie weniger, dann nimmt sie ab. Wenn ein Kind also 1500 Kilokalorien am Tag verbraucht, würde eine Vesperscheibe Leberkäse mit in einem Semmel etwa die Hälfte des gesamten Bedarfs decken. Trinke das Kind dann noch einen Fruchtsaft, könne es fast keine Nahrungsmittel mehr zu sich nehmen, ohne an Gewicht zuzulegen, sagt Grunert. „Ein Kind braucht aber Vitamine und gute pflanzliche Fette“, sagt er. Das finde sich in Ölen, Nüssen und Obst wieder.

Zucker hat nicht einmal halb so viel Kilokalorien wie Fett

Den Zucker, der immer verteufelt werde, sei das geringere Übel als das Fett, sagt der Mediziner im Gespräch mit den Rieser Nachrichten. Im Vergleich mit Hinblick auf die Kilokalorien: ein Gramm Zucker entspricht lediglich vier Kilokalorien, also nicht einmal der Hälfte des Fetts. Außerdem seien die Kohlenhydrate wichtig für das Gehirn, da dort keine anderen Makronährstoffe verbrannt werden, sagt der Mediziner. Laut Grunert könne ein Kind gar nicht soviel Zucker am Tag zu sich nehmen, um dicker zu werden. Das größte Verhängnis ist dem Kinderarzt zufolge das Schwein aus herkömmlicher Tierhaltung. Die seien zu fettig, hätten einen geringen Nährwert und seien mit Medikamenten vollgestopft. Er rät deshalb den Eltern ihren Kindern Hähnchen aufs Schulbrot zu legen oder gar ganz auf das Fleisch zu verzichten.

Mangelnde Bewegung und falsche Ernährung können Gründe sein

Einen guten Blick auf das Essen der Kinder hat die Ernährungsberaterin der AOK im Landkreis, Cornelia Zink. Sie ist oft in den verschiedenen Kindergärten in der Region und wirft mit den Kindern zusammen ein Blick auf deren Pausenbrot. Wurst sei fast immer dabei. Sorten wie Lyoner oder Leberkäse enthalten laut Zink viele gesättigte Fettsäuren, also schlechte Fette, die beispielsweise zu Diabetes führen können.

Aber der hohe Prozentsatz an übergewichtigen Kindern komme laut Zink nicht nur von zu viel Wurst, sondern auch von zu wenig Bewegung. Deshalb verurteile sie das Pausenbrot der Kinder nicht, im Gegenteil – es fördere die Konzentration. Und die Abwechslung sei laut Zink entscheidend, mal Wurst, mal Käse oder ein Aufstrich. Wichtig sei für die Kinder immer eine Portion Obst oder Gemüse. Viel bedeutender als der Belag auf dem Brot seien feste Mahlzeiten, dadurch komme ein Kind nicht auf die Idee, aus Langeweile zu essen. Außerdem appelliert Zink an die Eltern, wieder mehr Bewegung in den Alltag der Kinder einzubauen, etwa kleine Spaziergänge zum Einkaufen.

10000 Schritte am Tag können helfen

Dickes Brot und dünner Belag – das empfiehlt die Hauswirtschaftsdirektorin Brigitte Steinle vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Nördlingen. Und dazu sollten Kinder ein paar Karotten oder eine Paprika essen, das sei gesund. Sie sieht die Zahl der übergewichtigen Kindern mit Argwohn. „Das liegt aber nicht allein am Fett, sondern an mangelnder Bewegung in Verbindung mit schlechter Ernährung“, sagt sie.

Deshalb sei es wichtig, die Kinder wieder zu mehr Aktivität im Alltag zu animieren. Und damit meint sie nicht nur Sport. Eher mal auf der Couch herumtoben oder einen Weg zu Fuß zurückzulegen. „10000 Schritte am Tag sind ein ganz gutes Ziel“, sagt Steinle.

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