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Justiz

19.02.2015

Mann soll Tierärztin bedrängt haben

Noch ist nicht entschieden, ob ein Viehhändler aus dem Landkreis bestraft wird. Er soll eine Tierärztin bedrängt haben.
Bild: Symbolbild: Alexander Kaya

In Nördlingen steht ein Viehhändler vor Gericht. Welche Rolle dabei eine Diagnose spielt.

Notschlachten ist ein seltsames, ein hässliches Wort. Seine Bedeutung ist so brutal, wie es laut ausgesprochen klingt. Wenn es um Tierseuchen geht, taucht das Wort recht häufig in den Medien auf. Oft wird es dabei falsch verwendet. Denn nicht jede Tötung eines Tieres ist eine Schlachtung. Darum handelt es sich genau genommen nur, wenn das Fleisch des Tieres nach dessen Tötung noch verwendet wird.

Der Unterschied ist für Landwirte und Viehhändler finanziell bedeutsam, und darum ging es gestern vor dem Amtsgericht Nördlingen. Auf der Anklagebank: Ein Viehhändler aus dem Landkreis Donau-Ries, dem die Staatsanwaltschaft Nötigung vorwarf. Er soll im September 2014 eine Tierärztin bedrängt haben, eine Diagnose zu fälschen, die ihr Praxis-Kollege einen Tag zuvor ausgestellt hatte. Der Tierarzt hatte zwei Bullen eines Landwirtes untersucht, bei beiden Tieren eine Erkrankung der Schwanzspitzen festgestellt und einen Schein ausgefüllt, der eine Notschlachtung der Bullen erlaubt.

Dabei machte der Mediziner allerdings einen Fehler: Die Bescheinigung ist ausschließlich für Tiere vorgesehen, die sich bei einem Unfall verletzt haben; die Diagnose, die er ausstellte, machte das Papier zugleich unwirksam. Laut Anklage wollte der Viehhändler den Befund aus finanziellem Interesse an den Tieren des Landwirtes geändert sehen. Er habe unbedingt gewollt, dass die Bullen notgeschlachtet werden. Die Ärztin habe er telefonisch gedrängt, die Diagnose ihres Kollegen zu ändern. Sie solle schreiben, dass die Tiere sich bei einem Unfall die Beine gebrochen hätten.

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Die Tierärztin schilderte vor Gericht, wie sie sich geweigert hatte, den Wunsch des Mannes zu erfüllten. Und wie er sie daraufhin unter Druck gesetzt habe. Er habe ihr gedroht, er kenne viele Landwirte aus der Region, und wenn sie die Diagnose nicht ändere, werde er dafür sorgen, dass die Bauern zukünftig eine andere Ärztin aufsuchen. Eine Bürokraft aus der Praxis bestätigte, den Mann telefonisch gesprochen, ihn an die Ärztin weitervermittelt und den Streit mitverfolgt zu haben.

Eine klare Sache also? Nicht so ganz. Denn der Angeklagte bestritt vor Gericht, auch nur irgendetwas mit dem Fall zu tun zu haben. „Ich sehe die Tierärztin heute zum ersten Mal“, sagte er. „Ich habe mich auch nie mit ihr unterhalten. Ich weiß überhaupt nicht, warum ich in der Anklage genannt werde.“ Die Tierärztin war sich sicher, dass der Mann am Telefon sich mit dem Nachnamen des Angeklagten gemeldet hatte, konnte aber im Gerichtssaal nicht mehr sicher sagen, ob es sich bei der Stimme am Telefon auch um die Stimme des Angeklagten handelte. War es also ein Familienmitglied des Angeklagten oder jemand ganz anderes? Gegen letztere Variante spricht, dass der Mann am Telefon umfangreiche Detailkenntnisse gehabt haben soll. Entschieden ist noch nichts. Richter Helmut Beyschlag vertagte den Prozess und ordnete an, weitere Zeugen anzuhören: den Tierarzt, der die fehlerhafte Bescheinigung ausgestellt hatte. Und den Vater des Angeklagten.

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