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Glaube

07.04.2019

Martinskirche: Neuer Altar in Deiningen geweiht

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Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger segnet den neuen Altar der Deininger Martinskirche mit Weihwasser. 

Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger kommt dafür ins Ries. In seiner Predigt macht er deutlich, warum ein Altar für die Gläubigen so wichtig ist.

Eine Altarweihe kommt in einem Ort gewöhnlich nur alle paar hundert Jahre einmal vor; die Weihe des neuen Altars in der katholischen Deininger Martinskirche nahm deshalb Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger persönlich vor. Vor dem Zeremoniell trug er sich im Rathaus in das Goldene Buch der Gemeinde ein. Danach schritt er in vollem Ornat zusammen mit anderen Geistlichen, Ministranten, Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine sowie Würdenträgern von Gemeinderäten über Landrat Stefan Rößle bis Bundestagsabgeordneten Ulrich Lange, angeführt von der Deininger Musikkapelle, zur Kirche. Gemeinsam mit Pfarrer Benjamin Beck und Kaplan Thomas Schmid hielt er den Gottesdienst mit der Altarweihe ab.

In seiner Predigt stellte Losinger die Frage, was wohl das größte Unglück sei, das einem Volk widerfahren könne. „Krieg“ komme einem unweigerlich in den Sinn, und in der Bibel werde eine besonders schlimme Kriegsfolge beschrieben: Eine Zeit ohne Altar. Hundert Jahre lang musste das Volk Israel in babylonischer Gefangenschaft ohne Altar leben, es war zerstreut über alle Länder, ohne Ort, wo es Erbarmen bei Gott finden konnte, hatte keine Vorsteher, Propheten, Opferstätten. „In unserer Theologie und Liturgie ist der Altar die innigste Verbindungspunkt zwischen Gott und Mensch“, beschrieb Losinger den Altar als geistige Heimat. Umgekehrt fragte er, was man heute ohne solch einen Bezugspunkt werde und zitierte die Antwort eines Benediktiner-Mönchs: „Wir kommen bis zum Mond, aber nicht mehr bis zur Tür unseres Nachbarn, unser Besitz vervielfacht sich, die Werte schwinden, wir vermehren den Lebensunterhalt, wissen aber nicht mehr, wie man lebt.“

Schließlich vollzog der Weihbischof ein Ritual, das vielleicht keiner der Anwesenden in der restlos gefüllten Kirche jemals mehr erleben wird: Zunächst trug er eine kleine goldene Dose mit rotem Siegel zu einer ausgesparten Nische vorne in dem massiven Altarblock – die Dose enthielt eine Reliquie des Patronatsheiligen St. Ulrich. Der Künstler Fred Jansen, der den massiven Altarblock geschaffen hatte, mauerte die Reliquie vor der versammelten Gemeinde ein. Dann besprengte Bischof Losinger den Altar mit Weihwasser und salbte die Oberfläche des Steins mit Chrisamöl ein, das den Heiligen Geist symbolisiert. Schließlich entzündete er fünf Weihrauch-Häufchen direkt auf der Steinplatte und setzte damit den Altar in Flammen – der bis zur Decke aufsteigende Rauch symbolisierte die Gebete, welche die Gemeinde zu Gott schickt.

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Auch den Ambo weihte der Bischof; das Lesepult wurde aus Metall in Form einer stilisierten Blütenranke ebenfalls von Fred Jansen geschaffen. Dazu passend hatte der Künstler auch zwei Kerzenständer geschmiedet, deren Kerzen Pfarrer Beck mit der Flamme der Osterkerze entzündete.

Die Pfarrgemeinderats-Vorsitzende Claudia Schindele bedankte sich abschließend im Namen der ganzen Gemeinde beim Weihbischof für die Ehre des Besuchs und des Zeremoniells.

Sektempfang im Garten der Pfarrei

Nach dem Gottesdienst wurde im Garten der Gemeindepfarrei zum Sektempfang geladen. Kirchenpfleger Michael Baumann rekapitulierte die Kirchenrenovierung: 2006 stellte man bei einer Glockensanierung im Turm massive statische Probleme fest, vor zehn Jahren brachte ein Statikgutachten das „schockierende Ergebnis“, dass eine Generalsanierung unumgänglich sei. 2012 begannen die Arbeiten an Turm und Außenfassade, 2015 stürzte die westliche Friedhosfmauer ein und wurde saniert, 2016 erfolgte die Sanierung der Außenanlagen. Die Gesamtkosten betrugen etwas über zwei Millionen Euro. Baumann dankte den öffentlichen Förderern, Sponsoren und unzähligen Helfern, die mit anpackten. Bürgermeister Wilhelm Rehklau bezeichnete die Martinskirche neben der Römerbrücke als Wahrzeichen Deiningens und Teil der historischen Identität. Von 1616 bis zum Bau der evangelischen Erlöserkirche 1961 wurde die Martins-kirche von beiden Konfessionen als Simultankirche genutzt. Für Claudia Angel, Vertrauensfrau der evangelischen Kirchengemeinde, war dies schon eine erste Phase der Ökumene. Angel freute sich, dass am Nachmittag die Altarweihe mit einem ökumenischen Gottesdienst gefeiert wurden, den Pfarrer Benjamin Beck und sein evangelischer Amtskollege Heiko Seeburg zelebrierten.

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Weihbischof Losinger weiht neuen Deininger Altar
Bild: Ronald Hummel
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