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Nördlingen

09.08.2020

Meisterinnen des Krippenbaus

Zimmermann, Maurer, Dachdecker, Landschaftsgestalter und Elektriker: Die Arbeit als Krippenbauer sei äußerst vielseitig, finden Carola Jackwerth (links) und Romana Jaumann.
Bild: Ronald Hummel

Plus Carola Jackwerth und Romana Jaumann bauen Krippen. Sie erzählen, wie sie zu ihrem Handwerk gekommen sind und worauf es beim Gestalten ankommt.

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit entfaltet sich in Nördlingen in zwei großen Ausstellungen und dem Krippenweg eine Krippenpracht, für die sogar Bewunderer aus dem Ausland anreisen. Hinter den Mini-Kulissen der faszinierenden Szenerien herrscht das ganze Jahr über emsige Aktivität – damit die Krippen rechtzeitig fertig werden, wenn die Weihnachtszeit ansteht. Wer aber steckt hinter dem Aufbau? Die Optikerin Carola Jackwerth und die Leiterin der ambulanten Lebenshilfe-Wohngemeinschaft, Romana Jaumann, von den Krippenfreunden Nördlingen sind zwei von ihnen. Unlängst absolvierten sie nach vierjährigen Kursen ihre Krippenbau-Meisterprüfungen in Kempten.

Die Gemeinschaft der Krippenfreunde fand sich 2012 bei einer Ausstellung im Nördlinger E-Center zusammen. 2015 bezog sie ihre Werkstatt in den Kellerräumen der Nördlinger Post. Seit 2016 gibt Mitbegründer Alwin Rauch – seit 2014 selbst Krippenbaumeister – Baukurse an der Volkshochschule. Carola Jackwerth war gleich beim ersten Kurs dabei: „Ich wartete schon lange auf einen handwerklichen Kurs, der mich ansprach.“

Krippenbauer: Ein extrem vielseitiges Hobby

Hintergrund ist für sie nicht zuletzt ihr christlicher Glaube. Das zentrale christliche Ereignis der Geburt Christi plastisch darzustellen übe für sie eine besondere Faszination aus.

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Romana Jaumann kam im gleichen Jahr zum zweiten Kurs dazu. Sie hatte sich in früheren Jahren beim Anblick von Krippen immer wieder vorgenommen, selbst welche zu bauen und ergriff nun die Gelegenheit dazu.

Schnell wurde den beiden klar, dass die Kurse nur eine Einführung in dieses extrem vielseitige Hobby sein können. „Ein Krippenbauer ist Zimmermann, Maurer, Dachdecker, Landschaftsgestalter und Elektriker in einem“, beschreibt Alwin Rauch die kreative Arbeit. Ein „Hausbau im Kleinen“ also. Romana Jaumann sieht aber auch immer den künstlerischen Aspekt: „Man nimmt Vorlagen als Anregung, aber das Werk entsteht erst in der Dynamik der Arbeit, in der man versinkt.“

Figur des Josef ist Ausgangspunkt

Ausgangspunkt ist übrigens immer die Figur des Josef, der aufrecht steht und den Maßstab für alle Proportionen vorgibt. Alwin Rauch hatte nicht viel Mühe, die beiden Frauen zur Mitgliedschaft bei den Krippenfreunden zu bewegen: „Es macht großen Spaß, das Grundwissen mit Leidenschaft und Herzblut zu verfeinern“, sagt Romana Jaumann; das reiche bis zur Besichtigung und zum Studium echter alter Bauten.

Von Beginn ihrer Tätigkeit an machten die Krippenbauerinnen Nägel mit Köpfen und strebten die Meisterausbildung in Kempten an, wo neben Klüsserath in Rheinland-Pfalz eine der zwei deutschen Krippenbau-Schulen angesiedelt ist.

In vier jährlichen Stufen wurden sie Krippenbau-Helfer, -Lehrer, -Kursleiter und schließlich -Meister. Immer feiner gestaltete sich das Kunsthandwerk aus, bis hin zur detaillierten Gestaltung von Türen, Zäunen, Felsen, Moosbewuchs an feuchten Stellen, akribischen Farbschattierungen der Patina von verwittertem Holz und altem Gemäuer.

Spagat zwischen handwerklicher Präzision und natürlicher Unvollkommenheit

Der handwerklichen Präzision steht dabei immer die Darstellung von natürlicher Unvollkommenheit und der Zahn der Zeit gegenüber. In der Kreativität tut sich ein unendlich weites Feld auf, wo jeder seine persönlichen Vorlieben entwickeln kann.

So entschied sich Carola Jackwerth für eine große Grotte als Mittelpunkt ihres Meisterstücks, umgeben von abwechslungsreichen Gebäuden. Romana Jaumann, ihr liegen Landschaften besonders am Herzen, wollte Felsen bauen, die mit verspielten Gebäuden, Ecken und Treppen auf verschiedenen Ebenen harmonieren.

Gestalten einer großen Krippe dauert zwischen 80 und 100 Stunden

Beide entschieden sich für den Grundstil der orientalischen Krippe im Gegensatz zur heimatlichen Krippe. Im Laufe der Zeit lernten sie eine internationale Vielfalt kennen, von mystischen afrikanischen Figuren über farbenfrohe und blütenreiche Varianten bis hin zur glänzenden Pracht osteuropäischer Krippen. 40 Stunden hatten sie Zeit, den Grundbau ihrer Meisterkrippen zu schaffen – für die endgültige Ausgestaltung einer großen Krippe sind 80 bis 100 Stunden nötig.

Zum Glück waren sie mit den Bauarbeiten kurz vor Corona fertig; nur die Abnahme verzögerte sich wegen der Krise.

Ob sich die kunsthandwerkliche Pracht der Krippenfreunde und anderer Krippenbauer auch heuer wieder entfalten kann, ist indes noch ungewiss.

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