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Konzertstadl

28.09.2012

Meisterliche Melodieführung

Fetzigen Sinti-Jazz vom Feinsten präsentierte das Romeo-Franz-Ensemble beim Jazzabend des Nördlinger Kulturforums im Konzertstadl in Reimlingen (von links): Joe Bawelino, Jani Lehmann, Romeo Franz und Uli Bund.
Bild: Dieter Mack

Romeo-Franz-Ensemble begeistert ein sachkundiges Publikum

Reimlingen Es war ein wunderbares Konzert, das Romeo Franz mit seinem Ensemble in den Konzertstadl in Reimlingen zauberte und das begeistert vom sachkundigen Publikum aufgenommen wurde. Wer die Befürchtung hatte, Zigeuner-Jazz sei langweiliges „Akkord-Geschrubbe“ sah sich bald eines Besseren belehrt, brillierte doch das Ensemble auch durch seinen Abwechslungsreichtum.

Romeo Franz zählt zweifellos zu den besten Swing-Geigern der Gegenwart. Als einstiger Musterschüler von Schnuckenack Reinhardt hat er beim Altmeister seine bestechende Form erreicht. Seine imposante Erscheinung und Körpergröße lassen die zierliche Geige in seinen Händen eher zerbrechlich wirken, doch kann er ihr Töne entlocken, die keine Wünsche mehr übrig lassen. Es ist nicht nur die virtuose Flinkheit in seinem Spiel, die perfekte Intonation in allen Lagen, sondern auch seine extravagante Tongestaltung, die begeistert. Dabei beherrscht er den typischen, für den Sinti-Jazz charakteristischen „Schnuckenack-Reinhardt-Klang“ genauso perfekt wie ein klassisches Vibrato. Von melancholisch gefärbten Tönen bis hin zu heiteren Passagen reizt er die klanglichen Möglichkeiten eines Streichinstrumentes voll aus.

Richtig wohl aber scheint er sich im Swing und Jazz zu fühlen. Seine Improvisationen sind grandios und seine Melodieführung meisterlich. Dabei hat er sein Repertoire völlig verinnerlicht. Losgelöst von jeglichem Notenkorsett legen er und das Ensemble eine Spielfreude an den Tag, wie sie für Zigeuner-Jazzbands typischer nicht sein kann. Und sie sind vielseitig. Jazz-Standards, Csardas und russische Weisen gehören gleichermaßen ins Programm wie feuriger Sinti-Jazz.

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Der zweite hervorzuhebende Solist des Abends ist der Jazzgitarrist „Papa“ Joe Bawelino. In Fachkreisen beschreibt man ihn als „den unschlagbar wendigen Joe Bawelino, dessen Spiel die wohl gelungenste, swingende Synthese aus Django Reinhardt und Charlie Christians Schule darstellt“. Zu seinen persönlichen Freunden zählen unter anderem Babick Reinhardt und Joe Pass, dessen Einfluss bei Bawelino zu spüren ist. In seiner unnachahmlichen Art zu improvisieren, wobei er sich als wahrer Sarasate im Akkordsolo präsentiert, reißt er mit viel Gefühl, Leidenschaft und Witz das Publikum von den Stühlen. Es ist ein Genuss diesen Musiker an diesem Abend zu erleben.

Der nächste Hochkaräter steht am Bass und heißt Jani Lehmann. Typisch und unverzichtbar im Jazz sind die weichen Walking-Bass-Linien, die er meisterlich beherrscht. Auch in den vielen Soli kommt seine langjährige Bühnenerfahrung und die hohe Kunst des Bass-Spiels zum Ausdruck.

Zusammen mit dem Rhythmusgitarristen Uli Bund sorgen die beide für den notwendigen Schwung in den fetzigen Nummern.

Zur Abrundung des Konzertabends darf auch das elfjährige Nachwuchstalent Sunny Franz mit seiner Geige den einen oder anderen Titel spielen, und dank seines meisterlichen Könnens die Zuhörer in blankes Erstaunen versetzen. (c.e.)

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