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Landespolitik

15.05.2018

Ministerin in Rudelstetten: Bauern nicht verunglimpfen

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Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sprach in Rudelstetten beim Spargelfest des Sonnenhofes.
Bild: Szilvia Izsó

Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber spricht in Rudelstetten beim Spargelfest des Sonnenhofes. Was sie von den Verbrauchern fordert.

Sie war die größte Überraschung im Kabinett von Ministerpräsident Markus Söder: Die Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber aus dem Berchtesgadener Land ist seit März die neue Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Nach gut fünf Wochen im Amt steht die 40-jährige CSU-Politikerin mit kroatischen Wurzeln nun vor knapp 400 Zuhörern beim agrarpolitischen Abend im Rahmen des Spargelfestes auf dem Sonnenhof der Familie Murr in Rudelstetten: lange Haare, schmuckes hellblaues Dirndl – sympathisch. CSU-Landtagsabgeordneter Wolfgang Fackler hat sie ins Ries eingeladen – genau genommen ihren Vorgänger Helmut Brunner. Nach dessen Ausscheiden aus dem Kabinett war es für seine Nachfolgerin „ganz selbstverständlich“, den Termin zu übernehmen.

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Als sie ihre Rede beginnt, zieht ein Unwetter auf. Es gießt wie aus Kübeln und der Regen prasselt so heftig auf das Zeltdach, dass die Ministerin trotz Mikrofon kaum zu verstehen ist. „Machen wir doch eine kurze Pause“, schlägt sie kurzerhand vor. Zehn Minuten später steht sie wieder auf der Bühne und sendet gleich zu Beginn eine ihrer Kernbotschaften an die Zuhörer: Sie bricht eine Lanze für die Landwirte und fordert von der Gesellschaft einen fairen Umgang mit den Bauern. Sie nimmt dabei den Begriff vom „Bauern-Bashing“ auf, den zuvor Hausherr Ulrich Murr in seiner Begrüßung verwendet hat. Es könne nicht angehen, eine ganze Branche zu verunglimpfen, weil einige wenige landwirtschaftliche Betriebe nicht so arbeiten würden, wie man es sich wünsche, sagt die Ministerin. Klar, überall gebe es schwarze Schafe – auch bei den Bauern.

Die Realität stelle sich jedoch ganz anders dar: „Tierwohl und Umweltschutz sind keine Fremdwörter für die Landwirte. Im Gegenteil: Sie sind feste Bausteine der Bauern-DNA.“ Die Landwirte würden ihre Verantwortung für die Nutztiere sehr ernst nehmen, zeigt sich Kaniber überzeugt und verweist auf „viele moderne Ställe“, die inzwischen bayernweit täglich in Betrieb gingen.

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Verantwortung fordere sie aber auch von den Verbrauchern. Es passe nicht zusammen, mehr Tierwohl und Umweltschutz zu fordern, gleichzeitig aber nicht bereit zu sein, an der Ladentheke für die Produkte etwas mehr zu bezahlen. „Da gibt es Leute, die sich einen Grill für 800 Euro anschaffen und Würstchen für 99 Cent vom Discounter drauf legen. Da stimmt doch etwas nicht.“ Sie wünsche sich ein Ende der permanenten Anschuldigungen gegen die Landwirte und wieder mehr Respekt vor deren Arbeit, gerade in den bäuerlichen Familienbetrieben – egal ob konventionell oder ökologisch.

Im Schnelldurchgang streift Kaniber weitere Themen, die den Landwirten auf den Nägeln brennen. Die Düngeverordnung beispielsweise. Bei diesem Punkt wolle sie „Hand in Hand“ mit den Bauern arbeiten, um eine Reduzierung des Nitratgehaltes in den Böden zu erreichen. Beim Thema Biber vergaloppiert sich die Ministerin allerdings. Direkt an den anwesenden Landrat Stefan Rößle gewandt sagt sie unter großem Beifall der Zuhörer: „Dieses Riesenproblem liegt ganz in Ihrer Hand. Erlauben Sie bitte die Entnahme dieser Tiere.“ Rößle ist sichtlich geplättet und verärgert ob dieser kühnen Aussage, was er später auch gegenüber Kaniber deutlich zum Ausdruck bringt. Auf Nachfrage unserer Zeitung versichert der Landkreischef, dass er in Sachen Biber alles tue, um praktikable Lösungen anzustreben. So einfach, wie die Ministerin, könne man es sich nicht machen. Er als Landrat müsse sich an Recht und Gesetz halten. Gerade im FFH-Gebieten gebe es nun mal nahezu keine Möglichkeit, beim Biber groß einzugreifen.

Schließlich wirbt Kaniber für die Innenentwicklung der Dörfer, um alte Gebäude nach Möglichkeit zu revitalisieren und für „Ruhe und Gelassenheit“ bei der künftigen EU-Agrarpolitik, wo Kürzungen bei den Direktzahlungen zu erwarten seien. Sollte es soweit kommen, müsse der Bund in die Bresche springen.

Das Schlusswort bleibt dem CSU-Kreisvorsitzenden Ulrich Lange vorbehalten. Er wirbt für das Kandidaten-Team zur Landtags- und Bezirkstagswahl des Kreisverbandes.

Die Ministerin nimmt sich noch Zeit für Gespräche mit lokalen Vertretern der Landwirtschaft, bevor sie dann in ihren Dienstwagen steigt, der sie nach Hause nach Bayrisch Gmain bringt.

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