1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Mutter soll Sohn vergewaltigt haben - ist sie schuldfähig?

Aalen

11.10.2018

Mutter soll Sohn vergewaltigt haben - ist sie schuldfähig?

In einem Prozess vor dem Aalener Amtsgericht geht es um die Frage, ob eine Mutter ihren Sohn missbraucht hat.
Bild: Alexander Kaya, Symbolbild

In Aalen steht eine Frau vor Gericht, die sich an ihrem Sohn vergangen haben soll. Im Raum steht auch der Verdacht, dass sie mit ihm ein Kind gezeugt hat.

Am zweiten Verhandlungstag im Prozess am Aalener Amtsgericht gegen eine Mutter, die ihren Sohn über mehrere Jahre hinweg sexuell missbraucht haben soll, haben am Donnerstag weitere Zeugen ausgesagt. Die gezeigte Videovernehmung des Opfers brachte nicht die erhofften Aufschlüsse für das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Martin Reuff. Die Tonqualität, vor allem was die Aussage des mutmaßlichen Opfers angeht, war so schlecht, dass die Nördlinger Nebenklägervertreterin Dr. Andrea Theurer vorschlug, ein Techniker solle mehr aus dem aufgezeichneten Video aus 2016 herausholen und es bei einem anderen Termin noch einmal vorführen.

Schwieriges Verhältnis zwischen Mutter und Sohn

Zunächst wird ein Sozialpädagoge des Jugendamts Aalen befragt, nachdem die Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs ihres Kindes von der Behörde ausging. Richter Reuff will von dem Mann wissen, wie es zu der Anzeige kam. Der Zeuge schildert, dass der Bub sich eines Tages sowohl seinem Pflegevater als auch seinem Lehrer geöffnet habe. Der Bericht des zuständigen Psychologen sei schließlich Grundlage für die Anklage gewesen. Der Sozialpädagoge zeigt auf, dass es zwischen Mutter und Sohn immer Schwierigkeiten gegeben habe. Die angeklagte 42-Jährige soll gesagt haben, dass es ihr Kind sei und dass sie ihn bei sich haben wolle. Dass habe den Bub verunsichert. Auch sein Halbbruder sei ständig Thema gewesen.

Vom Zeugen angesprochen wird außerdem der Vorwurf des Opfers, dass er der Vater seines Halbbruders sein könnte. Die Thematik ist dem Mitarbeiter des Jugendamts bekannt, er sagt: „Die zeitlichen Abläufe sind geprüft worden und deshalb kann es nicht möglich sein, dass er der Vater ist.“ Staatsanwalt Ulrich Karst will konkret wissen, wie diese Prüfung aussah. Der Zeuge gibt an, dass man vom Geburtstermin des Bruders zurück gerechnet habe. Im Zeitraum eines möglichen Zeugungstermins habe es keine vom Jugendamt nachweisbaren Kontakte zwischen Mutter und Sohn gegeben. Nebenklägervertreterin Theurer hält dem entgegen, dass sie versucht hätte, einen Vaterschaftstest durchführen zu lassen. „Wenn das Opfer nicht der Vater ist, dann würden sich alle Beteiligten freuen“, sagt sie weiter. Ein Familiengericht hätte dem jedoch nicht zugestimmt, weil die Mutter nicht damit einverstanden gewesen war. Der Staatsanwalt fordert schließlich einen genaueren Blick auf die vage Berechnung des Jugendamtes.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

In der Videovernehmung wird schließlich die Aussage des Opfers aus dem Jahr 2016 gezeigt. Der heute 18-Jährige hat im Prozessauftakt seine Aussage verweigert. Soweit verständlich schildert er dem Ermittlungsrichter immer auf dessen Nachfragen und in abgehackten Sätzen, wie sich seine Mutter in diversen Nächten am ihm vergangen haben soll. Außerdem sagte er bei der Vernehmung sinngemäß, dass er davon ausgegangen ist, dass die sexuellen Handlungen zwischen Mutter und Sohn normal seien.

Gutachter: Mutter leidet nicht an Persönlichkeitsstörung

Vor der Mittagspause äußert sich Gutachter Dr. Thomas Heinrich zur Schuldfähigkeit der Mutter. Er ist der Ansicht, dass die Angeklagte nicht an einer Persönlichkeitsstörung oder Schizophrenie leide - anders als in einem weiteren Gutachten aufgeführt. Eine Intelligenzminderung liege allerdings vor. Sollte sich der Tatvorwurf bestätigen, dann glaubt der Sachverständige, dass es sich um Einzeltaten gehandelt habe, die lange her seien. Er geht nicht davon aus, dass etwa ihr anderes Kind in Gefahr sei und sagt, dass er keine pädophilen Züge habe erkennen können: „Sex mit Kindern ist ungewöhnlich, mit den eigenen erst recht, aber daraus lässt sich keine Pädophilie ableiten.“

Die Mutter bestreitet die Tat bis heute. Dem Gutachter zufolge habe sie gesagt, dass es sich bei den Anschuldigungen um einen Racheakt des Pflegevaters handle. Vor Gericht sagt sie, dass sie nicht lüge und schwört auf die Bibel, die sie vor sich auf dem Tisch abgelegt hat. Sie selbst ist laut den Angaben des Gutachters unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Turm_Kirchweih_Liebfrauenm%c3%bcnster_1(1).tif
Brauchtum

Plus Gänse, Kirmes, Tanz – Was ist Kirchweih?

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden