1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Missstände auf Oettinger Bauernhof: Warum hilft niemand?

Donau-Ries

15.12.2017

Missstände auf Oettinger Bauernhof: Warum hilft niemand?

Die Bilder des Bauernhofs zeigen Missstände und Hygienemängel. Tierschützer sagen, die Tiere leben dort in einem bedenklichen Zustand und haben Anzeige erstattet.
Bild: Animals United

Der Bauernhof im Raum Oettingen ist vermüllt und verwahrlost. Die Polizei hat im Januar Anzeige erstattet. Doch das Veterinäramt kann trotzdem nur wenig tun.

Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss es seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen. Zunächst klingt dieser Auszug aus dem deutschen Tierschutzgesetz klar formuliert. Doch wann endet artgerecht?

Die Bilder über die Missstände auf dem Bauernhof im Raum Oettingen zeigen mit Fäkalien beschmutzte Kühe, Kot, der sich an der Stallmauer auftürmt und dem Tier Bewegungsraum nimmt. Sperrmüll, an denen sich Tiere verletzen könnten sowie verdreckte und defekte Getränkespender. Im zerbrochenen Fenster steckt Unrat, der den Durchzug verhindern soll. Katzen schleichen vorbei an Sperrmüllbergen. Die Kühe werden aus einem Eimer getränkt. Ist das noch artgerecht? Oder verstößt die Rinderhaltung auf diesem Bauernhof gegen das Tierschutzgesetz?

Amt: Keine gravierenden Verstöße auf dem Bauernhof

Auf diese Frage gibt es für Tierschützer keine zufriedenstellende Antwort. Zumindest, wenn man die Reaktion des Veterinäramtes beleuchtet. Das Amt sagt, dass es keine gravierenden Verstöße auf dem Bauernhof gebe. Der Landwirt hätte allerdings Auflagen erhalten, dass die Kühe künftig dreimal statt zweimal getränkt werden müssten und dass nur frisches Futter verabreicht werden dürfe. Auf Anfrage sagte der Leiter des Veterinäramtes, Dr. Thomas Kellner, dass er sich wegen Amtsgeheimnisses nicht zu dem Fall äußern dürfe. Allerdings schildert er grundsätzliche Abläufe.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Meist gehe jedem Einschreiten des Veterinäramts eine Anzeige voraus, beispielsweise von der Polizei, Nachbarn oder Tierrechtlern. Dann sähen sich Tierärzte den betroffenen Betrieb an. Kellner zufolge wird dann auf den Einzelfall bezogen eine sogenannte mündliche Anordnung gegeben. Der Landwirt müsse das, was besprochen werde, umsetzen. Dann starte ein schleichender Prozess, gerade dann, wenn das Tier nicht offensichtlich verletzt ist, was ganz klar ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz wäre. Der Amtstierarzt schildert das weitere Vorgehen der Behörden: Nach der mündlichen Anordnung folgt bei Nichtstun eine schriftliche, die mehr Druck ausüben soll. Und diese koste Gebühren. Sollte wieder nichts geschehen, würden Fristen gesetzt, Bußgelder verhängt. „Bis es zum Tierhalteverbot kommt, muss wirklich viel passieren“, sagt Kellner und vergleich es mit einer Verkehrsangelegenheit: „Beim ersten Verstoß wird ja auch nicht der Führerschein auf Lebenszeit entzogen.“

Beispiele, bei denen das Veterinäramt sofort einschreiten würde, seien abstrakte Gefahren. Also dann wenn sich Tiere in ihrem Bewegungskreis verletzen könnten, oder Tiere gar zu Tode gekommen seien. Dann werde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Aber auch bei weniger schwerwiegenden Verstößen werde der Blick nicht abgewendet. „Es gibt so lange Nachkontrollen, bis es wieder gut ist, oder aber der Bestand dann aufgelöst wird“, sagt Kellner. Betriebe mit Mängeln seien meist den persönlichen Situationen der Betreiber geschuldet. Die Leute kämen wegen zu viel Arbeit oder Krankheit nicht mehr zurecht, oder aber es liege am Alter oder dem Verlust eines Menschen.

Bauernhof Oettingen: Landwirt ist überfordert

Der Geschäftsführer der Tierschutzorganisation Animals United, Viktor Gebhart, kritisiert stark, dass von Amtswegen beim Hof im Raum Oettingen nichts unternommen werden könne und fordert klare Leitlinien für die Rinderhaltung vom Gesetzgeber. Der Bauernhof sei nur ein Paradebeispiel für viele Missstände beim „Bauern von nebenan“. Im speziellen Fall habe man dem Landwirt Hilfe angeboten, dieser habe sich aber nicht einsichtig gezeigt. Die Leute, die vor Ort gewesen waren, sahen den alten, alleinstehenden Mann „völlig überfordert“.

Ein ähnliches Bild zeigte sich Polizeibeamten, die laut Polizeichef Walter Beck im Januar auf dem Hof waren. Sie zeigten die Missstände ebenfalls an. Es heißt, dass das Chaos wirkte, als könne der Mann sein Leben nicht mehr allein bestreiten. Tatsächlich, so erzählen Menschen, die den Landwirt näher kennen, müsse er nach dem Tod einer Angehörigen allein zurechtkommen und sei sichtlich überfordert. Er selbst soll die Anschuldigungen der Tierschützer, das Chaos und die Hygienemängel „nicht so eng“ sehen. Der Satz „er lebt wie vor 50 Jahren“ fällt mehrmals . Hilfe soll er stets abgelehnt, gar aggressiv reagiert haben. Statt Einsicht zu zeigen, habe sich Streit entwickelt.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Freibad8.jpg
Freizeit

Entscheidung über die Zukunft des Kösinger Freibads gefallen

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen